Politik

EU beginnt Beitrittsgespräche mit Albanien und Nord-Mazedonien

Die EU wird am 15. Oktober Beitrittsgespräche mit Albanien und Nordmazedonien aufnehmen. Der Bundestag unterstützt das Vorhaben mit Nachdruck.
30.09.2019 12:12
Aktualisiert: 30.09.2019 12:14
Lesezeit: 2 min

Die EU plant, Beitrittsgespräche mit Albanien und Nordmazedonien bei einem EU-Ministertreffen am 15. Oktober in Luxemburg zu beginnen. “Angesichts der Fortschritte bei den Reformen werden die EU-Minister die Beitrittsverhandlungen eröffnen”, zitiert der EU Observer die EU-Kommission aus einer Mitteilung.

Der Bundestag unterstützt das Vorhaben der EU, Beitrittsverhandlungen mit Albanien und Nordmazedonien aufzunehmen. Trotz verschiedener Defizite würdige man die Reformanstrengungen der beiden Balkanstaaten, heißt es in zwei Anträgen, die das deutsche Parlament am vergangenen Donnerstagabend mit großer Mehrheit angenommen hatte. Beiden Ländern werden erhebliche Fortschritte bescheinigt, aber auch Nachholbedarf bei der Reform der Justiz. Nordmazedonien werden darüber hinaus weitere Anstrengungen im Kampf gegen Korruption und Kriminalität nahe gelegt.

Ende Mai 2019 hatte die EU-Kommission den Mitgliedsstaaten die Aufnahme von Beitrittsgesprächen empfohlen. Vor allem in Frankreich, aber auch in den Niederlanden und Dänemark gibt es jedoch erhebliche Bedenken. So verweist Frankreich etwa auf ungelöste Probleme mit organisierter Kriminalität, vor allem in Albanien.

Deutschland will ein zweistufiges Verfahren initiieren. So soll eine erste Beitrittskonferenz erst stattfinden, wenn in Albanien eine Wahlrechtsreform beschlossen sowie das Verfassungsgericht und der Oberste Gerichtshof funktionsfähig sind. Eine zweite Beitrittskonferenz soll an weitere Bedingungen geknüpft sein, darunter die Umsetzung der Wahlrechtsreform, Strafverfahren gegen Richter und Staatsanwälte sowie solide Fortschritte beim Kampf gegen Korruption und organisierte Kriminalität. Auch Nordmazedonien müsse weiterhin erhebliche zusätzliche Anstrengungen unternehmen.

Beitrittsverhandlungen laufen bereits seit 2012 mit Montenegro und seit 2014 mit Serbien. Dagegen sind das Kosovo und Bosnien-Herzegowina keine Beitrittskandidaten. Für das Kosovo ist dies noch nicht einmal absehbar, weil bislang nicht alle EU-Staaten die junge Republik anerkannt haben, darunter etwa Spanien.

Im Juni 2018 blockierten Frankreich und die Niederlande unerwartet den Beginn der EU-Gespräche für Albanien und Nordmazedonien, um weitere Reformen anzumahnen. Diplomaten argumentierten nach Angaben der griechischen Zeitung Kathimerini, der Schritt spiegele Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen auf die Wähler bei den EU-Wahlen im Mai 2019 wider.

Nachdem die Wahlen zum Europäischen Parlament aus dem Weg waren, sollten Frankreich und die Niederlande in Einklang gebracht werden, während die EU-Kommission Albaniens Premierminister Edi Rama und Nordmakedoniens Präsident Stevo Pendarovski nach Brüssel einlud.

Bei einem Besuch in Brüssel Anfang Juni 2019 sagte Sokol Dedja, Albaniens stellvertretender Europa- und Außenminister, es sei an der Zeit, dass der Block die Notwendigkeit vorbereitender Reformen nicht mehr ausnutzt, “um Länder aus der Europäischen Union herauszuhalten”. EU-Beitrittsgespräche, die in der Regel bis zu einem Jahrzehnt dauern, sind de facto ein Reformprozess, um die Nationen auf EU-Ebene zu bringen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen XRP-Ledger-Transaktionsvolumen überschreitet die Marke von 1 Million

Analysten erwarten ein Aufwärtspotenzial von 100%. XRP Wie können Inhaber neue passive Einkommensquellen schaffen?

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie kaufen? Der Superzyklus steht erst am Anfang
15.06.2026

Der Wert der Rheinmetall-Aktie hat sich seit 2022 bereits vervielfacht. Russlands Krieg gegen die Ukraine, Europas Aufrüstung und...

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX, Anthropic und OpenAI in Ihrem ETF-Fonds? Vielleicht schneller, als Sie denken
15.06.2026

Während Tesla ein ganzes Jahrzehnt gebraucht hat, um in den S&P 500 und damit in passiv verwaltete ETF-Fonds aufgenommen zu werden,...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Kurs steigt zeitweise über 25.000 Punkte: Iran-Abkommen und SpaceX-Erfolg treiben die Börsen an
15.06.2026

An den Börsen kehrt plötzlich Optimismus zurück: Sinkende Ölpreise, Hoffnung auf Entspannung im Nahen Osten und ein spektakulärer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Autobauer: Warum die Gewinne 2026 einbrechen
15.06.2026

Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW starten mit Umsatzrückgang und Gewinneinbruch ins Jahr – während internationale Konkurrenten zulegen....

DWN
Politik
Politik Russische Raketen treffen Kiew: Weltkulturerbe in Flammen – Schäden am berühmten Höhlenkloster
15.06.2026

Mit einer massiven Angriffswelle setzt Russland seinen Luftkrieg gegen die Ukraine fort. Neben Wohngebieten und Infrastruktur geriet...

DWN
Technologie
Technologie Bitkom schlägt Alarm: Sperre von Anthropics KI-Modell – wie abhängig ist Europa von US-KI?
15.06.2026

Künstliche Intelligenz gilt als Schlüsseltechnologie für Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft. Umso größer ist die Aufmerksamkeit,...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Edelmetall legt zum Wochenstart deutlich zu
15.06.2026

Der Goldpreis startet dank der Rahmenvereinbarung zwischen den USA und dem Iran fester in die neue Woche. Niedrigere US-Renditen und ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft DIW-Chef Marcel Fratzscher: Hohe Teilzeitquote von Frauen kostet Wohlstand
15.06.2026

Deutschlands Arbeitsmarkt leidet unter Fachkräftemangel, gleichzeitig bleibt ein enormes Potenzial weitgehend ungenutzt. Nach...