Unternehmen

„Schläge unter die Gürtellinie“: Autobauer setzen Zulieferer massiv unter Druck

Wie angespannt die Lage in der Auto-Industrie ist, zeigt eine aktuelle Studie über das Verhältnis zwischen Autobauern und Zulieferern. "Die Forderungen werden immer dreister, der Lieferant sollte das Mehr-Risiko tragen, und die Schärfe des Tons nimmt deutlich zu", heißt es dort.
26.11.2019 09:00
Lesezeit: 1 min
„Schläge unter die Gürtellinie“: Autobauer setzen Zulieferer massiv unter Druck
Ein Mitarbeiter des Zulieferers Mann+Hummel nimmt in der Fertigung des Filterspezialisten ein Gehäuse für ein Ölmodul aus einer Montageanlage. (Foto: dpa) Foto: Marijan Murat

Die Auto-Konjunktur kühlt sich immer mehr ab. Als Folge setzten die Autobauer ihre Geschäftspartner zunehmend unter Druck, und der Ton am Markt wird rauer und rauer. Das ist das Ergebnis der aktuellen Studie „Preissenkungs-Forderungen der Automobilhersteller", welche die Stuttgarter Unternehmensberatung "Fein" präsentiert hat.

„Die Forderungen werden immer dreister, der Lieferant sollte das Mehrrisiko tragen, und die Schärfe im Ton nimmt deutlich zu", fasst Unternehmensberater Andreas Fein seine Erhebung zusammen. Die Einkäufer bauten eine Drohkulisse auf, und die Atmosphäre in den Gesprächen sei „angespannt und gestresst“ oder sogar „aggressiv und drohend“, zitiert das Branchenfachportal „Automobil Industrie“ den Fachmann.

„Teilweise wird auch unter die Gürtellinie geschlagen“, sagt Fein. „Die Forderungen werden von oben ohne Rücksicht durchgeprügelt. Der Einkäufer versucht, mit vermeintlichen Fakten auf allen Ebenen dem Zulieferer nachzuweisen, dass er angeblich nicht gut genug gearbeitet hat."

Massen-Hersteller aggressiver als Premium-Produzenten

Die Hersteller, die ihre Autos für eine breitere Masse produzieren, wie VW, Opel und Ford, sind laut der Studie derzeit aggressiver als die Premium-Produzenten Audi, Daimler, BMW und Volvo. Der Grund: Die Premium-Hersteller können ihre Zulieferer weniger unter Druck setzen, weil sie derzeit stark auf diese angewiesen sind. Die Edel-Autobauer müssen nämliche eine riesige Menge an SUV-Bestellungen abarbeiten, so dass sie bei ihren Zulieferern sogar noch um höhere Kapazitäten bitten müssen.

Die häufigste Strategie, um seine Zulieferer unter Druck zu setzen, ist der Hinweis auf ein zweites Angebot, das man in der Schublade habe und das noch kostengünstiger sei. Meistens sagen die Unternehmen, sie hätten noch eine bessere Offerte aus Fernost – und zwar aus China und Indien. Diese Praktik sei bis vor einigen Jahren noch völlig unüblich gewesen, betont Berater Fein. „Das macht vielen Zulieferern Angst."

Tatsache ist, dass bei der Auftragsvergabe der Preis allein gar nicht entscheidend ist, weil die zu leistende Arbeit in der Regel sehr komplex ist und hohe technische Anforderungen beinhaltet. Und damit sind viele Firmen aus Niedrig-Lohn-Ländern überfordert. Fein: „Der Preis entscheidet nicht, solange er im Marktniveau liegt." Doch trotzdem beziehungsweise gerade deshalb setzen die Autobauer alles daran, den Zulieferern klar zu machen, dass bei der Auftragsvergabe ausschließlich der Preis ausschlaggebend ist.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Tagesgeld-Vergleich (09/2026): Diese Banken bieten die besten Tagesgeld-Zinsen

Ein Tagesgeld-Konto gilt als sichere und flexible Geldanlage. Doch hinter manchem Spitzenangebot verbergen sich nicht selten Bedingungen,...

 

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Irans Feigenblatt sorgt für grüne Zahlen an der Wall Street
25.09.2026

Ein unerwarteter Wendepunkt im Nahen Osten sorgt für Bewegung an den Märkten – erfahren Sie, welche Aktien jetzt besonders profitieren.

DWN
Finanzen
Finanzen Anthropic-IPO rückt näher, OpenAI bremst: Was passiert mit den Rekord-Börsengängen?
25.09.2026

Was ist über Zeitplan, Bewertungen und Forderungen nach einer langsameren KI-Entwicklung vor den angekündigten Börsengängen bekannt?

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Henkel feiert 150 Jahre: Das sind die größten Herausforderungen
25.09.2026

Mit seinen bekannten Markenprodukten prägt Henkel seit Jahrzehnten den Alltag vieler Kunden. Ein Blick auf wichtige Meilensteine, Krisen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Milliardeninvestition richtet Hunderte Satelliten auf Putin
25.09.2026

Die finnische Satellitenfirma Iceye spielt bereits eine wichtige Rolle für die Ukraine und ihre Angriffe auf russische Ziele. Nun will das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gold für mehr als acht Milliarden Dollar: Russland meldet weitere Verkäufe
25.09.2026

Russlands Zentralbank verkauft seit Jahresbeginn kontinuierlich Gold. Fast 56 Tonnen verschwanden bereits aus den offiziellen Reserven, ihr...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Defekte Schraube an der Lenkung: Großrückruf bei VW, Audi und Seat
25.09.2026

Wegen möglicher Mängel an der Lenkung muss der Volkswagen-Konzern bundesweit fast eine Million Fahrzeuge der Marken VW, Audi und Seat in...

DWN
Politik
Politik Protest gegen den Zwang: Zehntausende Schüler gehen gegen drohende Wehrpflicht auf die Straße
25.09.2026

Die Sorge vor einer Rückkehr der Wehrpflicht treibt die Jugend auf die Straße. Mit einem bundesweiten Aktionstag fordert eine...

DWN
Politik
Politik Neue Sitzordnung und Streit um Ausschüsse: Landtag von Sachsen-Anhalt vor Neuausrichtung
25.09.2026

Im Landtag von Sachsen-Anhalt stehen vor der anstehenden konstituierenden Sitzung spürbare Veränderungen an. Neben optischen Anpassungen...