Finanzen

Bosch kündigt massiven Stellenabbau in der Diesel-Sparte an

Lesezeit: 2 min
22.10.2019 16:29  Aktualisiert: 22.10.2019 16:34
Bosch wird an zwei Werken der Diesel-Antriebssparte im Großraum Stuttgart hunderte Arbeitsplätze abbauen. Der Feldzug gegen die Technologie sowie der Abschwung auf den Weltmärkten fordern weitere Opfer.
Bosch kündigt massiven Stellenabbau in der Diesel-Sparte an
Foto: Sebastian Kahnert

Mehr zum Thema:  
Auto >
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Auto  

Der Autozulieferer Bosch plant einen weiteren Stellenabbau in der Antriebssparte. An den Standorten für Verbrennungstechnik Stuttgart-Feuerbach und Schwieberdingen sollten 2020 und 2021 jeweils 800 Stellen von insgesamt 9600 abgebaut werden, erklärte eine Sprecherin von Bosch am Dienstag. Die Arbeitsplätze sollen außerhalb der Produktion in Verwaltung, Vertrieb, Forschung und Entwicklung wegfallen.

"Wir tun alles, um das sozialverträglich zu gestalten", sagte die Sprecherin. Im Gespräch seien die Optionen Vorruhestand, eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit auf 35 Stunden oder der Wechsel betroffener Beschäftigter in andere, wachsende Bereiche des Stiftungskonzerns, der weltweit etwa 410.000 Mitarbeiter hat. Kündigungen sollten vermieden werden.

In der Produktion am Standort Feuerbach arbeiten rund 3000 Beschäftigte. Hier sei die Auftragslage derzeit aber stabil, ergänzte die Sprecherin. Seit dem Diesel-Abgasskandal bei Volkswagen, in den auch Bosch als größter Zulieferer von Abgastechnik verwickelt war, und Fahrverboten für Selbstzünder in etlichen deutschen Städten - befeuert maßgeblich durch eine private Lobby-Organisation namens "Deutsche Umwelthilfe" - sinkt die Nachfrage nach Diesel-Technologie. Auch deshalb, weil Medien und Politik einen irrationalen Feldzug gegen die Antriebstechnologie - in der deutsche Unternehmen weltweit führend sind - in Gang gesetzt haben.

Zugleich stellt die Autoindustrie generell von Verbrennungsmotoren auf Elektroantriebe um - allen voran Volkswagen - obwohl die Technologie im Prinzip nicht wettbewerbsfähig ist und nur durch massive staatliche Subventionen in den vergangenen Jahren überhaupt eine sehr bescheidene Nachfrage generiert werden konnte. Wie gut kann eine Technologie sein, welche sich nicht von selbst auf dem Markt durchsetzt und die trotz jahrelanger Kaufanreize keine Käufer in nennenswerter Zahl findet?

Erschwerend kommt hinzu, dass sich die weltweite Automobilbranche seit Ende letzten Jahres im Abschwung befindet. Bosch rechnet 2019 mit einem weltweiten Rückgang der Automobilproduktion von sechs Prozent. Der weltweit größte Autozulieferer sieht - wie der ebenfalls in schweres Fahrwasser geratene Konkurrent Continental - in den kommenden fünf Jahren kein Wachstum der Autoindustrie.

So geht die Nachfrage nach Autos in China - dem mit Abstand wichtigsten (Zukunfts-)Markt der deutschen Automobilhersteller, seit vielen Monaten zurück und auch der dortige Markt für Elektroautos steht vor dem Platzen einer Blase.

Bosch-Chef Volkmar Denner hatte bereits im Mai weiteren Stellenabbau an Diesel-Standorten angekündigt, nachdem der Stiftungskonzern bereits 2018 rund 600 Stellen in dieser Sparte über Altersteilzeit und das Auslaufen befristeter Stellen gestrichen hatte. Im August sagte Denner der Süddeutschen Zeitung, in der Diesel-Sparte sei ein weiterer deutlicher Job-Abbau geplant. Neben Stuttgart-Feuerbach sind die Standorte Bamberg und Homburg/Saar betroffen. Dort liefen derzeit Gespräche von Management und Betriebsräten über die Beschäftigungslage. Entscheidungen seien aber noch nicht gefallen, erklärte die Sprecherin. Ursprünglich arbeiteten bei Bosch weltweit rund 50.000 Mitarbeiter an Dieseltechnik, allein in Deutschland waren es etwa 15.000 Jobs.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  
Auto >

DWN
Politik
Politik Putins Generalstabschef: Russland kämpft in Ukraine gegen den „kollektiven Westen“

Russlands Generalstabschef gibt Einblicke in den neuen Armeeplan des Kreml. Neben dem Umbau des Militärs geht es dabei um mögliche...

DWN
Marktbericht
Marktbericht Große Solarparks könnten das Energieproblem lösen – und die Erde aufheizen

Forscher behaupten seit Jahren, dass große Solarparks in einem Teil der Sahara ausreichen, um die gesamte Welt mit Strom zu versorgen....

DWN
Finanzen
Finanzen Nach Krisenjahr: Steht der Kryptomarkt 2023 vor der Gesundung?

Im Jahr 2022 gab es auch Fortschritte und Erfolgsmeldungen in der Kryptobranche. Doch das wurde durch Skandale wie den um die Kryptobörse...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Gewerbe-Immobilienmärkte stehen vor einer massiven Schuldenspirale

Der weltweite Immobilieneinbruch hat den Sektor für Gewerbeimmobilien getroffen. Der Rückgang bei Transaktionen wird wirtschaftliche...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Schuldenfalle: US-Bürger kämpfen mit der Zahlung ihrer Autokredite

Die Nachwehen der Inflation setzen den Bürgern in Amerika weiter zu. Immer mehr von ihnen können ihre Autokredite nicht mehr zahlen. Joe...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Frauenquote: Mehr Frauen führen Deutschlands Topunternehmen

Bei den 40 börsennotierten DAX-Firmen stehen immer mehr Frauen im Top-Management. Doch in bestimmten Branchen geht der Wandel nur langsam...

DWN
Politik
Politik Auf dem Weg in den Dritten Weltkrieg

Selenskyj kennt nur eine Lösung des Krieges: die vollständige Vertreibung russischer Truppen und die Rückeroberung der Krim. Doch ohne...

DWN
Politik
Politik US-General sagt für 2025 Krieg der USA mit China voraus

Ein Vier-Sterne-General der US-Luftwaffe erwartet, dass der Konflikt um Taiwan im Jahr 2025 zu einem Krieg der USA mit China führen wird....