Weltwirtschaft

EU warnt vor globalem Phosphor-Mangel und drohenden Hungersnöten

Lesezeit: 2 min
30.10.2019 18:04  Aktualisiert: 30.10.2019 18:15
Phosphor ist für die Herstellung von Düngemitteln unerläßlich. Doch die Vorräte sind endlich - gehen sie aus, droht der Menschheit eine Katastrophe.
EU warnt vor globalem Phosphor-Mangel und drohenden Hungersnöten
Weizen ernährt Milliarden: Doch wenn das Phosphor aufgebraucht ist und keine Düngermittel mehr produziert werden können, drohen der Menschheit Hungersnöte. (Foto: dpa)
Foto: Bernd M

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die Menschheit könnte mittelfristig auf eine Krise katastrophalen Ausmaßes zusteuern: Ihr geht allmählich der Phosphor aus. Das chemische Element ist für die Herstellung von Düngemitteln unerläßlich, ein Ersatz-Stoff existiert nicht. Und: Die Vorräte sind endlich. Die Europäische Union klassifiziert Phosphor mittlerweile als „kritischen Rohstoff“. Bedingt durch das Wachstum der Weltbevölkerung steigt die Nachfrage jedes Jahr zwischen zwei und drei Prozent. Je nach Schätzung könnten die Reserven - von denen sich mehr als 70 Prozent in Marokko und der Westsahara befinden - in 50 bis 100 Jahren aufgebraucht sein.

Um der Katastrophe zuvorzukommen, gibt es zunehmend Versuche, Phosphor auf andere Weise zu gewinnen als durch den klassischen Abbau. Kathrin Rübberdt von der „DECHEMA - Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie“ (Frankfurt) sagte den Deutschen Wirtschaftsnachrichten: „Weitere Quellen für Phosphat und somit Alternativen zum klassischen Abbau von Phosphaterz sind Klärschlamm und Klärschlamm-Aschen, Gärreste (zum Beispiel aus Biogasanlagen) sowie tierische Nebenprodukte (zum Beispiel Knochen sowie Geflügel-, Rinder- und Schweinegülle). Zur Aufarbeitung werden Verfahren eingesetzt, bei welchen das Phosphat unter Einwirkung von Wärme oder durch die Zugabe von Chemikalien gewonnen wird.“

Auch Prof. Werner Wahmhoff (Osnabrück) sprach sich im Gespräch mit den Deutschen Wirtschaftsnachrichten dafür aus, Phosphor „im Kreislauf zu halten“. Die derzeit in Deutschland vorherrschende Praxis sei verschwenderisch: „Die Pflanzen nehmen den Phosphor auf; teilweise ist er auch im Fleisch vorhanden, wenn das Schlachtvieh phosphathaltiges Futter gegessen hat. Nach ihrem Konsum werden die pflanzlichen und tierischen Nahrungsmittel von den Menschen wieder ausgeschieden und landen in der Kläranlage. Der Klärschlamm wird anschließend verbrannt - womit der Phosphor verschwunden ist.“ Daher sei es notwendig, den Phosphor aus dem Klärschlamm zurückzugewinnen.

Das Bundesumweltministerium hat eine dementsprechende „Verordnung zur Neuordnung der Klärschlammverwertung“ erlassen, in der es heißt: „Die Pflicht zur Rückgewinnung von Phosphor greift in den Fällen, in denen der Klärschlamm einen Phosphorgehalt von 20 Gramm oder mehr je Kilogramm Trockenmasse aufweist.“ Die Verordnung gilt ab dem Jahr 2029. Von Wahmhoff wird sie ausdrücklich begrüßt: „Es handelt sich dabei um sehr gutes Beispiel für eine dauerhafte Kreislaufwirtschaft.“ Der Rückgewinnungs-Prozess sei technologisch ausgereift; es gehe dabei „erstaunlich wenig Phosphor verloren“.

