Finanzen

Globale Fusionen und Übernahmen stürzen auf 3-Jahres-Tief

Im dritten Quartal sind die Fusionen und Übernahmen weltweit eingebrochen. Dies ist ein weiteres Zeichen dafür, dass sich an den Kapitalmärkten die Angst vor einer kommenden Rezession breit macht.
01.10.2019 13:01
Aktualisiert: 02.10.2019 10:35
Lesezeit: 3 min
Globale Fusionen und Übernahmen stürzen auf 3-Jahres-Tief
Der Einbruch bei Fusionen und Übernahmen bedeutet für die Banken an der Wall Street rückläufige Erträge. (Foto: dpa) Foto: Gregor Fischer

Das weltweite Volumen an Fusionen und Übernahmen ist laut Daten des Finanzmarktdienstleisters Refinitiv im dritten Quartal auf 729 Milliarden US-Dollar gefallen. Das ist ein Rückgang um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und das niedrigste Quartalsvolumen seit 2016.

Die Sorgen der Unternehmen im Hinblick auf den Handelskrieg zwischen den USA und China hat das globale Wirtschaftswachstum auf den niedrigsten Stand seit einem Jahrzehnt gebracht und offenbar auch die Risikobereitschaft der Unternehmen gedämpft.

"Das Volumen an Fusionen und Übernahmen ist zurückgegangen, weil befürchtet wird, dass die Risiken an mehreren Stellen steigen könnten, in den Märkten und anderswo", zitiert Reuters Michael Carr, den globalen Co-Chef für Fusionen und Übernahmen bei Goldman Sachs.

Besonders betroffen von dem Rückgang waren die USA, wo die Konsumausgaben im Sommer kaum gestiegen sind und die Unternehmensinvestitionen weiterhin gedämpft bleiben. Das Volumen an Fusionen und Übernahmen sank im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent auf 246 Milliarden Dollar und damit auf den niedrigsten Stand seit 2014.

Asien, das nach einer Welle von Protesten von der Sorge um die Zukunft Hongkongs als Finanzzentrum betroffen war, entwickelte sich kaum besser. Die Fusionen und Übernahmen (merger & ain der Region sanken im Jahresvergleich um 20 Prozent auf 160 Milliarden Dollar, den niedrigsten Stand seit 2017.

"Unternehmen, die sich mit Transaktionen befassen, sind risikoaversiver geworden, was das M&A-Volumen für das laufende Jahr voraussichtlich verringern wird. Wir gehen jedoch davon aus, dass die M&A-Aktivitäten auch im nächsten Jahr stark sein werden", zitiert Reuters Robin Rankin, den globalen Co-Chef für Fusionen und Übernahmen bei der Credit Suisse.

Der einzige Lichtblick im dritten Quartal war Europa, wo Fusionen und Übernahmen im dritten Quartal 249 Milliarden Dollar erreichten, mehr als 45 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

"In Europa haben wir eine echte Mischung aus verschiedenen Arten von Transaktionen gesehen, die über verschiedene Sektoren und Regionen verteilt waren", sagte Eamon Brabazon, Co-Leiter Fusionen und Übernahmen für den Wirtschaftsraum Europa, Naher Osten und Afrika bei der Bank of America. "Dies ist ein Zeichen für einen gesunden Markt, denn wir verlassen uns nicht nur auf einen bestimmten Strang. Es gibt keinen offensichtlichen Grund zu der Annahme, dass der Markt für Fusionen und Übernahmen in absehbarer Zeit einbrechen wird", fügte er hinzu.

Großbritannien, wo sich die Unternehmen wegen der Unsicherheit im Hinblick auf den Brexit in billigere Übernahmeziele verwandelt haben, war mit einem Anteil von 6,4 Prozent am globalen Markt und einem Transaktionsvolumen von 177 Milliarden Dollar der größte Markt für Fusionen und Übernahmen in Europa.

