Finanzen

Behörden drängen nicht genehme Kryptowährungen von den Börsen

Aufgrund der neuen internationalen Regulierungen gegen Geldwäsche sehen sich Börsen dazu gezwungen, den Handel mit bestimmten Kryptowährungen einzustellen.
20.09.2019 11:02
Aktualisiert: 20.09.2019 11:05
Lesezeit: 3 min
Behörden drängen nicht genehme Kryptowährungen von den Börsen
Die Kryptowährungen Dash (blau) und Monero (orange) haben im Verlauf der letzten zwei Jahre erhebliche Anteile am Kryptowährungsmarkt verloren. (Grafik: coinmarketcap.com)

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Die Behörden weltweit stufen Bitcoin und die zahlreichen anderen Kryptowährungen offenbar als eine Bedrohung ein. Die gängigen Vorwürfe lauten Geldwäsche und Finanzierung von verschiedenen Formen der Kriminalität bis hin zu Terrorismus. Ganz besonders kritisch sehen die Behörden die sogenannten "Privacy Coins". Anders als Bitcoin nutzen diese anonymen Kryptowährungen wie Monero, Dash und Zcash verschiedene Methoden, um Transaktionen zu verschleiern.

Bitcoin hat sich längst als ein Albtraum für den Datenschutz erwiesen. Wenn zum Beispiel ein Nutzer, der 10.000 Euro in Bitcoin auf einer bestimmten Bitcoin-Adresse hat, jemandem 100 Euro in Bitcoin überweist, dann muss der Empfänger sich diese Transaktion nur in der Blockchain ansehen, um zu erfahren, dass der Sender 10.000 Euro in Bitcoin auf der Sendeadresse hatte und jetzt also noch 9.900 Euro in Bitcoin abzüglich Transaktionsgebühren besitzt.

Hinzu kommt, dass inzwischen alle großen Krytowährungsbörsen der Welt von ihren Kunden eine Identifizierung mit Ausweis oder Pass fordern, so wie es die Behörden vorschreiben. Und wenn die Kunden Bitcoin von der Börse auf ihren Computer oder ihr Handy überweisen, dann führt die Börse genaue Aufzeichnungen über alle genutzten Bitcoin-Adressen. Geldwäsche ist so kaum noch möglich. Denn bei Bedarf können die Behörden bei den Börsen Auskunft über Bitcoin-Adressen und Dinge wie IP-Adressen anfordern.

Zwar gibt es verschiedene Techniken, um die Nachverfolgbarkeit von Bitcoin zu verringern, so wird zum Beispiel empfohlen für jede Transaktion eine neue Empfängeradresse zu verwenden. Doch es gibt inzwischen mehrere große Blockchain-Analyse-Firmen, die diese Techniken problemlos erkennen können und die eng mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten.

Börsen müssen Handel mit anonymen Kryptowährungen einstellen

Die anonymen Kryptowährungen wie Monero, Dash und Zcash erschweren es den Kryptowährungsbörsen zusätzlich, die neuen internationale Richtlinien zur Verhinderung illegaler Finanzierungen einzuhalten. Daher haben sich bereits einige große Börsen entschieden, diese Münzen einfach nicht mehr zum Handel anzubieten.

So hat Coinbase UK im August die Unterstützung für Zcash eingestellt. Und am 10. September sagte OKEx Korea, dass es die Unterstützung von fünf mehr oder weniger anonymen Kryptowährungen - Monero, Dash, Zcash, Horizon und Super Bitcoin - beendet. Die Börse berief sich dabei auf die im Juni skizzierten Regeln der Financial Action Task Force (FATF), einem internationalen Gremium zur Bekämpfung der Geldwäsche mit Sitz bei der OECD in Paris.

Die neuen FATF-Regeln würden "als eine große Hürde für die Existenz von Datenschutzmünzen angesehen", zitiert Bloomberg Jesse Spiro vom kalifornischen Blockchain-Analyse-Unternehmen Chainalysis. Er geht davon aus, dass weitere Börsen den Handel mit anonymen Kryptowährungen einstellen werden.

Die Probleme mit der Regulierung haben bereits Auswirkungen auf die Kurse der anonymen Münzen. Der Preis von Monero ist seit Mitte Juni um etwa 30 Prozent gesunken, während Dash um mehr als 40 Prozent und Zcash sogar um etwa 50 Prozent gesunken ist.

"Es ist gut möglich, dass viele von ihnen von den Börsen genommen werden und die Liquidität versiegt", sagte Jeff Dorman, Chief Investment Officer bei Arca, einem in Los Angeles ansässigen Vermögensverwalter, der in Kryptowährungen investiert.

Sind die Probleme mit der Regulierung lösbar?

Die Entwicklerteams für die verschiedenen Datenschutzmünzen bemühen sich, die großen Börsen in aller Welt davon zu überzeugen, dass ein regelkonformer Handel mit ihren Münzen weiterhin möglich ist. Monero etwa bietet eine Option, mit der Besitzer ihre Transaktionen nachverfolgen können. Dash kooperiert mit den Unternehmen BlockchainIntel und Coinfirm, die Compliance-Dienste für die Dash-Blockchain bereitstellen.

Und bei Zcash sind sogenannte "private Transaktion" lediglich eine Option, die man explizit anwählen muss, sodass FATF-konforme "transparente Transaktionen" der Standard sind. "Ich glaube, es ist besser mit den Empfehlungen der FATF vereinbar als die meisten anderen Kryptowährungen", sagt Jack Gavigan von Electric Coin, dem Entwicklerteam hinter Zcash. Denn Börsen könnten von den Benutzern verlangen, dass sie transparente Adressen verwenden.

Zhao Changpeng, der Chef der weltgrößten Kryptowährungsbörse Binance, hat am Dienstag angekündigt, dass das Kreditgeschäft der Börse Monero, Dash und Zcash unterstützen wird. Binance hat seinen Sitz in Malta, wo die Regulierung relativ flexibel gehandhabt wird. Malta ist Mitglied von Moneyval, einem Anti-Geldwäsche Mechanismus in Europa, der ein assoziiertes Mitglied der FATF ist.

Die Financial Action Task Force wird im Juni kommenden Jahres eine Überprüfung der Umsetzung ihrer neuen Leitlinien durch die Mitgliedsländer durchführen. Eine Nichteinhaltung dieser Vorschriften könnte zur Schließung von Börsen und zur Verhängung von Strafen führen.

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