Streit um Weltbank-Kredit: Rivalität zwischen China und den USA greift auf internationale Organisationen über

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
06.12.2019 14:59  Aktualisiert: 06.12.2019 14:59
Die US-Regierung versucht, bei der Weltbank die finanzielle Unterstützung Chinas mit billigen Krediten in Höhe von mehr als 1 Milliarde Dollar pro Jahr zu blockieren. Die Kreditlinie wird trotzdem gewährt. Die WTO ist bereits handlungsunfähig, weitere Organisationen könnten dem Machtkampf der beiden Weltmächte zum Opfer fallen.
Streit um Weltbank-Kredit: Rivalität zwischen China und den USA greift auf internationale Organisationen über
Yuan- und Dollarscheine. (Foto: dpa)
Foto: Diego Azubel

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die Weltbank hat trotz Einwänden von US-Finanzminister Steven Mnuchin milliardenschwere Kredite zu günstigen Konditionen an China genehmigt. Bis Mitte 2025 soll die Volksrepublik jährlich zwischen 1,0 und 1,5 Milliarden Dollar an Darlehen zu niedrigen Zinsen bekommen, geht aus dem am Donnerstagabend (Ortszeit) in Washington verabschiedeten Fünfjahresplan hervor. Dieser sieht vor, dass die Kreditvergabe gegenüber dem bisherigen Fünfjahresschnitt von 1,8 Milliarden Dollar "allmählich" abgeschmolzen werden soll. Die Regierung in Peking hatte um die Finanzierung gebeten. Der Weltbank zufolge sollen damit Markt- und Steuerreformen vorangetrieben, umweltfreundlicheres Wirtschaftswachstum gefördert und der Zugang der Bürger zu Gesundheits- und Sozialdiensten verbessert werden.

"Der [Plan] spiegelt die Entwicklung unserer Beziehungen zu China wider", sagte Martin Raiser, Länderdirektor der Weltbank für China. "Unser Engagement wird immer selektiver. Die künftige Kreditvergabe der Weltbank wird sich in erster Linie auf die verbleibenden Lücken in Chinas Politik und Institutionen im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung konzentrieren."

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hatte sich allerdings geweigert, das Weltbank-Darlehensprogramm für China zu unterstützen. Dies geschieht vor dem Hintergrund des anhaltenden Handelskonflikts zwischen den beiden Staaten und zeigt erneut, dass die wirtschaftliche und geopolitische Rivalität zwischen Washington und Peking längst auf die internationalen Institutionen übergegriffen hat.

US-Finanzminister Steven Mnuchin sagte, die USA hätten über ihren Vertreter im Vorstand der Weltbank, wo am Donnerstag der Finanzierungsplan für die kommenden fünf Jahre diskutiert wurde, "Widerspruch" gegen die finanzielle Unterstützung Chinas erhoben. Das betroffene Programm soll Peking eigenen Angaben zufolge dabei helfen, grüne Investitionen zu finanzieren, marktorientierte Reformen zu fördern und Initiativen zur frühkindlichen Entwicklung und Gesundheitsversorgung zu fördern.

Nicht nur innerhalb der Trump-Regierung, sondern auch im US-Kongress hat sich die Ansicht durchgesetzt, dass China nicht mehr als ein Schwellenland behandelt werden sollte. Die Entscheidung der USA, sich dem neuen chinesischen Kreditprogramm bei der Weltbank zu widersetzen, das von 2020 bis 2025 laufen soll, verdeutlicht die Spannungen zwischen US-Finanzminister Mnuchin und Weltbankpräsident David Malpass in Bezug auf die Beziehungen der Institution zu Peking.

Malpass ist selbst ein früherer Mitarbeiter im Finanzministerium der Trump-Regierung und wurde erst im April zum Weltbankpräsidenten ernannt. Zuvor hatte er davor gewarnt, dass multilaterale Institutionen Gefahr laufen würden, von Chinas zunehmendem geopolitischen Einfluss vereinnahmt zu werden. Doch seit seinem Amtsantritt hat sich seine Haltung abgeschwächt. Zugleich steht Finanzminister Mnuchin unter dem Druck der Hardliner im Kongress, die eine härtere Linie gegen China einschlagen wollen.

"China ist heute nach den Vereinigten Staaten die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Zudem sind die Vereinigten Staaten das größte Geberland der Weltbank. Ich denke, dass viele Amerikaner es infrage stellen würden, dass so viele amerikanische Steuergelder für niedrigverzinsliche Darlehen an China aufgebracht werden," zitiert die Financial Times den Vorsitzenden des Finanzausschusses im US-Senat, den republikanischen Senator Klemme Grassley.

