Politik

Europa sorgt sich um Nachschub: Wichtiger Gasvertrag zwischen der Ukraine und Russland läuft bald aus

Der Vertrag über die Lieferung von russischem Gas in die Ukraine und durch die Ukraine in die EU läuft in wenigen Wochen aus. Die EU fordert einen zügigen Nachfolge-Vertrag. Doch Kiew und Moskau können sich nicht über die Bedingungen einigen.
30.10.2019 15:00
Lesezeit: 2 min

Die Verhandlungen über russische Gaslieferungen ab 2020 durch und an die Ukraine kommen nicht voran. EU-Kommissionsvizepräsident Maros Sefcovic beklagte am Montag nach Gesprächen beider Länder unter Vermittlung der Brüsseler Behörde fehlenden Fortschritt und mahnte zur Eile. "Leider muss ich sagen, dass ich von dem heutigen Ergebnis enttäuscht bin", sagte Sefcovic. Er sei jedoch überzeugt, dass es eine Lösung für beide Seiten geben werde. “Die Zeit fliegt”, zitiert die dpa Sefcovic.

Er schlägt vor, dass Russland und die Ukraine einen Gasvertrag mit einer Mindestlaufzeit von zehn Jahren schließen. Die ukrainische Nachrichtenagentur Ukrinform zitiert den EU-Komissionsvizepräsidenten: “Nachdem ich allen Beteiligten zugehört hatte, schlug ich vor, dass wir ein Mindesttransitvolumen pro Jahr benötigen würden, das zwischen 40 und 60 Milliarden Kubikmeter liegen würde, und auch einen Flexibilitätsspielraum zwischen 20 und 30 Milliarden Kubikmeter. Ich verstehe jedoch, dass es natürlich Sache der Gasbetreiber ist, diese zu erörtern und in die endgültige vertragliche Vereinbarung aufzunehmen. Ich schlage auch vor, dass die Vertragsdauer mindestens zehn Jahre beträgt.”

Es geht um die Durchleitung russischen Erdgases durch ukrainische Pipelines Richtung Westeuropa, aber auch um Gas, das für die Ukraine selbst bestimmt ist. Die bisherigen Verträge laufen Ende des Jahres aus. Die EU-Kommission hatte Vertreter beider Länder jetzt schon zum vierten Mal eingeladen. Deren Beziehungen sind wegen des Kriegs in der Ostukraine gespannt. Die Konditionen für Gaslieferungen und -durchleitungen russischen Gases in die EU waren aber auch in der Vergangenheit immer wieder Streitpunkt, teils gab es Lieferstopps wie bei der russischen Pipeline Druschba vor wenigen Wochen, teilweise musste die EU Gelder für die maroden ukrainischen Pipelines zuschießen.

Nach Angaben von Sefcovic hat vor allem die russische Seite dem Vorschlag der EU-Kommission am Montag nicht zugestimmt. Im November solle es weitere Verhandlungen geben.

Der russische Energieminister Alexander Nowak betonte hingegen, dass die Unterredung aus seiner Sicht konstruktiv verlaufen sei. "Wir haben eine positive Einstellung", sagte der Minister im russischen Staatsfernsehen. "Natürlich gibt es Fragen und Risiken." Diese Angelegenheiten würden aber gemeinsam gelöst.

Hintergrund der jetzigen Verhandlungen ist auch der Bau der neuen Ostseepipeline Nord Stream 2, die in den nächsten Monaten den Betrieb aufnehmen könnte. Mit dieser neuen Leitung für russisches Gas nach Westeuropa könnte die Bedeutung des Transits durch die Ukraine abnehmen. Nord Stream 2 wird es Deutschland und Russland ermöglichen, russisches Gas über die Ostsee zu transferieren, ohne den Pipeline-Weg durch die Ukraine nehmen zu müssen. Allerdings sei die Gas-Lieferung aus Russland über die Ukraine in die EU ein wichtiger Bestandteil der US-amerikanischen Energiepolitik, zumal der US-Verbündete Ukraine von den Transitgebühren profitiert und dadurch seinen Haushalt finanzieren kann, so Geopolitical Futures.

Dass die EU-Kommission nun Druck auf die Verhandlungspartner Ukraine und Russland ausübt zeigt einmal mehr die große Abhängigkeit der EU von den strategischen Rohstoffen Erdöl und Erdgas aus Drittstaaten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Anleihemarkt mit Warnsignal: Ist die Ära des billigen Geldes vorbei?
30.08.2026

Nicht nur KI-Aktien bewegen die Finanzmärkte. Immer stärker rückt der Anleihemarkt in den Mittelpunkt, da langfristige Zinsen weltweit...

DWN
Panorama
Panorama Rückkehr nach Polen: Der große Exodus nach Deutschland dreht sich um
30.08.2026

Jahrzehntelang galt Deutschland für viele Polen als Versprechen auf ein besseres Leben. Doch inzwischen hat sich die Richtung gedreht:...

DWN
Technologie
Technologie Signal auf mehreren Smartphones nutzen: So funktioniert es
30.08.2026

Wer Signal parallel auf mehreren Mobilgeräten verwenden wollte, musste bislang mit Einschränkungen leben. Neue App-Versionen schaffen nun...

DWN
Technologie
Technologie KI im Unternehmen: Wer jetzt Mitarbeiter feuert, könnte es bitter bereuen
30.08.2026

KI soll Kosten senken, Prozesse beschleunigen und Personal überflüssig machen. Doch Oxford-Professor Christopher Tucci warnt vor einer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Marge im Tank: Warum es beim Spritpreis eben nicht nur um Geopolitik und Steuern geht
30.08.2026

Daten der FH Münster belegen: Rohölpreise und Abgaben erklären die aktuellen Spritpreise nicht vollständig. Warum der mangelnde...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Konsumflaute trotz besserer Stimmung: Händler senken Preise
30.08.2026

Der Sommer neigt sich dem Ende zu, das Leben verlagert sich wieder stärker nach drinnen. Für Händler beginnt damit eine wichtige Phase...

DWN
Technologie
Technologie Debatte über Jugendschutz: Verbraucherschützer fordern nach Meta-Vergleich strengere Regeln für soziale Medien
30.08.2026

Nächtliche Sperren, deaktivierte Benachrichtigungen und mehr elterliche Kontrolle: Meta verspricht neue Schutzmechanismen für...

DWN
Finanzen
Finanzen Bußgeldbescheid prüfen: Wann schnelles Handeln entscheidend ist
30.08.2026

Nach einem Tempoverstoß folgt häufig unangenehme Post von der Bußgeldstelle. Dann zählt nicht nur, ob der Vorwurf stimmt, sondern auch,...