Finanzen

Von der Angst der Deutschen, beim Sparen auf das falsche Pferd zu setzen

Edelmetalle, Fonds, Aktien oder das gute alte Sparbuch - die Anlagemöglichkeiten sind genauso groß wie der Wille der Deutschen zu sparen. Doch mit allen Anlageformen sind erhebliche Risiken verbunden, und schnell kann sich das Ersparte in Luft auflösen.
Autor
15.01.2020 13:00
Aktualisiert: 15.01.2020 13:00
Lesezeit: 3 min
Von der Angst der Deutschen, beim Sparen auf das falsche Pferd zu setzen
Alle Anlageformen sind mit Risiken verbunden. (Foto: dpa) Foto: Daniel Karmann

Die Älteren unter uns werden sich noch an eine Zeit erinnern können, als das Sparen einfach war. Man legte einfach ein Sparbuch an – und wegen der erheblichen Zinsen, die das Sparbuch hierzulande einst abwarf, war man auch kaum geneigt, Investitionen in andere Anlageformen wie Aktien, Fonds oder Gold in Erwägung zu ziehen. Kaum jemand war in Sorge, dass die Inflation den Wert seines Sparbuchs auffressen könnte. Kaum jemand wäre auf die Idee gekommen, größere Mengen Geldscheine unter der Matratze oder im Tresor zu horten.

Was haben sich die Zeiten geändert! Die großen Zentralbanken der Welt haben Berichte veröffentlicht, wonach sie in den letzten Jahren außergewöhnlich viele Geldscheine drucken mussten, um mit dem wachsenden Bedarf Schritt zu halten. Und dies ist umso erstaunlicher, als Münzen und Scheine im Zeitalter der Kreditkarten und des Online-Shoppings immer weniger zum Bezahlen verwendet werden. Das heißt, eigentlich müsste der Bedarf nach Geldscheinen rückläufig sein. Die Deutsche Bundesbank geht davon aus, dass hierzulande Bargeld im Wert von mehr als 150 Milliarden Euro gehortet wird. Das entspricht immerhin fast 2.000 Euro pro Bürger – vom Kleinkind bis zum Greis.

Das Geld unter der Matratze schützt den Besitzer sicherlich vor drohenden Kapitalkontrollen, wie man sie während der Eurokrise in Zypern gesehen hat, wo die Bürger plötzlich keinen Zugang mehr zu ihren Bankguthaben hatten. Doch gegen die lockere Geldpolitik der Notenbanken mit gleichzeitig niedrigen Zinsen kann einen das Bargeld nicht schützen, ganz im Gegenteil. Mit jedem Euro, den die EZB über ihre Wertpapierkäufe in die Finanzmärkte pumpt, verliert die Währung weiter an Wert. Dieser Wertverlust des Euro zeigt sich auch an den immer weiter steigenden Preisen für Aktien, Immobilien, Gold und andere Sachwerte.

Um sich gegen den schleichenden Wertverlust des Euro zu schützen, betätigen sich viele kleine Sparer als Investoren und kaufen Aktien, Gold oder auch Immobilien, die sie gar nicht selbst bewohnen, sondern vermieten wollen. Heute halten laut Zahlen der Deutschen Bundesbank rund 16 Prozent der deutschen Haushalte Fondsanteile und rund 11 Prozent Aktien. Zudem wohnen rund 44 Prozent in einer eigenen Immobilie, von denen allerdings knapp die Hälfte noch Hypothekenschulden hat.

Auch der Goldbesitz ist hierzulande weit verbreitet. Laut einer Studie der Steinbeis-Hochschule besitzen rund 38 Prozent der Bevölkerung in Deutschland Goldmünzen oder Goldbarren und rund 15 Prozent besitzen Wertpapiere, die mit Gold verbundenen sind. Seit dem Jahr 2010 ist der Goldbesitz in Form von Barren und Münzen um 23 Prozent auf insgesamt 4.925 Tonnen angestiegen. Demnach kommt heute jeder Deutsche im Durchschnitt auf 71 Gramm Gold in Form von Barren oder Münzen mit einem Wert von aktuell rund 3.100 Euro.

