Finanzen

US-Börse Nasdaq erschwert chinesische Börsengänge beträchtlich

Die US-Technologiebörse Nasdaq erschwert Börsengänge chinesischer Unternehmen beträchtlich. Zeigen sich erste Merkmale einer Entkoppelung beider Staaten auf den Finanzmärkten?
30.09.2019 13:10
Aktualisiert: 30.09.2019 13:14
Lesezeit: 1 min

Der US-Börsenbetreiber Nasdaq greift mitten im amerikanisch-chinesischen Handelsstreit bei Neuemissionen (IPO) von Kleinunternehmen aus der Volksrepublik China hart durch. So werden zum Beispiel die Vorschriften für geplante Börsengänge verschärft, wie aus offiziellen Mitteilungen hervorgeht, aus denen Reuters zitiert. Die US-Regierung erwägt Insidern zufolge sogar, die Börsennotierung chinesischer Firmen in den USA ganz einzustellen. China warnte am Montag, dass ein solcher Schritt zu Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten führen könnte.

Drei namentlich nicht genannte Insider hatten am Freitag gesagt, die Regierung von US-Präsident Donald Trump erwäge, die Börsenzulassung von bereits an den US-Handelsplätzen notierten chinesischen Unternehmen zu widerrufen (delisting). Ein solcher Schritt wäre Teil von Bemühungen im größeren Stil, chinesische Investitionen in den USA einzuschränken, sagten zwei der Insider der Nachrichtenagentur Reuters.

Das US-Finanzministerium erklärte später, "im Moment" gebe es keine Pläne, Börsengänge von chinesischen Unternehmen in den USA zu verhindern. Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Geng Shuang, sagte am Montag, eine "Entkoppelung" der Beziehungen zwischen China und den USA wäre für beide Seiten schädlich und würde zu Turbulenzen an den Finanzmärkten führen.

Die Aussagen Gengs bezüglich einer Entkoppelung sind bemerkenswert, weil einige Beobachter tatsächlich erwarten, dass der Handelskrieg zwischen den USA und China zu einer Zweiteilung der Welt auf den Finanzmärkten und in den Bereichen von Politik und Technologie führen werde.

US-Präsident Donald Trump wirft China unfaire Handelspraktiken vor und hat deshalb milliardenschwere Strafzölle verhängt. China hat mit Gegenzöllen reagiert. Das belastet weltweit die Wirtschaft und hält die Börsen in Atem.

Zuletzt waren nach Angaben der US-Regierung mehr als 150 chinesische Firmen an der Wall Street notiert. Die Umsätze mit Aktien der meisten chinesischen Unternehmen bleiben nach der Börsennotierung in New York jedoch niedrig, da sich die Papiere in den Händen von nur wenigen Investoren befinden. Diese geringe Liquidität macht sie unattraktiv für viele institutionelle Anleger. Eine zunehmende Zahl der Firmen erhält zudem bei ihrem Börsengang den Großteil ihres Kapitals aus chinesischen Quellen und nicht von US-Anlegern.

Neben verschärften Vorschriften für geplante Börsengänge erschwert die Nasdaq den Schritt aufs Parkett auch auf andere Weise. So werde der Genehmigungsvorgang für den Sprung auf das Handelsparkett verlangsamt, sagten Investmentbanker und Unternehmenschefs.

Eine Nasdaq-Sprecherin sagte, dass die Börse allen qualifizierten Firmen einen fairen Marktzugang gewähre. US-Anlegern sollen damit breite Investitionsmöglichkeiten gegeben werden. Zu den Auswirkungen der neuen Börsenregeln auf IPOs von chinesischen Kleinunternehmen wollte sie sich nicht äußern. Im vergangenen Jahr sind insgesamt 19 chinesische Firmen an die Nasdaq gegangen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

 

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Technologie
Technologie Deutsche Bahn: Per 5-Jahres-Plan endlich pünktlich ans Ziel?
06.10.2026

Marode Gleise und unpünktliche Züge belasten den Bahnverkehr in Deutschland. Ein neuer Infraplan soll verbindliche Ziele setzen und die...

DWN
Politik
Politik Staatshaushalt: Finanzierungsdefizit im ersten Halbjahr 2026 von fast 99 Milliarden Euro
06.10.2026

Der deutsche Staat gibt deutlich mehr aus, als er einnimmt: Die öffentlichen Haushalte verzeichnen im ersten Halbjahr 2026 ein Defizit von...

DWN
Finanzen
Finanzen Investor Felix: Eine Anlage, der ich keinen Erfolg wünsche
06.10.2026

Alpha Pro Tech ist klein, langweilig und an der Börse meist nahezu unsichtbar. Doch sobald eine Gesundheitskrise ausbricht, können Umsatz...

DWN
Finanzen
Finanzen Frankreichs Schulden treiben den Euro in die Krise
06.10.2026

Der Euro fällt auf den tiefsten Stand seit 17 Monaten, während Frankreichs Schuldenkrise die Finanzmärkte verunsichert. Warum Experten...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Nissan Qashqai im Test: Elektrogefühl ohne Ladekabel
06.10.2026

Der Nissan Qashqai e-Power ist ein Hybrid, funktioniert aber anders als die meisten Konkurrenten. Die Räder treibt immer ein Elektromotor...

DWN
Technologie
Technologie Warum Fernwärme nicht überall funktioniert
06.10.2026

Fernwärme soll ein wichtiger Baustein der Wärmewende werden – doch nicht jedes neue Netz ist wirtschaftlich sinnvoll. Entscheidend sind...

DWN
Politik
Politik Nicht nur das BSW verhilft AfD-Mann zum Posten des Landtagspräsidenten
06.10.2026

Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit fast 44 Prozent der Stimmen gewonnen und wird mit Tobias Rausch nun auch den...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Kündigungsschutzklage: Das müssen Sie wissen
06.10.2026

Wer entlassen wird, kann und sollte sich dagegen wehren. Lohnnachzahlungen oder eine Abfindung sind jedoch kein Selbstläufer. Was...