Wirtschaft

Morningstar-Analyse zum Iran-Krieg: Steigender Ölpreis belastet Weltwirtschaft

Die Finanzmärkte reagieren bislang gelassen auf den Krieg gegen den Iran, doch eine Morningstar-Analyse warnt vor möglichen wirtschaftlichen Folgen eines länger andauernden Konflikts. Welche Risiken sehen Analysten für Ölpreise, Inflation und Weltwirtschaft, falls sich der Iran-Krieg über Monate hinzieht?
05.03.2026 17:37
Lesezeit: 4 min
Morningstar-Analyse zum Iran-Krieg: Steigender Ölpreis belastet Weltwirtschaft
Eine aktuelle Morningstar-Analyse warnt, dass ein längerer Iran-Krieg die Ölpreise deutlich steigen lassen und damit Inflation und Weltwirtschaft stark belasten könnte (Foto: dpa) Foto: tadamichi

Morningstar untersucht Risiken eines längeren Iran-Kriegs

Die Finanzmärkte haben auf den Krieg gegen den Iran bislang erstaunlich gelassen reagiert. Viele Investoren gehen davon aus, dass der Konflikt nur von kurzer Dauer sein wird und deshalb weder die Energieversorgung noch die Weltwirtschaft dauerhaft beeinträchtigt.

Das Analysehaus Morningstar hält diese Einschätzung jedoch für riskant. Sollte sich der Iran-Krieg über Monate hinziehen, könnten Energiepreise, Inflation und Wirtschaftswachstum deutlich stärker unter Druck geraten, als derzeit an den Märkten eingepreist ist.

Märkte setzen weiterhin auf einen kurzen Konflikt

Trotz der militärischen Eskalation fiel die Reaktion an den Finanzmärkten bislang vergleichsweise moderat aus. Zwar gerieten Aktienkurse unter Druck und der Ölpreis zog an, doch insgesamt blieb die Bewegung begrenzt. Viele Marktteilnehmer gehen weiterhin davon aus, dass der Konflikt zeitlich begrenzt bleibt.

An der Wall Street dominiert deshalb die Erwartung, dass der Krieg gegen den Iran keine dauerhaften Störungen der globalen Energieversorgung auslösen wird. In diesem Szenario würden sich die Märkte nach einer Phase erhöhter Unsicherheit relativ schnell stabilisieren.

Genau diese Annahme wird von einigen Analysten inzwischen infrage gestellt. Sollte der Konflikt länger andauern, könnten die wirtschaftlichen Folgen deutlich stärker ausfallen als derzeit erwartet.

Energiemärkte stehen im Zentrum der Risiken

Ein länger andauernder Krieg gegen den Iran würde nach Einschätzung vieler Marktbeobachter vor allem die Energiemärkte treffen. Der Preis für ein Barrel Rohöl könnte in diesem Fall auf über 100 Dollar steigen und damit deutlich über das aktuelle Niveau hinausgehen.

Steigende Energiepreise würden sich schnell auf die Weltwirtschaft übertragen. Höhere Kosten für Öl und Gas treiben die Inflation an und erhöhen gleichzeitig die Produktionskosten für Unternehmen.

Rick de los Reyes, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter T. Rowe Price, verweist auf historische Erfahrungen mit geopolitischen Krisen. Kurzfristige Konflikte hätten sich für die Märkte häufig als überwindbar erwiesen, sobald sich die Lage stabilisierte und die Unsicherheit nachließ.

Längere Konflikte treffen Inflation und Wachstum

Wenn ein geopolitischer Konflikt jedoch länger anhält, fallen die wirtschaftlichen Folgen deutlich stärker aus. Dann geraten nicht nur Energiepreise unter Druck, sondern auch Inflationserwartungen und Zinsprognosen verändern sich.

Ein anhaltender Anstieg der Energiepreise kann die wirtschaftliche Dynamik spürbar bremsen. Unternehmen sehen sich mit steigenden Kosten konfrontiert, während Verbraucher durch höhere Energiepreise weniger Kaufkraft haben.

Ein Beispiel liefert der Konflikt zwischen Israel und dem Iran im vergangenen Jahr. Damals dauerte die militärische Eskalation lediglich zwölf Tage und führte nur zu einem kurzfristigen Anstieg der Energiepreise.

