Finanzen

Krypto-Königin bringt Anleger um Milliarden und taucht unter

Die Gründerin der Betrugs-Kryptowährung OneCoin ist nach der Aufdeckung des Skandals untergetaucht. Ihr Bruder, der gestanden und zahlreiche Details enthüllt hatte, befindet sich in Lebensgefahr. Auch der Bruder von George W. Bush soll in den Fall verwickelt sein.
19.11.2019 14:00
Lesezeit: 4 min
Krypto-Königin bringt Anleger um Milliarden und taucht unter
Die "Krypto-Königin" Ruja Ignatova bei einer Promo-Veranstaltung im Jahr 2016 (Screenshot: OneCoin/YouTube)

Die Verhaftung des Bulgaren Konstantin Ignatov Anfang des Jahres hat eine Menge Licht in den vielleicht größten Finanzbetrug der Geschichte gebracht, der 4 Milliarden Euro von Investoren eingesammelt hat. Denn der frühere Chef der angeblichen Kryptowährung OneCoin hat gestanden und den New Yorker Staatsanwälten zahlreiche Details über das Vorgehen der Betrüger genannt.

Gestartet wurde das Schneeballsystem OneCoin von seiner Schwester Ruja Ignatova, der berüchtigten "Kryptokönigin". Doch nicht nur sie wird durch die Aussagen von Konstantin Ignatov schwer belastet, sondern auch eine Reihe weiterer führender OneCoin-Mitarbeiter. Ignatov und seine Familie befinden sich nach seiner Aussage nun offenbar sogar in Lebensgefahr, wie BBC berichtet.

Dies zeigt sich daran, dass Ignatov gemäß seiner Abmachung mit den New Yorker Staatsanwälten Zugang zum Zeugenschutz erhält, sobald der frühere OneCoin-Chef dies wünscht. Er muss dafür lediglich einen schriftlichen Antrag stellen und wird dann umgehend zusammen mit seiner Familie dem Zeugenschutzprogramm der U.S. Marshals unterstellt.

In der Abmachung heißt es, dass "die ehrliche Zusammenarbeit von Ignatov wahrscheinlich Aktivitäten von Personen aufdecken wird, die Gewalt und Einschüchterung gegen Ignatov, seine Familie und Angehörige anwenden könnten". Zu den Maßnahmen, die zu seinem Schutz ergriffen werden sollen, gehört unter anderem eine neue Identität für ihn und seine Familie.

Das Abmachung wurde bereits Anfang Oktober unterzeichnet, mehr als sechs Monate nach der Verhaftung von Ignatov am Los Angeles International Airport im März. Neben der Aufnahme in das Zeugenschutzprogramm wird sichergestellt, dass der frühere OneCoin-Chef immun gegen Strafverfolgung im Zusammenhang mit OneCoin ist. Er kann jedoch weiterhin wegen Steuerverstößen verfolgt werden, die sich aus dem Fall ergeben könnten.

Ohne sein Geständnis und den entsprechenden Deal mit der New Yorker Staatsanwaltschaft hätte Ignatov eine Höchststrafe von 90 Jahren gedroht. Ignatov ist 33 Jahre alt, wäre also möglicherweise erst im Alter von 123 Jahren wieder freigekommen. Seine Schwester, die "Kryptokönigin" Ruja Ignatova, die sich weiter auf der Flucht befindet, ist 38 Jahre alt.

Ignatov, der nach dem Verschwinden von Ignatova die Führung bei OneCoin übernahm, hält sich offenbar seinen Deal mit der Staatsanwaltschaft. Vor Gericht nannte er detaillierte Informationen über das Innenleben des Pyramidensystems. Unter anderem sagte er, dass seine Schwester mehr als eine halbe Milliarde Dollar mit OneCoin verdiente, bevor sie im Oktober 2017 verschwand, kurz bevor sie in Lissabon auf einer Veranstaltung auftreten sollte. Seitdem wird sie vom FBI gesucht.

