Wirtschaft

Blue Dot Network: Amerikas Alternative zu Chinas Neuer Seidenstraße

Der Konflikt zwischen den USA und China weitet sich auf die globale Förderung der Infrastruktur aus. Die US-Regierung entwickelt mit dem "Blue Dot Network" nun ein direktes Konkurrenzprojekt zur Neuen Seidenstraße Chinas.
07.11.2019 15:00
Lesezeit: 1 min
Blue Dot Network: Amerikas Alternative zu Chinas Neuer Seidenstraße
Blick auf die von China gebaute Maputo-Katembe-Brücke in Mosambik (Foto: XinHua/dpa) Foto: ---

Das am Montag angekündigte von den USA geführte Zertifizierungssystem mit dem Namen "Blue Dot Network" soll internationale Standards für große Infrastrukturprojekte setzen. Es wird Projekte zur Förderung der "marktgerechten, transparenten und finanziell nachhaltigen" Infrastrukturentwicklung in Asien und der ganzen Welt prüfen und zertifizieren, sagten die Organisatoren am Montag. Damit steht das Programm in klarer Konkurrenz zu Chinas Neuer Seidenstraße.

Das Blue Dot Network wurde nach der Beobachtung des Astronomen Carl Sagan benannt, dass die Erde aus der Vogelperspektive wie ein "blasser blauer Punkt" aussehe. Es wird zunächst von der Overseas Private Investment Corporation (OPIC), einer staatlichen US-Behörde zur Förderung von Investitionen in den Schwellenländern, von der Japan Bank for International Cooperation und dem australischen Außenministerium geleitet.

Die Organisatoren des Blue Dot Network wollen auch andere Länder, Privatunternehmen und zivilgesellschaftliche Gruppen zur Teilnahme einladen. "Jeder blaue Punkt soll ein Punkt auf der Karte sein, der ein sicherer Ort für Unternehmen ist, wenn sie sich für nachhaltige Infrastrukturprojekte interessieren", sagte US-Handelsminister Wilbur Ross der Financial Times. Es gehe darum, "Ernsthaftigkeit im Hinblick auf die Nachhaltigkeit von Projekten zu zeigen".

Einige Projekte im Rahmen von Chinas Neuer Seidenstraße - zum Beispiel in Sri Lanka, Myanmar und Laos - waren dafür kritisiert worden, dass sie angeblich Schuldenfallen für die teilnehmenden Staaten schaffen oder internationale Standards in Bezug auf Transparenz, Arbeitnehmerrechte und den Umweltschutz nicht einhalten.

Die Neue Seidenstraße wird von chinesischen Staatsbanken und Unternehmen mit Milliarden von Dollars finanziert. Die Organisatoren des Blue Dot Network hingegen bieten selbst keine Kreditbeschaffung an. Sie behaupten aber, dass ihre Initiative als Katalysator für private Finanzierungen dienen werde.

Dem jährlich vom Lowy Institute in Sydney veröffentlichten Asia Power Index zufolge, welcher den Einfluss der Länder auf Wirtschaftsbeziehungen, militärische Fähigkeiten und andere Partner misst, sind die USA derzeit noch die überragende Gesamtmacht in Asien. "Die USA sind nach wie vor ein wichtiger, aber nicht mehr der wichtigste Wirtschaftsakteur in Asien", zitiert die FT Hervé Lemahieu von Lowy. Denn China habe nun im Handel die Nase vorn. "Sie müssen sich daran gewöhnen."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschland: Panzer statt Autos - Rüstungsindustrie soll Rettungsanker und Chance sein
18.03.2026

Die Absatzschwäche deutscher Autohersteller und Zulieferer trifft auf eine boomende Rüstungsindustrie: Deutschland ist inzwischen...

DWN
Technologie
Technologie KI am Arbeitsplatz: Deutschland holt deutlich auf
18.03.2026

China top, USA flop: Während KI in Deutschland Fahrt aufnimmt, sinkt in den USA die Nutzung. Was steckt hinter der neuen Skepsis und wo...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Autoindustrie unter Kostendruck: Stellenabbau in Deutschland nimmt zu
18.03.2026

Die deutsche Automobilindustrie steht unter wachsendem Druck, da Produktion und Investitionen zunehmend nach Osteuropa abwandern. Welche...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft "Mut zur kreativen Zerstörung": Matthias Bianchi vom Deutschen Mittelstands-Bund im DWN-Interview
18.03.2026

Der deutsche Mittelstand steht unter immensem Druck – Bürokratie, Energiepreise und Fachkräftemangel belasten die Unternehmen massiv....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Möbelriese Hammer-Baumärkte im Insolvenzverfahren: Räumungsverkauf beginnt
18.03.2026

Nach dem Insolvenzverfahren verschwinden rund die Hälfte aller Hammer-Märkte in Deutschland. Während der Insolvenzverwalter nach einem...

DWN
Politik
Politik Straße von Hormus bleibt blockiert: Durchfahrten nur noch selektiv möglich
18.03.2026

Die Straße von Hormus gerät im Iran-Krieg zunehmend unter politische Kontrolle und verändert die Abläufe im globalen Handel. Welche...

DWN
Finanzen
Finanzen Privatökonomie verbessern: Warum viele Haushalte jeden Monat Geld verschenken
18.03.2026

Haben Sie Ihre Finanzen im Griff? Oft verstecken sich unnötige Kosten, ungenutzte Chancen und falsche Entscheidungen direkt im Alltag. Wer...

DWN
Politik
Politik Potsdamer Treffen: Niederlage für „Correctiv“ vor Gericht
18.03.2026

Im Streit über die Berichterstattung der Rechercheplattform „Correctiv“ über das sogenannte Potsdamer Treffen hat das Landgericht...