Ölpreise reagieren bereits auf die Eskalation

Die aktuelle Entwicklung zeigt jedoch, wie sensibel Energiemärkte auf geopolitische Spannungen reagieren. Der Preis für Brent-Öl liegt derzeit bei rund 80 Dollar pro Barrel und ist innerhalb von fünf Tagen um etwa 13 Prozent gestiegen.

Auch der US-Referenzpreis WTI legte im gleichen Zeitraum deutlich zu und erreichte rund 76 Dollar pro Barrel. Damit ist der Preis innerhalb weniger Tage um etwa 16 Prozent gestiegen. Trotz dieses schnellen Anstiegs liegen die Preise noch deutlich unter den Höchstständen von 2022. Damals erreichte Öl nach dem russischen Angriff auf die Ukraine zeitweise rund 114 Dollar pro Barrel.

Straße von Hormus als zentraler Unsicherheitsfaktor

Ein besonders kritischer Punkt ist die Straße von Hormus. Durch diese Meerenge wird etwa ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls transportiert und ein ähnlicher Anteil des globalen Flüssigerdgases. Der Iran hat den Schiffsverkehr dort zeitweise eingeschränkt. Schon kleinere Störungen dieser wichtigen Handelsroute können erhebliche Auswirkungen auf den globalen Energiemarkt haben.

Sollte die Passage über Wochen oder Monate beeinträchtigt bleiben, könnten Angebotsschocks entstehen. In einem solchen Szenario würde der Ölpreis deutlich steigen und die Unsicherheit an den Märkten weiter zunehmen.

Energiepreise verändern geldpolitische Erwartungen

Steigende Energiepreise gelten derzeit als eines der größten wirtschaftlichen Risiken. Vor Beginn des Kriegs gegen den Iran rechneten viele Investoren mit stabilen oder sogar sinkenden Zinsen.

Zudem erwarteten Marktteilnehmer mehrere Zinssenkungen durch die US-Notenbank im Laufe des Jahres. Ein dauerhafter Anstieg der Energiepreise könnte diese Erwartungen jedoch grundlegend verändern. Wenn Öl und Gas länger teuer bleiben, schlägt sich dies auch in höheren Preisen für Waren und Dienstleistungen nieder. Die Inflation könnte dadurch erneut an Dynamik gewinnen.

Europa besonders anfällig für Energiepreisschocks

Besonders Europa gilt als anfällig für steigende Energiepreise. In vielen europäischen Ländern spielt Gas weiterhin eine zentrale Rolle für Heizung, Stromproduktion und industrielle Prozesse. Steigende Energiepreise können daher schnell zu höheren Produktionskosten führen und die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie belasten. Gleichzeitig sinkt die Kaufkraft der Haushalte, wenn Energie und Treibstoffe teurer werden.

Sollte der Ölpreis dauerhaft über 100 Dollar steigen, könnte die Inflation in Europa deutlich zunehmen. Mehrere Volkswirtschaften könnten dadurch in eine Phase schwächeren Wachstums geraten.

Finanzmärkte reagieren bislang erstaunlich gelassen

Trotz dieser Risiken reagieren die Finanzmärkte bislang vergleichsweise ruhig. Der wichtigste US-Aktienindex S&P 500 hat in der laufenden Woche nur moderate Verluste verzeichnet. Viele Investoren scheinen weiterhin davon auszugehen, dass sich der Krieg gegen den Iran nicht über einen längeren Zeitraum ausweiten wird. Erst wenn sich diese Annahme als falsch erweist, könnten stärkere Marktreaktionen folgen.

Analysten warnen deshalb davor, die derzeitige Gelassenheit der Märkte zu überschätzen. Die wirtschaftlichen Folgen eines länger andauernden Konflikts könnten sich erst mit zeitlicher Verzögerung vollständig zeigen.

Energiepreise bleiben entscheidend für Deutschland

Für Deutschland wäre ein länger andauernder Iran-Krieg vor allem über steigende Energiepreise relevant. Höhere Kosten für Öl und Gas verteuern Produktion, Transport und Heizung und erhöhen damit den Inflationsdruck.

Besonders energieintensive Industrien und exportorientierte Unternehmen würden unter dauerhaft hohen Energiepreisen leiden. Gleichzeitig könnte eine schwächere Weltkonjunktur die Nachfrage nach deutschen Exporten bremsen.

Damit hängt ein Teil der wirtschaftlichen Perspektive Deutschlands stark von der Entwicklung der Energiemärkte ab. Sollte sich der Krieg gegen den Iran verlängern, könnte dies die ohnehin fragile wirtschaftliche Lage zusätzlich belasten.

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