Politik

Gegen China: USA verstärken ihre Militärpräsenz in der Asien-Pazifik-Region

Die US-Streitkräfte verstärken in der Asien-Pazifik-Region ihre militärische Präsenz. Es werden regelmäßig Übungen mit verbündeten Anrainerstaaten abgehalten.
19.12.2019 11:00
Lesezeit: 3 min
Gegen China: USA verstärken ihre Militärpräsenz in der Asien-Pazifik-Region
Die wichtigsten Stützpunkte der USA in der Asien-Pazifik-Region. (Grafik: CSIS)

Mitte Dezember hatte das US-Militär in der Pazifik-Region eine Rakete getestet, der im Rahmen des INF-Abrüstungsvertrags, welcher am 2. August 2019 offiziell von der US-Regierung beendet wurde, verboten gewesen wäre, berichtet das Magazin Time.

Der Raketenprototyp war so konfiguriert, dass er mit einem nicht nuklearen Sprengkopf bewaffnet war. Das Pentagon lehnte es ab, Einzelheiten zu offenbaren, außer dass die Rakete von einem “statischen Startplatz” auf der Vandenberg Air Force Base in Kalifornien abgefeuert und im offenen Ozean gelandet war. Die Rakete soll mehr als 500 Meilen geflogen sein.

Die letzte verbleibende Vertragsbeschränkung für US-amerikanische und russische Atomwaffen - der neue START-Vertrag von 2010 - soll im Februar 2021 auslaufen. Dieser Vertrag kann bis zu fünf Jahre verlängert werden, ohne dass eine Neuverhandlung der wichtigsten Bestimmungen erforderlich ist.

Die USA haben inzwischen aber China und nicht Russland als den größten strategischen, wirtschaftlichen und potenziellen militärischen Rivalen in Bezug auf ihren globalen Führungsanspruch identifiziert. Barack Obama, der als “pazifischer Präsident” bezeichnet wurde, hat diesen Wandel mit seiner Hinwendung nach Asien und zum Pazifik (“Pivot to Asia”) von 2011, welche der Region Priorität einräumte, formalisiert.

Nicht ohne Grund wurde in Washington D.C. mehrmals verkündet, dass das 21. Jahrhundert ein pazifisches Jahrhundert werden würde. China wiederum versucht nicht nur die militärische Expansion der USA in der Asien-Pazifik-Region einzudämmen, sondern strebt auch danach, den Einfluss der USA auf die Länder in der Region einzuschränken und die eigenen Einflußmöglichkeiten auszubauen.

Dies bedeutet nicht, dass China versucht, die USA vollständig aus den asiatischen und pazifischen Ländern herauszulösen. Aus chinesischer Sicht ist es in Ordnung, wenn die USA ihren Handel fortsetzen oder wenn US-amerikanische Unternehmen in der Region investieren. Chinas Ziel ist es jedoch, den Einfluss Washingtons so weit einzuschränken, dass es nicht länger versuchen oder nicht mehr in der Lage sein würde, regionale Regierungen zu überzeugen, Maßnahmen gegen China zu ergreifen, berichtet die Navy Times.

Admiral John Aquilino, Kommandeur der Pazifikflotte der US-Marine, sagte Mitte Dezember, dass China im Südchinesischen Meer versuchen würde, anderen Nationen in der Region einzuschüchtern. Chinas Aktionen, einschließlich des Baus von aufgeschütteten Inseln in den umstrittenen Gewässern, würden darauf abzielen, seine militärischen Kapazitäten zu erweitern.

Aquilino teilte Journalisten auf einer Pressekonferenz in der thailändischen Hauptstadt Bangkok mit, dass China nicht nur Flugabwehr- und Schiffsabwehr-Raketensysteme sowie Radar-Störsender installiere, sondern auch kürzlich Bomber auf Landebahnen auf einigen von Menschenhand geschaffenen Inseln stationiert habe. Es sei klar, dass solche Installationen einen “absolut militärischen Zweck haben”. Der Handel über den Seeweg sei bedroht. Jedes Jahr werden Handelsströme im Wert von drei Billionen US-Dollar durch das Südchinesische Meer abgewickelt, “und es gibt eine Fülle natürlicher Ressourcen”, so Aquilino. Deshalb bestehe die Rolle der USA darin, die Länder in der Asien-Pazifik-Region zu schützen.

Die USA haben im laufenden Jahr mindestens 85 gemeinsame Militärübungen mit ihren Verbündeten im Indopazifik abgehalten, um dem Aufstieg Pekings, insbesondere im Südchinesischen Meer, entgegenzuwirken, so die chinesische Denkfabrik South China Sea Strategic Situation Probing Initiative. Die zwischen Januar und November 2019 durchgeführten Übungen fanden in verschiedenen Größenordnungen statt. “Durch diese Übungen verbessern die USA ihre Interoperabilität mit anderen Nationen und verstärken ihre militärische Präsenz, um den Aufstieg Chinas als Seemacht einzudämmen”, zitiert die South China Morning Post die Denkfabrik.

