Wirtschaft

Start der Gaslieferungen aus Aserbaidschan in die EU verzögert sich

Der Start der Erdgas-Lieferungen über die Transanatolian Natural Gas Pipeline in die EU verspätet sich. Die Pipeline soll die Abhängigkeit der EU von russischem Gas verringern.
04.11.2019 11:46
Lesezeit: 1 min

Noch bis spätestens Oktober 2020 wird über die Transanatolian Natural Gas Pipeline (TANAP) kein aserbaidschanisches Gas in die Europäische Union (EU) fließen. Dies wurde am 1. November 2019 bekannt. Im Rahmen des Gasverkaufsabkommens mit der EU muss die aserbaidschanische Gasversorgungsgesellschaft (AGSC), welche von Aserbaidschans nationalem Energieunternehmen Socar und dessen Projektpartnern gegründet wurde, Geldbußen an die Gaskäufer zahlen, wenn diese bis zum 1. Juli 2020 keine Lieferungen erhalten, meldet der englischsprachige Dienst von Reuters.

Das Gas aus Aserbaidschans großem Shah Deniz-Feld im Kaspischen Meer soll über den 40 Milliarden US-Dollar schweren südlichen Gaskorridor (SGC) nach Europa gelangen, der von der EU als wichtiger Schritt zur Diversifizierung der Energieversorgung unterstützt wird, um eine übermäßige Abhängigkeit von Russland und Norwegen auf den Energiemärkten zu reduzieren.

Der SGC besteht aus der 692 Kilometer langen Südkaukasus-Pipeline (SCP) zwischen Aserbaidschan und Georgien (TANAP), der 1.850 Kilometer umfassenden Strecke von der georgischen Grenze durch die Türkei bis zur griechischen Grenze und der 878 Kilometer langen Transadria-Pipeline (TAP) in Südosteuropa. “Die kommerzielle Lieferung von aserbaidschanischem Gas nach Europa kann frühestens im Oktober 2020 beginnen, da die Bauarbeiten für die TAP-Pipeline zu diesem Zeitpunkt abgeschlossen sein können”, so TANAP-Chef Saltuk Düzyol.

Das TAP-Projekt, zu dem die britische BP, die italienische Snam und die spanische Enagas gehören, war mit Verzögerungen beim Bau aufgrund von Umweltproblemen konfrontiert. Die Fertigstellung sollte Anfang 2020 erfolgen, doch laut Düzyol hatte das TAP-Konsortium "einige technische Schwierigkeiten sowie andere nichttechnische Probleme, die ihren Erfolg beeinträchtigten". Im Mai 2019 dann sprachen die Führungskräfte von TAP erst ab 2020 über den Start des operativen Geschäfts.

Im Oktober 2018 trat die 5-Sterne-Bewegung Italiens von ihrem Wahlversprechen zurück, den Bau der TAP zu stoppen. Die Kehrtwende löste in Italien eine Auseinandersetzung über gebrochene Umweltversprechen aus. Ehemalige Parteisympathisanten zündeten die 5-Sterne-Flagge in der süditalienischen Stadt Melendugno an - der geplanten Endstation der letzten Etappe der TAP, um gegen die Entscheidung zu protestieren. Die Kehrtwende der 5-Sterne-Bewegung erfolgte nach einer Lobbyarbeit unter anderem durch den ehemaligen britischen Premierminister Tony Blair, der seit 2014 als Berater für TAP tätig ist, berichtet die Financial Times.

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