Finanzminister Mnuchin erwähnte die Ablehnung des Kreditprogramms für China durch die USA während einer Anhörung vor dem Ausschuss für Finanzdienstleistungen des US-Abgeordnetenhauses, als er dazu von Anthony Gonzalez befragt wurde. Der Republikaner hatte die Weltbank angegriffen, weil diese "das chinesische Wachstumsmodell international vorangetrieben" habe.

Mnuchin sagte, dass China jetzt erstmals ein Netto-Geberland der Weltbank sei und dass Weltbankpräsident Malpass daran arbeite, die Kredite der Weltbank an das Land zu reduzieren. "Ich habe großes Vertrauen in David Malpass, er versteht dieses Thema, er arbeitet mit China in dieser Angelegenheit zusammen", zitiert ihn die Financial Times. Im Rahmen einer im vergangenen Jahr genehmigten Kapitalerhöhung in Höhe von 13 Milliarden Dollar hatten die USA zugestimmt, die Kreditvergabe der Weltbank an China nicht gänzlich zu beseitigen, sondern sie zu reduzieren.


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Endkampf zwischen Nationalisten und Globalisten geht in entscheidende Runde

Weltweit stehen sich nicht Staaten, sondern die Lager der Nationalisten und Globalisten gegenüber. Trump und Putin befinden sich im Lager...

DWN
Technologie
Technologie König Auto ist tot – es lebe König Auto!

Das „System Auto”, das die Bundesrepublik seit ihrer Gründung entscheidend mitbestimmt hat, geht seinem Ende entgegen. Doch das heißt...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft China überschwemmt die Welt mit gefälschten Medikamenten

Die Welt wird mit gefälschten Pharmazeutika aus Asien überschwemmt.

DWN
Politik
Politik Die EU legt sich auf dem Balkan mit Russland und den USA an

Der Beginn der EU-Beitrittsverhandlungen mit Nordmakedonien und Albanien ist als ein geopolitischer Schritt einzustufen, der die...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Wegen Export-Abhängigkeit: Deutschland wird von Corona-Krise mehr gebeutelt werden als andere Volkswirtschaften

Kaum ein entwickeltes Land wird durch Corona so gebeutelt werden wie Deutschland.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Illegale chinesische Textilarbeiter brachten das Corona-Virus nach Italien: Doch Europa hat keine Kraft, sich gegen Peking aufzulehnen

Corona hat seinen Ursprung in China. Dazu kommt, dass illegale chinesische Textilarbeiter einen großen Anteil daran haben, dass sich das...

DWN
Politik
Politik Ehemaliger britischer Premier Brown plädiert für temporäre Weltregierung

Der ehemalige britische Premierminister Gordon Brown plädiert für die Gründung einer globalen Exekutive, der neben internationalen...

DWN
Politik
Politik Wenige Hunderttausend bestimmen über das Schicksal von Milliarden: „Nie haben weniger Menschen mehr Umwälzungen bewirkt!“

Der Informations- und Finanzdienst Solvecon liefert in seinem aktuellen Forex-Report einen interessanten Kommentar zur gegenwärtigen...

DWN
Deutschland
Deutschland Möbelhäuser: Steht die Branche durch den Online-Handel vor einem radikalen Umbruch?

Der deutsche Möbelhandel stemmt sich gegen die schwache Konjunktur. Ein Mittel, um die Umsätze voranzubringen, ist der Ausbau des...

DWN
Deutschland
Deutschland Kunden-Betrug wird für deutsche Unternehmen immer mehr zur Belastung

Kundenbetrug ist zwar kein neues Problem, doch wird es immer mehr zu einer Belastung für die Firmen. Das geht aus einer aktuellen Studie...

DWN
Politik
Politik Kommt jetzt der Ausverkauf? Italien plant Verpfändung sämtlichen Staatseigentums gegen Kredite

Italien plant, Staatsimmobilien als Garantien zu hinterlegen, um an Milliarden-Kredite zu gelangen. Dazu zählen unter anderem das Gebäude...

DWN
Politik
Politik USA wollen ihre Atomwaffen in Europa modernisieren

Die USA wollen ihr Atomwaffen-Arsenal in Europa modernisieren. Derzeit befinden sich dort etwa 150 US-Atomwaffen. Die Orte der...

DWN
Politik
Politik Salvini dreht durch: „Die EU ist eine Höhle von Schlangen und Schakalen“

Der Chef der Lega Nord, Matteo Salvini, hat die EU als eine “Höhle von Schlangen und Schakalen” bezeichnet. Er ist wütend, dass...

DWN
Politik
Politik Amerikas Reiche verschanzen sich in Ferienhäusern und auf Yachten

In den USA verlassen immer mehr reiche Personen das Land oder verschanzen sich. Auch viele Bürger versuchen, aus den Städten aufs Land zu...

celtra_fin_Interscroller