Die Rekordschwäche des britischen Pfund Sterling ermutigte ausländische Käufer, britische Unternehmen zu kaufen. So hat Hongkongs reichster Mann Li Ka-shing den Pub-Betreiber Greene King erworben. Und die US-Investmentgesellschaft Blackstone hat fremdfinanzierte Übernahmen für Madame Tussauds und den Legoland-Besitzer Merlin vorgelegt. Ein großer Transaktionsversuch im dritten Quartal war Hong Kong Exchanges and Clearing's (HKEX) vorgeschlagener Übernahmeversuch für die London Stock Exchange (LSE) im Wert von 39 Milliarden Dollar. Letzterer hat jedoch die Angebote von HKEX bisher abgelehnt.

Der größte versuchte Deal im dritten Quartal war das Angebot des Marlboro-Herstellers Philip Morris International, wieder mit der Altria Group fusionieren. Dies wäre die größten Unternehmensfusion seit 2016 gewesen und hätte einen Tabakriesen mit einem Marktwert von mehr als 200 Milliarden Dollar geschaffen. Der Deal wurde aber letzte Woche wegen des Vorgehens der US-Regulierungsbehörden gegen E-Zigaretten aufgegeben.

Zu den großen Deals im Quartal, die es bis ins Ziel schafften, gehörten die 24,6 Milliarden Dollar Fusion des patentfreien Markenmedikamentengeschäfts des US-Arzneimittelriesen Pfizer mit dem niederländischen Arzneimittelunternehmen Mylan sowie die Fusion der beiden US-Medienunternehmen CBS und Viacom in einem 20 Milliarden Dollar umfassenden Aktiendeal.

Der Rückgang bei Fusionen und Übernahmen hat unter anderem auch die Folge, dass die Banken, die solche Deals abwickeln, in den kommenden Quartalen rückläufige Erträge verzeichnen werden. Die Entwicklung ist ein weiterer Hinweis auf eine mögliche bevorstehende globale Rezession, nachdem sich im laufenden Jahr bereits Börsengänge als historisch unprofitabel für Investoren erwiesen haben und Unternehmensinsider zuletzt massiv Aktien abgestoßen haben.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Chinas plötzliche Ölwende nach ungewöhnlichem Preisgefälle
09.09.2026

Der Ölpreis steigt nach neuen Spannungen am Persischen Golf. Gleichzeitig erhöht China wieder seine Rohölimporte und exportiert mehr...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EZB-Leitzins-Prognose: Lagarde droht der Fehler von 2011
09.09.2026

Die nächste Zinserhöhung der EZB gilt beinahe als ausgemacht. Doch ausgerechnet die Erfahrung von 2011 zeigt, wie riskant ein solcher...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ist Axelera AI Europas Antwort auf Nvidia? Gründer Fabrizio Del Maffeo fürchtet, dass der Kontinent wieder denselben Fehler macht
09.09.2026

Europa mangelt es weder an Forschern, Ingenieuren noch an guten Ideen, meint Fabrizio Del Maffeo. Das Problem entsteht, wenn daraus große...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Carlsberg setzt auf Pepsi: Bier allein reicht nicht mehr
09.09.2026

Bei Carlsberg steht ausgerechnet eine amerikanische Limonade inzwischen vor der eigenen Kernmarke. Pepsi ist zum zweitgrößten Brand des...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Zollstreit zwischen USA und Kanada eröffnet deutschen Firmen neue Chancen
09.09.2026

Der Zollstreit zwischen den USA und Kanada spitzt sich zu und zwingt Ottawa zur wirtschaftlichen Neuorientierung. Deutsche Unternehmen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gefährliche Mängel: Rund 20 Prozent der Nutzfahrzeuge fallen beim TÜV durch
09.09.2026

Fast 3,9 Millionen Nutzfahrzeuge sind in Deutschland angemeldet. Das Durchschnittsalter ist in den vergangenen Jahren gestiegen – mit...

DWN
Finanzen
Finanzen Salus-Aktie: Dieser Börsenstar muss sein Wachstum erst beweisen
09.09.2026

Mehr als 2.000 Prozent Rendite in zehn Jahren, stark steigende Gewinne und eine beeindruckende Übernahmebilanz: Die Salus-Aktie gehört zu...

DWN
Politik
Politik Brüssel hat ein neues Rezept, um öffentliche Aufträge noch komplizierter und teurer zu machen
09.09.2026

Je stärker die EU öffentliche Aufträge reformiert, desto weiter entfernen wir uns durch die Einhaltung der Regeln davon, das beste...