Doch mit all diesen Anlageformen sind auch Risiken verbunden. Dies gilt derzeit vor allem auch für Aktien. Denn an den Börsen läuft der längste Bullenmarkt der Geschichte, sodass die Wahrscheinlichkeit eines Markteinbruchs stark gestiegen ist. Daher warnen derzeit zahlreiche Buchautoren vor einem bevorstehenden Crash. Doch der laufende Bullenmarkt könnte auch noch eine ganze Zeitlang weiter gehen. Denn Federal Reserve und Europäische Zentralbank haben noch Spielraum. Zwar kaufen sie beide derzeit weiterhin Anleihen, sie haben aber noch nicht einmal damit begonnen, Aktien zu kaufen, um die Kurse zu stützen. Zudem könnten auch noch mehr traditionelle Sparer infolge der sich ausbreitenden negativen Zinsen größere Summen von ihren Konten abheben und das Geld an den Kapitalmärkten investieren, was die Aktienkurse zusätzlich stützen würde.

Doch nicht nur die Europäische Zentralbank erschwert den Deutschen das Sparen heute maßgeblich, indem sie den Euro verwässert und Negativzinsen auf Bankguthaben herbeigeführt hat, was auch starke Verzerrungen an den Kapitalmärkten zur Folge hatte. Hinzu kommen auch ernste Bedrohungen seitens der Politik. Am gefährlichsten für den Sparer ist derzeit wohl die geplante Vermögenssteuer, die laut Umfragen von immerhin 72 Prozent der Deutschen befürwortet wird.

Hasso Plattner, der Gründer des Softwarekonzerns SAP, hat bereits angekündigt, dass er aus Deutschland wegziehen will, wenn eine Vermögenssteuer von 2 Prozent eingeführt werden sollte. Denn eine solche Steuer würde bedeuten, dass man jedes Jahr 2 Prozent des Wertes seiner Immobilie an den Staat abführen muss. Möglicherweise fährt man da als Sparer mit Negativzinsen auf sein Bankguthaben besser, da man wegen Steuerforderungen nicht plötzlich unter Druck geraten kann, eine Immobilie verkaufen zu müssen. In einem freien Land bleibt die Wahl zwischen Regen und Traufe aber jedem selbst überlassen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Immobilienmakler für Kitzbühel – Hotel und Gewerbeimmobilien verkaufen mit Experten

Der Verkauf von Hotels und Gewerbeimmobilien in Kitzbühel stellt besondere Anforderungen an Eigentümer und Makler. Ein erfahrener...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Moderna-Aktie explodiert: Melanom-Impfstoff schürt Hoffnung auf Milliardengeschäft
19.08.2026

Die Moderna-Aktie schießt nach einem wegweisenden Studienerfolg in die Höhe. Ein personalisierter Krebsimpfstoff könnte dem...

DWN
Politik
Politik Altersteilzeit vorm Aus? Regierung will beliebtestes Modell für Berufsausstieg streichen
19.08.2026

Mit Altersteilzeit in den wohlverdienten Ruhestand: So haben Millionen Deutsche ihren Renteneinstieg geplant. Doch die Bundesregierung will...

DWN
Finanzen
Finanzen Biontech-Aktie hebt ab: Zulassungshoffnung löst Kursrally bei Biontech-Aktie aus
19.08.2026

Die Biontech-Aktie schießt im US-amerikanischen Börsenhandel am Mittwoch kräftig nach oben und lässt den Gesamtmarkt weit hinter sich....

DWN
Panorama
Panorama KI-Manifest von Mark Zuckerberg zeigt, wie Meta die Zukunft der Menschen verändern will
19.08.2026

Mark Zuckerberg verspricht persönliche Superintelligenz, mehr individuelle Macht und sogar zusätzliche Arbeitsplätze. Doch sein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Sprengung Nord-Stream: Ukrainer in Kroatien festgenommen
19.08.2026

Vier Jahre nach den Anschlägen auf die Nord-Stream-Pipelines führen Ermittlungen zu den Sprengungen erneut zu einer Festnahme. Es ist...

DWN
Politik
Politik Mietrecht: Justizministerin will Einbau von Klimaanlagen erleichtern
19.08.2026

Wie kann die Rechtspolitik einen Beitrag zum Hitzeschutz leisten? Bundesjustizministerin Hubig hat eine Idee.

DWN
Technologie
Technologie Konkurrenz für SpaceX: China gelingt Raketenlandung auf Beinen
19.08.2026

Erstmals ist in China eine Raketenstufe nach einem Orbitalstart senkrecht auf eigenen Beinen gelandet. Sie gehörte zur privat entwickelten...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Apple nimmt nach EU-Strafe Änderungen im App-Store vor
19.08.2026

500 Millionen Euro Strafe brummte die EU-Kommission Apple 2025 auf. Brüssel will den US-Konzern zu mehr Offenheit beim Vertrieb seiner...