Politik

Russland will die Arktis mit Raketenschirm kontrollieren

Lesezeit: 2 min
11.12.2019 12:29  Aktualisiert: 11.12.2019 12:29
Russland plant, in der Arktis einen Raketenschirm zur Luftverteidigung zu errichten. Moskau treibt seine Ansprüche in der Region und insbesondere entlang der strategisch wichtigen Nordseeroute voran.
Russland will die Arktis mit Raketenschirm kontrollieren
Mögliche Öl- und Gasressourcen im Bereich der Arktis. (Grafik: Stratfor)

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Russland plant die Errichtung eines Luftverteidigungschirms in seiner Polarregion, indem alle Divisionen der Nordflotte in der Arktis mit S-400-Raketenbatterien ausgerüstet werden, berichtet der EU Observer. Russland habe dazu seine militärische Präsenz in der Arktis ausgebaut, neue Infrastrukturen aufgebaut und seine Häfen saniert, um in einer Region mit einem immensen Rohstoffreichtum die Vorherrschaft zu erlangen, so das Blatt.

Andere Länder hatten sich in der jüngeren Vergangenheit ebenfalls bemüht, ihre Präsenz in der Arktis zu verstärken. Im Mai 2019 warf die US-Regierung Russland ein “aggressives Verhalten” in der Polarregion vor.

Russland hatte bereits im September 2019 seine S-400-Luftverteidigungssysteme auf dem Novaya Zemlya-Archipel im hohen Norden eingesetzt. “Es ist geplant, alle unsere arktischen Divisionen in den kommenden Jahren mit solchen Komplexen auszustatten, und es wird tatsächlich eine Luftverteidigungskuppel über dem russischen Teil der Arktis entstehen. Dies bedeutet, dass die Arktis vor jeglichen feindlichen Luftangriffen geschützt wird, sei es vor Flugzeugen, Kreuzfahrten oder ballistischen Raketen”, sagte Vizeadmiral Alexei Moiseyev in einem Fernsehinterview mit Zvezda TV.

Im Jahr 2015 teilte der US-Informationsdienst Stratfor mit: “Detaillierte Bilder, die von Stratfors Partnern bei AllSource Analysis gesammelt wurden, zeigen deutlich, dass Russland derzeit mehrere feste Stützpunkte in der Region errichtet und ausgebaut hat. Insbesondere zwei auf der Insel Alexandra und die andere auf der Insel Kotelny spiegeln das breitere Muster der russischen Arktis wider: Moskau will einen Überwachungsaußenposten errichten und einen symbolischen Gebietsanspruch geltend machen, hat jedoch noch keine vollwertige militärische Präsenz aufgebaut.”

Der Kreml habe viele Interessen in der Arktis, aber die vielleicht größten seien natürliche Ressourcen und grundlegende geopolitische Erfordernisse. Stratfor nimmt an, dass die Arktis etwa 30 Prozent des weltweit unentdeckten Erdgases und 13 Prozent des unentdeckten Erdöls beherbergt. Für Moskau könnten sich die Reserven als kritische Quelle für Auslandsinvestitionen erweisen, die die wirtschaftliche Entwicklung vorantreiben würden.

Die Nordseeroute, die von Ostasien durch den Arktischen Ozean nach Europa führt, könnte eines Tages auch die Infrastrukturentwicklung in Nordrussland vorantreiben und eine weitere Wachstumschance bieten. Mit Stützpunkten in der Arktis ist Russland in der Lage, sowohl physische Energie in die Region zu projizieren als auch die Bewegungen anderer auf den strategischen Seerouten zu überwachen. Dies wird Moskau nicht nur in die Lage versetzen, seinen Zugang zu potenziellen Ressourcen zu schützen, sondern auch das militärische Gleichgewicht zwischen den USA und Russland zu beeinträchtigen.

Es ist wahrscheinlich, dass ein Teil der Nordflotte, Moskaus Hauptstreitmacht und Hauptbestandteil der russischen nuklearen Abschreckung, auch auf der neusibirischen Inselkette stationiert wird, da die neusibirische Inselkette für Militäreinsätze in der Arktis ideal positioniert ist.

Präsident Wladimir Putin hatte die Entwicklung der Arktis zu einem seiner wichtigsten langfristigen Ziele gemacht und im Verlauf des laufenden Jahres darüber gesprochen, wie der Containerhandel in Zukunft nicht über den Suez-Kanal, sondern über die Nordseeroute verlaufen könnte. Einige internationale Investoren kaufen bereits Projekte für den Export von Flüssigerdgas entlang der Nordseesroute, berichtet Voice of America (VoA).


Mehr zum Thema:  

DWN
Ratgeber
Ratgeber Bestens geplant: Einkommensvorsorge für Beamte

Die neue Allianz Einkommensvorsorge schützt Beamte und alle, die es werden wollen, vor den finanziellen Risiken einer Berufs- oder...

DWN
Politik
Politik Genug ist genug: Wider den Antisemitismus auf Deutschlands Straßen

Schon wieder hat es die Politik verpasst, jüdische Gotteshäuser rechtzeitig zu sichern. Attacken auf Synagogen, Hassparolen auf...

DWN
Technologie
Technologie 50 Gigawatt stehen zur Disposition: Geplante Stilllegung von Kraftwerken gefährdet Deutschlands Stromversorgung

Die Regierung plant die Stilllegung von Atom- und Kohlekraftwerken - woher der dann fehlende Strom kommen soll, weiß niemand.

DWN
Politik
Politik Le Pen und das Militär gegen das Establishment: Frankreichs Kulturkampf spitzt sich zu

Die verfeindeten Seiten stehen sich unversöhnlich gegenüber. Doch im Grunde genommen kämpft jeder gegen jeden - die französische...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Konkurrent Ethereum setzt seinen Höhenflug fort

Ethereum eilt von Allzeithoch zu Allzeithoch. Damit entkoppelte sich die Währung in den letzten Wochen vom restlichen Kryptomarkt, der...

DWN
Politik
Politik Indien: Von Gebirgen geschützt, auf dem Meer herausgefordert

In Folge vierzehn der großen geopolitischen DWN-Serie befasst sich Moritz Enders heute mit Indien. An wohl keinem anderen Beispiel lässt...

DWN
Finanzen
Finanzen Warum die Kritik an den Zentralbanken scheinheilig ist

Die Deutschen Wirtschaftsnachrichten sind in einer Reihe von Artikeln sehr kritisch mit den Zentralbanken umgegangen. Jetzt nimmt DWN-Autor...

DWN
Finanzen
Finanzen Bargeldabschaffung nimmt immer konkretere Formen an: Nach neuem EU-Vorschlag drohen Verhältnisse wie in Schweden

DWN-Gastautor Hansjörg Stützle analysiert, wie die Abschaffung des Bargelds schrittweise voranschreitet. Zum Schluss zeigt er auf, wie...

DWN
Technologie
Technologie Biotreibstoff-Verband: Klima-Kritik an Grünem Diesel ist Unfug!

Verbraucherorganisationen behaupteten, dass der Grüne Diesel schädlicher als der Treibstoff aus Erdöl sei. Im exklusiven Interview mit...