Finanzen

Hälfte der Deutschen erwartet Altersarmut, hat aber kein Geld zur Vorsorge

Einer aktuellen Studie zufolge sorgt sich etwa jeder Zweite vor Armut im Alter – kann aber aufgrund von Geldmangel nicht privat vorsorgen.
08.12.2019 10:42
Lesezeit: 2 min
Hälfte der Deutschen erwartet Altersarmut, hat aber kein Geld zur Vorsorge
Eine 1-Cent-Münze. (Foto: dpa) Foto: Nicolas Armer

Die Angst vor Altersarmut ist groß in Deutschland: Jeder Zweite hat einer Umfrage zufolge diese Sorge - doch für die private Vorsorge fehlen nach eigener Einschätzung fast ebenso vielen Menschen die Mittel. Das sind Ergebnisse einer Umfrage der Deutsche Bank mit Unterstützung des Meinungsforschungsinstituts Ipsos, die in Frankfurt vorgestellt wurde

Demnach hat sich in weiten Teilen der Bevölkerung die Erkenntnis durchgesetzt, dass die gesetzliche Rente im Ruhestand eher nicht ausreichen wird: «Wir sehen ein ziemlich erschüttertes Vertrauen in die gesetzliche Rente», sagte Thomas Hörter, Leiter Marktforschung Deutsche Bank.

Nur 17 Prozent der 3200 Befragten von 20 bis 65 Jahren erwarten der Umfrage zufolge aus der gesetzlichen Rente im Alter eine ausreichende Versorgung. 70 Prozent glauben dagegen, dass aus dieser Quelle nur eine Grundversorgung kommen wird. Und immerhin die Hälfte (54 Prozent) der Befragten erwartet sogar, dass das gesetzliche Rentensystem über kurz oder lang zusammenbrechen wird.

Die Deutsche Rentenversicherung erklärte am Mittwoch, die Befunde und Bewertungen im Deutsche-Bank-Vorsorgereport widersprächen den Ergebnissen repräsentativer Befragungen, die die Rentenversicherung seit Jahren regelmäßig durchführen lasse. Diesen Befragungen zufolge sehe ein steigender Anteil der Bevölkerung die gesetzliche Rentenversicherung als ideale Form der Altersvorsorge an. Der Anteil derjenigen mit dieser Einschätzung sei von 54 Prozent 2014 auf 72 Prozent in diesem Jahr gestiegen, teilte die Rentenversicherung mit.

Womöglich werden Deutschlands Arbeitnehmer künftig allerdings noch länger arbeiten müssen, bevor sie Leistungen aus der Rentenkasse in Anspruch nehmen können. Die Bundesbank hatte kürzlich die Debatte um eine weitere Anhebung des Rentenalters auf fast 70 Jahre befeuert.

Seit 2012 wird die Altersgrenze für den Bezug der gesetzlichen Rente schrittweise von 65 auf 67 Jahre im Jahr 2031 angehoben. Doch das wird nach Expertenansicht nicht ausreichen, weil ab Mitte der 2020er Jahre die geburtenstarken Jahrgänge das Rentenalter erreichen.

Das jüngste Rentenpaket der Bundesregierung sichert bis 2025 das Absicherungsniveau bei 48 Prozent ab - dieses markiert das Verhältnis der Rente zum Durchschnittslohn. Zudem soll bis 2025 der Beitragssatz zur Rentenversicherung nicht über 20 Prozent des Einkommens steigen. Experten rechnen danach mit einem sinkenden Rentenniveau und steigenden Beiträgen, wenn nicht gegengesteuert wird.

In der Umfrage der Deutschen Bank zeigten sich fast drei Viertel der Befragten (71 Prozent) überzeugt davon, dass private Altersvorsorge notwendig ist, um den eigenen Lebensstandard im Ruhestand halten zu können. Aktuell legen die Befragten nach eigenen Angaben im Median 50 Euro pro Monat privat fürs Alter zur Seite. Nötig wäre nach ihrer Einschätzung aber eine Sparrate in Höhe von 200 Euro. Der Median ist ein Mittelwert, der Ausreißern ein geringeres Gewicht gibt als der einfache Durchschnitt.

Fast jeder Zweite (47 Prozent) in der Deutschen-Bank-Studie gab an, er würde gerne (mehr) fürs Alter sparen, habe aber kein Geld übrig. Zusätzliches Hemmnis: 56 Prozent finden Produkte zur Altersvorsorge oft unverständlich, 36 Prozent halten das ganze Thema für zu komplex.

«Die Menschen stehen so ein bisschen vor einer Nebelwand», sagte Hörter. Der Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, Ulrich Stephan, sagte, man könne das Produktangebot «möglicherweise etwas entschlacken». Angesicht der Vielzahl individueller Bedürfnisse brauche es jedoch ein breites Angebot.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Von der Leyen landet in Grönland und bringt Milliarden mit
07.09.2026

Ursula von der Leyen reiste erneut nach Grönland, diesmal mit neuen Investitionszusagen im Gepäck. Die EU will ihre Rolle in der Arktis...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Renault Twingo im Test: Klein, leise und überraschend praktisch
07.09.2026

Der neue elektrische Renault Twingo ist klein, leise und fühlt sich in der Stadt besonders wohl. Gebaut wird er in Slowenien, wo an seinem...

DWN
Politik
Politik Königsmacher BSW: Wie weit reicht die Nähe zur AfD?
07.09.2026

Das BSW galt nach monatelangen Konflikten bereits als politisch angeschlagen. Nun verschafft ihm der Einzug in den Landtag von...

DWN
Politik
Politik Wahlergebnis Landtagswahl Sachsen-Anhalt: AfD-Rekordsieg und viele offene Fragen – wie es weitergeht
07.09.2026

Die AfD triumphiert in Sachsen-Anhalt, verfehlt jedoch die absolute Mehrheit. Während mögliche Partner abwinken, beginnt das Ringen um...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft AfD-Wahlsieg alarmiert die deutsche Wirtschaft: Verbände fürchten Folgen für den Standort
07.09.2026

Der Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt alarmiert die deutsche Wirtschaft. Arbeitgeber und Industrie warnen vor Abschottung, ausbleibenden...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Zu schwer und schwer zu löschen: Carrefour sperrt E-Autos aus
07.09.2026

Fahrer von Elektroautos dürfen ihre Fahrzeuge in Belgien nicht mehr auf einem der 18 Parkplätze abstellen, die auf den Dächern von...

DWN
Politik
Politik Teilzeit boomt, Vollzeit schrumpft: Arbeiten die Deutschen zu wenig?
07.09.2026

Der Staat klagt über Personalmangel – hat aber selbst die höchste Teilzeitquote unter den Beschäftigten. Eine Studie schlägt nun die...

DWN
Politik
Politik Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: AfD klar vor CDU – AfD strebt nach Wahl-Triumph an die Macht
06.09.2026

Ein Rekordergebnis, eine historische Niederlage und kaum realistische Koalitionsoptionen: Die Landtagswahl stellt Sachsen-Anhalt vor...