Politik

Wegen Libyen: Allianz zwischen Türkei und Russland bröckelt

Die Türkei will die libysche Regierung mit Truppen unterstützen. Russland unterstützt hingegen einen Söldner-General, der die Regierung stürzen will. Die türkisch-russische Allianz muss sich bald einer Feuerprobe stellen.
26.12.2019 13:13
Aktualisiert: 26.12.2019 13:13
Lesezeit: 1 min
Wegen Libyen: Allianz zwischen Türkei und Russland bröckelt
Russlands Präsident Putin und sein türkischer Amtskollege Erdogan. (Foto: dpa) Foto: Tolga Bozoglu

Am Donnerstag verkündete der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan, dass die Türkei Truppen nach Libyen entsenden werde, um die von der UN gestützte Regierung in Tripolis gegen den Söldner-General Chalifa Haftar zu unterstützen. “Da derzeit eine Einladung aus Libyen vorliegt, werden wir diese annehmen. Wir werden den diesbezüglichen Gesetzentwurf dem Parlament vorlegen. So Gott will, werden wir den Entwurf am 8. oder 9. Januar im Parlament verabschieden und damit auf die Einladung aus Tripolis reagieren”, zitiert die Nachrichtenagentur Anadolu Erdoğan.

Der türkische Präsident übte Kritik an der Unterstützung von Haftar durch einige europäische und arabische Länder und Russland. “Sie unterstützen einen Kriegs-Baron. Wir unterstützen hingegen die rechtmäßige Regierung Libyens”, so Erdoğan. Im vergangenen Monat hatten die Türkei und Libyen ein wichtiges Seeabkommen unterzeichnet. Erdoğan wörtlich: “Dieses Dokument ist in Kraft getreten. Unser Ziel ist es nicht, jemandem seine Rechte im Mittelmeerraum streitig zu machen, sondern die Usurpation unserer Rechte zu verhindern. Einige möchten [unsere Interessen] auf unsere Küste beschränken. Das Abkommen ist völlig legitim.”

Der Kreml reagierte unverzüglich auf die Ankündigung Erdoğans. Kreml-Sprecher Dmitri Peskov sagte nach Angaben der Tass: “Interventionen von Drittstaaten tragen nicht zur Lösung der Krise bei, aber Versuche von Drittstaaten, eine direkte Lösung des Problems zu finden und die Konfliktparteien zu unterstützen, sind immer zu begrüßen.”

Seit mehreren Monaten sind Risse in den türkisch-russischen Beziehungen zu beobachten. In Syrien erfolgt im Rahmen der Astana-Gruppe lediglich ein Zweckbündnis. Unklar ist jedoch, wie lange noch die Türkei und Russland in Syrien, teilweise im östlichen Mittelmeer, auf dem Balkan und im Kaukasus kooperieren werden. Auch der Kauf der russischen S-400-Raketensysteme durch die Türkei ist nicht zwangsläufig ein Hinweis für eine echte Allianz zwischen Moskau und Ankara. Der US-Informationsdienst GPF führt aus: “Es besteht kein Zweifel, dass der S-400-Deal Ankaras Beziehung zu Washington kompliziert. Der Kauf russischer Systeme durch die Türkei und sogar die Zusammenarbeit mit Moskau in Syrien lassen jedoch keine umfassendere strategische Neuausrichtung erkennen. Es ist eine bequeme Lösung für ein unmittelbares Problem und sollte nicht als etwas anderes interpretiert werden.”

In Libyen unterstützt Russland den Söldner-General Haftar. Zudem kämpfen nach diversen Berichten russische Söldner auf Seiten von Haftar.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europäischer Automarkt: E-Autos und Hybride prägen den Strukturwandel
29.01.2026

Der europäische Automobilmarkt verschiebt sich strukturell hin zu neuen Antriebsformen. Welche Folgen hat der wachsende Anteil von E-Autos...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Ergebnisse der Tech-Giganten: Meta plant KI-Investitionen von bis zu 135 Milliarden Dollar
28.01.2026

Die Technologiegiganten Meta, Microsoft und Tesla übertrafen die Erwartungen der Analysten, insbesondere im Hinblick auf den Wettlauf um...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: US-Börsen blieben nach Zentralbankentscheidung stabil
28.01.2026

Die erwartete Entscheidung der US-Notenbank, die Zinssätze stabil zu halten, ließ die Märkte auf klarere Hinweise bezüglich künftiger...

DWN
Politik
Politik Energieprojekt Bornholm: Dänemark und Deutschland einigen sich auf gemeinsame Finanzierung
28.01.2026

Deutschland und Dänemark rücken bei einem zentralen Energieprojekt enger zusammen. Welche wirtschaftlichen und strategischen Folgen hat...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Rekordhoch: Trump treibt Gold-Rallye weiter an – sind bald schon 6.000 Dollar möglich?
28.01.2026

Der Goldmarkt erlebt derzeit eine historische Ausnahmesituation: Ein neues Goldpreis-Rekordhoch folgt dem nächsten. Trumps...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Puma unter chinesischem Großaktionär: Welche europäischen Sportmarken unabhängig bleiben
28.01.2026

Der Einstieg eines chinesischen Großaktionärs bei Puma rückt die Eigentümerstrukturen europäischer Sportmarken in den Fokus. Welche...

DWN
Finanzen
Finanzen Verdacht auf Geldwäsche: BKA durchsucht Deutsche Bank
28.01.2026

Erneut Ärger wegen möglicher Geldwäsche: Justiz und BKA sichern Beweise bei der Deutschen Bank. Die Ermittlungen stehen im Zusammenhang...

DWN
Politik
Politik Haseloff-Nachfolger: Schulze neuer Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt
28.01.2026

Nach 15 Jahren Reiner Haseloff übernimmt Sven Schulze das Amt des Regierungschefs in Sachsen-Anhalt – und muss gleich gegen einen...