"Krypto-Königin" Ruja Ignatova lebte in Deutschland

Die in Deutschland und Oxford ausgebildete Bulgarin Dr. Ruja Ignatova war einst mit ihrer Familie nach Süddeutschland gezogen, als Ignatova noch ein Kind war, berichtet die FAZ. Zusammen mit ihrem Vater hatte sie im Jahr 2009 in Waltenhofen im Allgäu ein kleines Metallgusswerk gekauft, das jedoch im Jahr 2011 in Insolvenz ging.

Die von Ruja Ignatova im Jahr 2014 gegründete Organisation hinter OneCoin, die ihren Sitz in Bulgarien hat, ist weiterhin aktiv und leugnet jedes Fehlverhalten. Auf ihrem YouTube-Kanal findet sich noch immer das folgende Video einer Veranstaltung in der Wembley Arena in London im Jahr 2016. Dort sagte Ruja Ignatova, dass das von ihr entwickelte OneCoin das neue und bessere Bitcoin sei, und versprach den Anlegern extreme Gewinne.

Mit seinem Geständnis und seinen weiteren Aussagen hat Ignatov offenbar mehreren OneCoin-Führern und Insidern geschadet. Und wenn diese sich an ihm rächen wollen, stehen ihnen dafür nicht nur erhebliche finanzielle Mittel zur Verfügung, sondern offenbar auch entsprechende Verbindungen. In seinem Podcast für die BBC sagte Jamie Bartlett, dass die "Kryptokönigin" Ruja Ignatova auch deshalb so erfolgreich untertauchen konnte, weil sie die Unterstützung von mächtigen Persönlichkeiten aus Politik oder der kriminellen Unterwelt hat.

In seiner Aussage sagte Konstantin Ignatov, dass seine Schwester ihm vor ihrem Untertauchen sagte, dass sie in Russland sehr reiche und mächtige Bekannte habe. Er sagte, er habe nicht mit seiner Schwester gesprochen, seit sie verschwunden im Jahr 2017 untergetaucht ist. Er hatte sogar einen Privatdetektiv angeheuert, um sie zu finden, der jedoch keinen Erfolg hatte.

Bruder von George W. Bush offenbar in den Fall verwickelt

Wie Law360 berichtet im Zusammenhang mit OneCoin auch über Anschuldigungen gegen Neil Bush, den Bruder des ehemaligen Präsidenten George W. Bush. Demnach steht der Anwalt Mark Scott derzeit vor Gericht wegen des Vorwurfs der Geldwäsche und der Verschwörung mit der "Kryptokönigin" Ruja Ignatova und ihrem Bruder. Scott sagt, dass er die Regelung für legal hielt.

Neil Bush war vom FBI wegen seiner Rolle als Vorstandsmitglied von Hoifu Energy befragt worden, das sich im Besitz des wohlhabenden chinesischen Geschäftsmannes Dr. Hui Chi Ming befindet. Ein Unternehmen des Chinesen soll ein Darlehen in Höhe von 60 Millionen Dollar zum Kauf eines afrikanischen Ölfeldes gesucht haben. Scotts Anwalt David Garvin sagt, dass Bushs indirekte Beteiligung an dem Deal dazu beigetragen hat, dass Scott die Transaktion für legal hielt.

Der Ölfeld-Deal sollte in bar und zu "einem sehr großen Teil des Kaufpreises" in OneCoin finanziert werden. Während des Gerichtsprozesses fragte Richter Ramos den Anwalt von Mark Scott: "Es gab also ein Treffen mit Frau Ignatova, Herrn Bush und Herrn Hui?" Der Anwalt bestätigte das Treffen und sagte zudem, dass Neil Bush 300.000 Dollar für seine Teilnahme erhalten habe.

Der Richter wies Anträge zurück, wonach Bush selbst vor Gericht hätte aussagen müssen. Er folgte der Argumentation von Bushs Anwalt, wonach Bushs Anwesenheit nicht relevant ist, da Bush nicht im Vorstand des Unternehmens war, das in den Verkauf mit einbezogen wurde. Auch stimmte der Richter dem Anwalt von Bush darin zu, dass Bushs Aussage keine neuen Erkenntnisse bringen würde.

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