Von den gemeinsamen und multinationalen Übungen, die in diesem Zeitraum durchgeführt wurden, waren die Philippinen an mindestens 16, Thailand an neun und Singapur an sechs Übungen beteiligt. Obwohl weder Singapur noch Thailand in territoriale Streitigkeiten mit Peking im Südchinesischen Meer verwickelt sind wird die militärische Zusammenarbeit zwischen den beiden südostasiatischen Staaten und den USA vertieft. Die Philippinen, Vietnam, Malaysia, Brunei und Taiwan sind hingegen direkt in territoriale Streitigkeiten mit China verwickelt, weil sie alle territoriale Ansprüche auf Teile des Südchinesischen Meeres erheben.

Während der Pacific Griffin-Übung, die vom 24. September bis zum 10. Oktober 2019 in den Gewässern vor Guam stattfand, führten die Marinen der USA und Singapurs ihre erste kooperative Oberflächenabwehrübung durch, feuerten eine Rakete ab und beteiligten sich an U-Boot- und Anti- Luftkriegsübungen.

In ähnlicher Weise setzten die USA in der COPE Tiger-Übung, an der die USA, Singapur und Thailand im März 2019 beteiligt waren, F16C-Kampfjets ein, um im Rahmen eines Szenarios die “feindlichen” Luftverteidigungen zu unterdrücken und die Luft-Boden-Angriffsfähigkeiten der thailändischen Luftwaffe zu verbessern.

Die USA haben auch andere Verbündete, darunter Japan, Indien und Australien, eingeladen, an Übungen im Südchinesischen Meer teilzunehmen. “Die Teilnahme dieser Verbündeten wird dem US-Militär helfen, besser auf den Kampf vorbereitet zu sein”, so die chinesische Denkfabrik.

Collin Koh von der S. Rajaratnam School of International Studies in Singapur, meint, dass die Verbesserung der Interoperabilität zwischen den USA und ihren regionalen Verbündeten Pekings militärische Planung im Südchinesischen Meer erschweren würde. “Diese Übungen stärken nicht nur die allgemeinen Fähigkeiten und Kapazitäten der Asean-Flotte, sondern erleichtern ihnen auch die Zusammenarbeit mit dem US-Militär in Zeiten der Not”, so Koh.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Die Ökonomie der Aufmerksamkeit: Warum Unternehmen um jede Minute kämpfen

Im Internet ist Geld nicht länger die einzige Währung. Eine ebenso große Rolle spielt die Währung Aufmerksamkeit. Wer im Überfluss an...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen BMW-Werksleiter Schröder: Wie ein Maschinenbauingenieur erfolgreich durch turbulente Jahre führt
19.07.2026

Der Leiter des BMW-Werks in Dingolfing, dem größten in Europa, setzt auf die Qualifikation der Mitarbeiter, was sich in der stetig...

DWN
Finanzen
Finanzen Gefällt Dir das Produkt? Dann kaufe die Aktie!
19.07.2026

Früher war Aktienauswahl oft erstaunlich einfach: Wer ein Produkt mochte und verstand, investierte auch in das Unternehmen dahinter. Doch...

DWN
Finanzen
Finanzen Die zehn reichsten Deutschen – und der Vergleich zu Elon Musk
19.07.2026

Deutschlands reichste Menschen sind Unternehmer und Erben von Unternehmern, deren Firmen weltweit Milliarden Euro umsetzen. Gründer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Japan: Der Feind ist nicht das Elektroauto, der Feind ist der Kohlenstoff
19.07.2026

Autos aus diesem asiatischen Land stehen ganz oben auf der Wunschliste potenzieller Käufer. Zu den Stärken der Branche zählen die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Niedrige Geburtenrate: Warum weniger Kinder die Wirtschaft produktiver machen könnten
19.07.2026

Weniger Kinder, weniger Arbeitskräfte, weniger Wachstum: Diese Rechnung klingt logisch, könnte aber falsch sein. Eine neue Studie zeigt,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Hackergruppen 2026: Diese Cyber-Elite greift Deutschlands Unternehmen an
19.07.2026

Sie knacken nicht nur Passwörter, sondern manipulieren Helpdesks, missbrauchen Fernzugriffe und stehlen sogar biometrische Daten. Die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Von Bauunternehmen bis hin zu Energieversorgern: Das sind die unerwarteten Gewinner des KI-Booms
19.07.2026

Für zahlreiche Unternehmen aus klassischen Industriezweigen – von Bergbauunternehmen bis hin zu Herstellern von Kühlsystemen – hat...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Opel-Chef Florian Huettl: Kann sein leiser Kurs die Traditionsmarke retten?
18.07.2026

Andere Automanager inszenieren sich, Florian Huettl hört lieber Kunden und Händlern zu. Der Opel-Chef soll eine deutsche Traditionsmarke...