Finanzen

Gegen Libra: Privatbanken fordern digitalen Euro

Der Bundesverband deutscher Banken unterstützt die Einführung eines digitalen Euros. Die Angst, dass die Facebook-Währung Libra den aktuellen Euro verdrängen könnte, ist groß.
13.01.2020 14:30
Lesezeit: 1 min
Gegen Libra: Privatbanken fordern digitalen Euro
Die Privatbanken preschen vor. (Foto: dpa) Foto: Deutsche Bank

Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken (BdB), Andreas Krautscheid, plädiert für die Einführung eines digitalen Euro. “Wir sind überzeugt, dass wir einen digitalen Euro brauchen. Da ist es keine Frage des Ob, sondern des Wie.” Er sei daher sehr froh, dass sich die Zentralbanken darüber Gedanken machten. Europa müsse eigene Lösungen finden, um nicht in Zukunft von anderen abhängig zu sein. “Das ist für uns eine Frage der digitalen Souveränität Europas”, so Krautscheid.

Die Forderung des Verbands geht einher mit dem Plan der EZB-Chefin Christine Lagarde. Ihrer Ansicht nach gebe es den “dringenden Bedarf nach schnelleren und billigeren Zahlungen, insbesondere im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr”. Das Eurosystem und die EZB wollen in diesem Bereich “eine aktive Rolle spielen und nicht nur als Beobachter einer sich verändernden Welt agieren”.

Tatsächlich bereiten weltweit eine Reihe von Zentralbanken die Einführung von digitalen Währungen vor. Dazu zählen die Zentralbanken Schwedens, Chinas und Singapurs.

Gilbert Fridgen, Professor für Wirtschaftsinformatik und Nachhaltiges IT-Management, sagt in einem Interview mit dem inpact mediaverlag: “Ich denke, dass langfristig die Zentralbanken Kryptowährungen emittieren werden und es auch einen digitalen Euro geben wird, getrieben durch die Nachfrage aus der Wirtschaft. Die schwedische Reichsbank – die übrigens 1661 als erste Bank Papiergeld herausgab – testet bereits, ob sie die schwedische Krone als E-Krone emittiert.”

Ein möglicher digitaler Euro wird als Konkurrent zur Digitalwährung Libra angesehen. Der EU zufolge hat die Einführung von Libra ohnehin das Ziel, den Euro als Währung in der Eurozone zu verdrängen - zumindest mittel- und langfristig.

BTC-Echo führt aus: “Die Bestrebungen der EU eine eigene digitale Währung einzuführen werden durch Facebooks geplante Kryptowährung Libra vorangetrieben. Die Finanzminister der Länder befürchten durch Facebooks digitale Währung eine Schwächung der Finanzsouveränität. Daher entwickeln sie derzeit Alternativen, um den Finanzsektor zu stabilisieren.”

Fridgen widerspricht dem: “Das hinter Libra stehende Industriekonsortium geht in der Tat in ein Metier, in dem üblicherweise Zentralbanken als demokratisch legitimierte Institutionen agieren. Ich glaube allerdings nicht, dass es das Hauptziel ist, massenhaft Leute aus dem Euro in die Libra zu locken und es als dominierendes Zahlungsmittel aufzubauen. Eher versucht dieses Konsortium wohl, mit Währungs- und Bankthemen die sogenannten „unbanked“ zu erreichen – auch in Konkurrenz zu den chinesischen Angeboten WeChat Pay und Alipay.”

Ob es am Ende zur Einführung eines digitalen Euros kommt, bleibt unklar. Doch die Stimmen, die sich für einen digitalen Euro aussprechen, werden lauter.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Misstrauensvotum in Rumänien: Prowestliche Regierung stürzt
05.05.2026

Rumäniens Regierung ist nach einem überraschenden Bündnis aus Rechtsextremen und Sozialdemokraten gestürzt. Hinter dem Misstrauensvotum...

DWN
Politik
Politik Trump erhöht Druck auf Grönland: US-Experte warnt vor Folgen für Europa
05.05.2026

Trump verschiebt die geopolitischen Machtlinien der USA und verbindet den Zugriff auf Grönland mit Energiefragen und Zugeständnissen an...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Teilkrankschreibung gegen hohe Fehlzeiten: Ist die Regelung sinnvoll?
05.05.2026

Krank, aber nicht ganz arbeitsunfähig – das soll künftig möglich sein: Im Zuge der neuen Gesundheitsreform hat die Bundesregierung die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Stromnetz im Kostencheck: Welche Technologien langfristig überzeugen
05.05.2026

Europas Stromversorgung steht vor einer neuen Kostenlogik, in der erneuerbare Energien, Speichertechnologien und verlässliche Grundlast...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie steigt trotz schwachem Quartal
05.05.2026

Die Zahlen fallen schwächer aus als erwartet, doch die Aktie reagiert überraschend robust. Statt Abverkauf setzt Rheinmetall auf eine...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Unicredit greift Commerzbank an: Übernahme rückt näher
05.05.2026

Unicredit macht Ernst und treibt die Übernahme der Commerzbank mit Tempo voran. Doch Widerstand aus Berlin und Frankfurt könnte den Deal...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Biontech-Aktie: 1.860 Stellen in Gefahr
05.05.2026

Biontech zieht die Notbremse und fährt Kapazitäten drastisch herunter. Der Sparkurs trifft Standorte weltweit – und bringt Tausende...

DWN
Politik
Politik Olena Zelenska über den Krieg: Was die Ukraine heute zusammenhält
05.05.2026

Olena Zelenska steht im Ukraine-Krieg für eine Form von Widerstand, die weit über Politik hinausreicht und psychische Gesundheit,...