Finanzen

Japans Regierung versucht Rezession mit riesigem Kreditprogramm abzuwenden

Seit Monaten schwächt sich die Produktion und der Export des Landes ab. Nun versucht die Regierung mit dutzenden Milliarden gegenzuhalten.
05.12.2019 09:19
Aktualisiert: 05.12.2019 09:19
Lesezeit: 2 min
Japans Regierung versucht Rezession mit riesigem Kreditprogramm abzuwenden
Eine Passantin in Tokio vor einem Wandgemälde. (Foto: dpa) Foto: Franck Robichon

Mitten in der globalen Wirtschaftsflaute will Japans Regierung mit einem groß angelegten Konjunkturprogramm das maue Wachstum befeuern. Der Staat nimmt dafür umgerechnet 110 Milliarden Euro (13,2 Billionen Yen) in die Hand, wie das Kabinett von Ministerpräsident Shinzo Abe am Donnerstag beschloss. Ergänzt werden diese Konjunkturspritzen durch staatliche Kredite und Kreditgarantien sowie private Investitionen, so dass Anschubhilfen für die Wirtschaft in Höhe von insgesamt fast 220 Milliarden Euro (26 Billionen Yen) zusammenkommen. Die Maßnahmen zielen darauf ab, das Bruttoinlandsprodukt bis März 2022 um 1,4 Prozent nach oben zu treiben.

Abe sprach von einem "starken Paket". Die Mittel sollten unter anderem zum Wiederaufbau von Infrastruktur nach Naturkatastrophen wie etwa dem schweren Wirbelsturm "Hagibis" im Oktober genutzt werden. Zudem solle sichergestellt werden, dass die Wirtschaft auch nach den mit massiven Investitionen verbundenen Olympischen Spielen in Tokio im kommenden Jahr weiter nachhaltig zulege.

Die Wirtschaft des Fernost-Landes war im dritten Quartal so schwach gewachsen wie seit einem Jahr nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg zwischen Juli und Oktober auf das Jahr hochgerechnet nur um 0,2 Prozent. Seit Monaten veröffentlichten die Behörden des Landes negative Datensätze. Insbesondere die schweren Exportrückgänge des traditionellen Exportlandes werfen zudem ein Licht auf die derzeit stattfindende Abkühlung im Welthandel.

Hinzu kommt, dass die Regierung jüngst zur Sanierung der Staatsfinanzen die Mehrwertsteuer erhöhte. Manche Experten befürchten, dass dadurch der private Konsum gehemmt wird, der die Konjunktur bislang stützt. Die Regierung will nun mit ihrem Programm dafür sorgen, dass die Verbraucher bei der Stange bleiben und zudem Investitionen sowie das Exportgeschäft gestärkt werden.

Ökonom Steve Cochrane von Moody's Analytics hält es für einen klugen Ansatz, über den Haushalt mehr Schub für die Konjunktur zu erzeugen. "Die Geldpolitik hat dafür kaum mehr Spielraum, da sie ihre Möglichkeiten weitgehend ausgereizt hat." Die Bank of Japan (BoJ) änderte dennoch Ende Oktober ihren Ausblick, um ihre Bereitschaft deutlicher zu machen, die Zinsen bei Bedarf weiter zu senken. Damit trug die Notenbank Sorgen Rechnung, dass die weltwirtschaftlichen Risiken die Konjunktur in dem Fernostland abwürgen könnten.

Nun springt die Regierung als Krisenfeuerwehr in die Bresche und stützt trotz hoher Staatsverschuldung das maue Wachstum mit zusätzlichen Ausgaben. Die Schuldenlast ist bereits jetzt mit 224 Prozent des BIP die höchste aller Industriestaaten. Die staatlichen Ausgaben sollen nun teils in einen Nachtragshaushalt für das laufende Haushaltsjahr und teils in den Folge-Etat eingestellt werden. Fast vier Billionen Yen sollen aus dem Reservoir eines staatlichen Investitions- und Kreditprogramms geschöpft werden, das von der Negativzinspolitik der Zentralbank begünstigt wird.

Ökonom Takumi Tsunoda vom Forschungsinstitut Shinkin Central Bank Research Institute erwartet, dass mit dem Konjunkturpaket eher Schadensbegrenzung betrieben wird und ein größerer Schub für die Wirtschaft ausbleibt. Die auf den ersten Blick gewaltig anmutende Gesamtsumme des aktuellen Konjunkturpakets verblasst ein wenig, wenn man sie mit dem 2016 geschnürten Paket vergleicht, das zur Abwehr von Folgen des überraschenden Brexit-Votums aufgelegt wurde: Damals waren es satte 28 Billionen Yen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Warum Deon Markets in der Krypto-Landschaft herausragt

In der dynamischen Welt der Kryptowährungen hebt sich Deon Markets deutlich ab. Diese Plattform bietet mehr als nur den Handel mit...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Karlsruhe lehnt Eilanträge ab: Opposition scheitert mit Klagen gegen Kassen-Spargesetz
09.07.2026

Das Bundesverfassungsgericht hat die Eilanträge zweier Oppositionsabgeordneter gegen das umstrittene Gesundheits-Sparpaket abgewiesen....

DWN
Politik
Politik Überraschende Wende: EU-Parlament ebnet Weg für Chatkontrolle
09.07.2026

Das EU-Parlament hat trotz massiver Kritik den Weg frei gemacht, private Chats befristet auf Kindesmissbrauch zu scannen. In einer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Exporte trotzen Iran-Krieg: Deutschland überrascht die Märkte
09.07.2026

Lichtblick für die deutsche Wirtschaft: Die deutschen Exporte legen im Mai erneut zu – vor allem dank eines starken Geschäfts mit den...

DWN
Immobilien
Immobilien Ein Paar hat ChatGPT gebeten, den Hauskauf und die finanzielle Freiheit durchzurechnen: Hier ist der Plan
09.07.2026

Ein Paar auf Wohnungssuche hat ChatGPT genutzt, um berechnen zu lassen, wie ein künftiger Hauskauf ihnen mehr finanzielle Freiheit geben...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Firmenpleiten auf höchstem Stand seit mehr als 20 Jahren
09.07.2026

Fast 5.000 Insolvenzen in nur drei Monaten. Nahezu alle Branchen und Regionen sind laut Wirtschaftsforschern betroffen. Und ein Ende der...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie: Warum der Rüstungsstar plötzlich Rost ansetzt
09.07.2026

Rheinmetall war der große Gewinner der europäischen Aufrüstung, doch nun zeigt der Börsenstar Schwächen. Nach dem Aus für das...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Moderna will gegen Krebs impfen
09.07.2026

Der amerikanische Pionier im Bereich der mRNA-Impfstoffe, der während der Pandemie weltweite Bekanntheit erlangte und Milliarden...

DWN
Politik
Politik Deutschland kauft Tomahawk-Marschflugkörper in den USA
09.07.2026

Die US-Regierung hat der vereinbarten Stationierung von Tomahawk-Marschflugkörpern unter Trump eine Absage erteilt. Nun gibt es eine...