Wirtschaft

Zahl der Insolvenzen in Amerikas Fracking-Industrie steigt deutlich

Viele der US-amerikanischen Fracking-Unternehmen sind in ernste Schwierigkeiten geraten. Beobachter erwarten eine massive Konsolidierung der Branche.
25.10.2019 13:00
Lesezeit: 2 min
Zahl der Insolvenzen in Amerikas Fracking-Industrie steigt deutlich
Eine Bohrstelle in Texas. (Foto: dpa) Foto: Jacob Ford

Die Situation in der US-amerikanischen Fracking-Industrie spitzt sich offenbar zu. Wie die Financial Times berichtet, ziehen sich immer mehr (potentielle) Geldgeber aus der Branche zurück. Zudem sein ein deutlicher Anstieg der Insolvenzen bei den Bohrfirmen zu beobachten.

„Abgeschreckt durch tiefere Ölpreise beginnen Aktien- und Anleiheinvestoren nun, sich aus dem Engagement mit kleinen unabhängigen Bohrunternehmen zurückzuziehen, welche maßgeblich dazu beigetragen hatten, dass die USA in den vergangenen Jahren an die Spitze der Liste der weltgrößten Ölförderer geklettert waren. Analysten sagen zudem, dass auch die Banken vorsichtiger werden und die Vergaberichtlinien für neue Kredite verschärfen werden“, schreibt die FT.

Branchenbeobachter erwarten, dass es aufgrund der zu erwartenden restriktiveren Kreditvergabe-Richtlinien der Banken in den kommenden Monaten zu einer Konsolidierungswelle in dem Industriesektor mit zahlreichen Fusionen und Übernahmen kommen dürfte. Auch private Geldgeber ziehen sich zurück. Dem Datenanbieter Dealogic zufolge sollen Beteiligungsgesellschaften und andere Investoren den Fracking-Unternehmen im Jahr 2016 noch fast 57 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt haben. Bis Ende September 2019 sollen hingegen nur rund 19 Milliarden Dollar geflossen sein.

Auch die Zahl der Insolvenzen steigt. Der Anwaltskanzlei Haynes & Boone zufolge gab es bis Ende September bereits 33 Pleiten – fast so viele wie im gesamten Vorjahr. Besonders bedenklich sei, dass von diesen 33 Insolvenzen 27 seit Mai stattfanden – also eine beträchtliche Eskalation der Entwicklung zu beobachten sei.

Ein Bericht des US-Rechnungshofs vom September hat Öl- und Gasbohrungen in diversen US-Bundesstaaten untersucht und dabei festgestellt, dass eine ganze Reihe von Unternehmen ihre Bohrungen eingestellt haben. Inaktive Öl- und Gasfelder, die nicht ordnungsgemäß verschlossen wurden, bergen allerdings Umweltgefahren, angefangen von Methanlecks bis hin zu Oberflächen-, Luft- und Grundwasserverschmutzungen. Wenn ein Unternehmen ein Feld aufgibt, “verwaist” das Bohrloch und es fällt in der Regel an das Bureau of Land Management (BLM). Das BLM muss dann für die Wiederherstellung des jeweiligen Feldes aufkommen. Der US-Rechnungshof identifizierte zwischen Juli 2017 und April 2019 89 neue verwaiste Brunnen, deren Sanierung bis zu 46 Millionen US-Dollar kosten könnte.

Noch aufschlussreicher war die Tatsache, dass der US-Rechnungshof fast 3.000 Felder ausfindig machte, bei denen das Risiko besteht, dass sie bald aufgegeben werden. Die Kosten für den Rückbau verwaister Bohrlöcher variieren stark, so dass der US-Rechnungshof zwei Szenarien angibt: Niedrigpreis-Bohrlöcher können für rund 20.000 US-Dollar pro Stück zurückgebaut werden, Hochpreis-Bohrlöcher können Kosten in Höhe von bis zu 145.000 US-Dollar verursachen. Für diese genannten 3.000 gefährdeten Bohrlöcher müsste die Bundesregierung demnach zwischen 46 und 333 Millionen US-Dollar bereitstellen.

Die Öl- und Gasaktivitäten in Texas und Teilen von New Mexico gingen im dritten Quartal des laufenden Jahres deutlich zurück. Der Geschäftsaktivitätsindex der US-Notenbank Dallas verzeichnete einen Wert von minus 7,4 nach minus 0,6 im zweiten Quartal. Ein negativer Wert signalisiert eine Kontraktion, während ein positiver Wert eine Expansion anzeigt, so Oilprice.com. Eine Verlangsamung der Bohrungen ist ein noch größeres Problem für Ölfelddienstleister, welche die Ausrüstung, Arbeitskräfte und Bohrdienste bereitstellen. Der “Ausrüstungsnutzungsindex” der US-Notenbank Dallas fiel von drei auf minus 24, und der Wert für das dritte Quartal war der niedrigste seit dem Tiefpunkt des Ölmarktes im Jahr 2016.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Island wägt EU-Beitritt neu ab: Fischerei wird zum Schlüsselthema
02.05.2026

Die EU verstärkt ihre Annäherung an Island und bringt dabei insbesondere die Fischereiregeln erneut in die politische Debatte ein....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Phänomen Zeitarmut: Wenn Arbeit die Lebenszeit auffrisst - 5 hilfreiche Strategien
02.05.2026

Mehr Arbeiten? Der Tag hat nur 24 Stunden - warum immer mehr Menschen an ihre Grenzen stoßen und Berufstätigen bis zum Feierabend oft...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ford Tourneo Custom PHEV im Test: Großraum-Van fährt auch elektrisch
02.05.2026

Ein großer Van, der auch elektrisch fährt. Kann der Ford Tourneo Custom PHEV den Diesel ersetzen?

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Militärlogistik im Wandel: Lkw-Hersteller drängen in die Rüstungsindustrie
02.05.2026

Die Militärindustrie eröffnet europäischen Lkw-Herstellern neue Geschäftsfelder, in denen Nutzfahrzeuge zu vernetzten Einsatzsystemen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Studie der Allbright Stiftung: Frauenquote in Familienunternehmen bleibt niedrig
02.05.2026

Der Frauenanteil in den Führungsetagen deutscher Familienunternehmen stagniert seit Jahren auf niedrigem Niveau. Trotz wachsender Debatten...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kapitalmärkte im Umbruch: Anleger prüfen den Dollar als Leitwährung
02.05.2026

Die globale Finanzordnung gerät unter Druck, während die Rolle des Dollars als Leitwährung zunehmend hinterfragt wird. Welche Folgen hat...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Spirit stürzt ab, aber die Wall Street schließt größtenteils im Plus
01.05.2026

Ein turbulenter Handelstag bringt überraschende Wendungen und unerwartete Gewinner für Anleger.

DWN
Finanzen
Finanzen Berkshire Hathaway-Aktie: Was sich unter Greg Abel im Portfolio ändern könnte
01.05.2026

Berkshire Hathaway steht vor einer Jahreshauptversammlung, die Anlegern erstmals klare Hinweise auf den Kurs unter Greg Abel geben dürfte....