Politik

Syrien: Kurden drohen Assad mit Unabhängigkeit

Die Arbeit des Verfassungskomitees in Syrien steht unter einem schlechten Stern. Die YPG/PKK droht der Regierung in Damaskus mit einer einseitigen Unabhängigkeitserklärung, falls sie keinen Sitz im Komitee erhalten.
31.10.2019 13:56
Aktualisiert: 31.10.2019 13:59
Lesezeit: 2 min

Während die syrische Regierung den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) und der YPG/PKK angeboten hat, sich der Syrischen Arabischen Armee (SAA) anzuschließen, verweigert die Regierung in Damaskus beiden kurdischen Gruppen die Teilnahme am Verfassungskomitee, welcher derzeit in Genf tagt.

Der türkische Sicherheitsanalyst und ehemalige Kommandant der türkischen Streitkräfte (TSK), Abdullah Ağar, meint: “Unter den 150 Mitgliedern des Verfassungskomitees befinden sich auch Delegierte, die die Gebiete östlich des Euphrats repräsentieren. Das ist sehr wichtig. Die Erklärung der YPG/PKK ist auch sehr wichtig. Sie hat erklärt, dass sie (im Osten Syriens, Anm. d. Red.) eine einseitige Unabhängigkeit proklamieren werde, falls ihre Vertreter keinen Platz im Verfassungskomitee finden und die syrische Regierung sie nicht anerkennt. Diese Erklärung ist alleine schon deshalb wichtig, weil wir davon ausgehen müssen, dass die YPG/PKK hier nicht mit ihrem eigenen Rückgrat spricht.”

Der SDF-Kommandeur Mazlum Abdi kritisiert, dass Damaskus den SDF-Milizionären angeboten hat, sich einzeln der SAA anzuschließen. “Die Form und der Ansatz der Erklärung des syrischen Verteidigungsministeriums und die Forderung an die Mitglieder unserer Streitkräfte, sich ,individuell’ für die syrische Armee einzusetzen, sind nicht erwünscht “, zitiert Newsweek Abdi. Dabei fordert Abdi und die SDF eine vollständige Anerkennung der von den USA kontrollierten SDF als Truppe und die Teilnahme am Verfassungskomitee.

Der UN-Sondergesandte für Syrien, Geir Pedersen, hatte zuvor nach Angaben des englischsprachigen Diensts von Reuters gesagt, dass unter den Mitgliedern des Komitees auch Kurden vertreten sind. Doch Mitglieder der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), die von den USA kontrolliert wird und Vertreter der YPG/PKK seien nicht dabei.

Ağar zufolge ist das Verfassungskomitee offen für jedwede Manipulationen. Denn jede Gruppe werde versuchen, ihre eigenen Vorstellungen in die Verfassung niederschreiben zu lassen. Das schließt die globalen Akteure ein, was in die Sackgasse führen könnte. “Auf der anderen Seite gibt es neben den radikalen sunnitischen Gruppen in Syrien auch schiitische Gruppen, die aus dem Ausland ins Land gekommen sind. Es gibt Gruppen aus dem Irak mit Verbindungen zum Iran und auch Gruppen aus Afghanistan, Pakistan und aus dem Libanon. Wie soll mit diesen Importkonstrukten im Verlauf der Ausarbeitung der Verfassung umgegangen werden? Was soll mit der YPG/PKK passieren? Wie soll die YPG/PKK in diesen Prozess integriert werden (...) Der Stellvertreterkrieg wird mit voller Wucht weiterlaufen. Denn eine Gefahr für die territoriale Einheit Syriens stellt derzeit nur die YPG/PKK dar. Und ausgerechnet diese Gruppe findet nicht ihren Platz im Komitee. Dies könnte zu einer Spaltung des Landes führen”, so Ağar, welcher die ebenfalls destruktive Rolle der Türkei bei der Spaltung Syriens nicht anspricht.

Ob Vertreter der YPG/PKK am Ende doch Teil des Verfassungskomitees sein werden, bleibt unklar. Dies hängt auch davon ab, inwieweit Russland seinen Einfluss geltend macht.

Die Nahostanalystin Arzu Yılmaz sagte im Gespräch mit dem türkischsprachigen Dienst der Deutschen Welle, dass die “Kurdenkarte” im Nahen Osten sich mittlerweile in den Händen Russlands befinde. Wie die Russen diese Karte ausspielen werden, hängt nicht zuletzt von der Türkei ab. “Diese Karte wird von nun an in den Händen Russlands sein. Genau wie bei den türkisch-amerikanischen Beziehungen, wird die Kurdenfrage bei den türkisch-russischen Beziehungen das Potenzial für Uneinigkeiten und Streitigkeiten haben. Das sollte man nicht aus den Augen verlieren”, so Yılmaz.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Panorama
Panorama Forbes-Liste der reichsten Menschen: Elon Musk kann erster Billionär der Welt werden
15.03.2026

In der aktuellen Forbes-Liste der reichsten Menschen liegt Tesla-Chef Elon Musk quasi uneinholbar in Front. Bei einem erfolgreichen...

DWN
Politik
Politik Steuerrecht: Ehegattensplitting vorm Aus? Mehr Arbeitszeit für Frauen nicht lukrativ
15.03.2026

Für viele Frauen lohnt es sich finanziell nicht, in den Job zurückzukehren oder ihre Teilzeit auszubauen, das Ehegattensplitting entpuppt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Industrial Accelerator Act: EU-Kommission stärkt Industriepolitik – Anteil am BIP soll auf 20 Prozent steigen
15.03.2026

Die Europäische Kommission will mit dem Industrial Accelerator Act die Industriepolitik der EU neu ausrichten und die Produktion in Europa...

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilien-Prognose 2026: Bremst das Baukreditgeschäft alles aus?
15.03.2026

Nach einem hoffnungsvollen 2025 wird die Preisentwicklung für Immobilien laut Greis-Kaufpreisindex im laufenden Jahr 2026 wieder...

DWN
Finanzen
Finanzen Mazda 6e im Vergleich: Wie wettbewerbsfähig ist das Elektromodell?
15.03.2026

Die neue Mazda 6e entsteht auf chinesischer Plattform und markiert einen strategischen Neustart für die Baureihe Mazda6. Kann das...

DWN
Technologie
Technologie Immer mehr US-Forschende zieht es nach Deutschland
15.03.2026

Aus politischen Gründen geht das Weiße Haus gegen Elite-Unis vor. Für Wissenschaftler und Studierende aus den USA wird Deutschland daher...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KI trifft auf SaaS: Steht die Softwarebranche vor einem Strukturwandel?
15.03.2026

Künstliche Intelligenz verändert die wirtschaftliche Logik der Softwarebranche und setzt das klassische SaaS-Modell unter Druck. Steht...

DWN
Finanzen
Finanzen Iran-Krieg heizt Energiepreise an: Investoren suchen Absicherung
15.03.2026

Der Iran-Krieg treibt die Energiepreise nach oben und zwingt Investoren weltweit, ihre Strategien angesichts steigender Öl- und Gaspreise...