Jörg Schaller von der Universität Bayreuth sagte im Gespräch mit den Deutschen Wirtschaftsnachrichten, dass in Deutschland zu viel mit Phosphor gedüngt werde. Wahmhoff sieht das anders: „In den Ackerbaugebieten haben wir passende Phosphorgehalte.“ Was die Ackerböden von tropischen und subtropischen Ländern angeht: Dort sei der Phosphorgehalt häufig sogar zu gering. Mehr Düngung ist in diesen Ländern also notwendig - und bis dort brauchbare Kreislauf-Systeme implementiert sind, dürfte noch geraume Zeit vergehen.

Zumal nicht alle Wissenschaftler in Hinblick auf die Wiederverwertbarkeit so optimistisch sind wie Wahmhoff. Kathrin Rübberdt: „Über die alternativen Quellen für Phosphat kann nach jetzigem Stand nicht der gesamte Bedarf an Phosphat gedeckt werden.“ Es gebe „Berechnungen, nach welchen über die Rückgewinnung von Phosphat aus den genannten alternativen Quellen über 50 Prozent der Phosphate, die in Düngemittel gehen, ersetzt werden können“. Über 50 Prozent können ersetzt werden - das heißt, fast die Hälfte kann es nicht.

Eins steht fest: Das Phosphor-Dilemma ist noch lange nicht gelöst.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Die derzeitigen Währungen sind weich wie Schnee - Gold bleibt bestehen!

Passend zur Jahreszeit schmelzen die bestehenden Währungen durch die Inflation wie Schnee. Setzen auch Sie auf nachhaltigen Werterhalt...

DWN
Politik
Politik Warum will die FDA die Freigabe von Impfstoff-Daten erneut verschieben?

Die US-Lebensmittelbehörde FDA versucht weiter, die Veröffentlichung der Dokumente zur Zulassung des Pfizer-Impfstoffs zu verschleppen....

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Spekulanten verdienen sich eine goldene Nase - und verschärfen Gasknappheit in Deutschland

Weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit verdienen sich deutsche Gas-Spekulanten derzeit eine goldene Nase und blockieren damit...

DWN
Finanzen
Finanzen Weltgrößter Gold-ETF verzeichnet Rekord-Zuflüsse

Steigende Zinsen sollten Gold für Anleger eigentlich unattraktiv machen. Doch die starken Zuflüsse beim weltgrößten börsengehandelten...

DWN
Finanzen
Finanzen Das Ende der lockeren Geldpolitik: Kommt 2022 der Börsencrash?

Die US-Notenbank plant den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik. Die Finanzmärkte blicken mit Sorge auf die drohende Zinserhöhung. Kommt...

DWN
Deutschland
Deutschland Corona-Narrativ bricht zusammen: England und Dänemark beenden alle Maßnahmen, schaffen Impf-Ausweise ab

England und Dänemark schaffen trotz hoher Infektionszahlen sämtliche Restriktionen ab. Die Bundesregierung unter Federführung von Karl...

DWN
Politik
Politik Für Putin sind Russen und Ukrainer ein Volk, doch nicht für Selenskyj

Für Putin sind Russen und Ukrainer ein Volk. Doch der ukrainische Präsident sieht das anders. Unabhängig davon gibt es eine Realität,...

DWN
Politik
Politik Umfrage: Mehrheit der Deutschen gegen Waffenlieferung an Ukraine und für Inbetriebnahme von Nord Stream 2

Einer Umfrage zufolge spricht sich eine deutliche Mehrheit der Deutschen gegen Waffenlieferungen an die Ukraine aus. Die Deutschen...

DWN
Politik
Politik 50 Jahre Radikalenerlass – Geheimdienst stoppte Karrieren

Die Gefahr von Links beunruhigte in den siebziger Jahren die damals noch junge Bundesrepublik. Mit dem Radikalenerlass vor 50 Jahren sollte...