USA schaffen Kredit-Vehikel, um Chinas finanzielle Dominanz in Asien zu brechen

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 3 min
18.01.2020 12:28
Die rege Finanzierungstätigkeit der Chinesen wird in Washington mit Sorge beobachtet. Nun soll ein neues Kreditvehikel Staaten weltweit, besonders aber in Asien, eine Alternative bieten.
USA schaffen Kredit-Vehikel, um Chinas finanzielle Dominanz in Asien zu brechen
Eine Zeichnung von US-Präsident Donald Trump in einer taiwanesischen Zeitung. (Foto: dpa)
Foto: Ritchie B. Tongo

Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die US-Regierung hat ein neues Kreditvehikel geschaffen, um mit den dominanten Chinesen bei der Vergabe von Krediten und Finanzierungen für Infrastrukturprojekte in Ostasien zu konkurrieren. Wie die South China Morning Post berichtet, verfügt die sogenannte United States International Development Finance Corporation (DFC) über Finanzmittel in Höhe von 60 Milliarden Dollar, welche Ende Dezember 2019 vom Kongress zur Vergabe freigegeben wurden.

Der Vorstandsvorsitzende des Vehikels, Adam Boehler, tourt derzeit durch Japan, die Philippinen und Indonesien und wird von der South China Morning Post folgendermaßen zitiert: „Wir wollten sowieso in die Indo-Pazifik-Region kommen, weil die Region kritisch wichtig für die Vereinigten Staaten und kritisch wichtig aus einer Investitionsperspektive sind. An uns wurden regelmäßig Anfragen gestellt und es zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Treffen, dass die Leute sagen ‚Hey, ich hätte vielleicht Geld genommen – ob nun aus China oder woanders her und ob es dabei eventuell Risiken gegeben hätte oder nicht – aber wir haben hier keine Alternativen‘. Und deshalb ist es keine Frage, dass die DFC eine starke Alternative für Staaten darstellen sollte.“

Den Hintergrund für die Etablierung des DFC-Fonds stellt das Unbehagen der US-Regierung hinsichtlich des wachsenden wirtschaftlichen Einflusses Chinas weltweit – insbesondere aber auch in Ostasien dar. Im Zuge des 2013 lancierten Infrastrukturprojektes der Neuen Seidenstraße („Ein Gürtel, eine Straße“) hatten chinesische Banken und Finanzvehikel in der Vergangenheit bereits umgerechnet hunderte Milliarden Dollar in Infrastrukturprojekte auf der ganzen Welt investiert.

Wichtige Institutionen in diesem Zusammenhang stellen die 2015 unter Chinas Führung gegründete Asian Infrastructure and Investment Bank (AIIB) dar, ebenso wie die 2014 von den BRICS-Staaten geründete New Development Bank – nicht zu verwechseln mit der unter japanischem und US-amerikanischem Einfluss stehenden Asian Development Bank. Zudem trat die Export-Import Bank of China in den vergangenen Jahren als Großinvestor in Afrika in Erscheinung.

Weil mit der Annahme umfangreicher Kredite in der Regel auch die politische Abhängigkeit vom Geldgeber wächst, fürchten die US-Strategen, dass Peking seinen Einfluss in seinen Hinterhöfen Südostasien und Zentralasien sowie vor seiner Haustüre im maritimen Ostasien (Japan, Taiwan, Südkorea, Philippinen, Indonesien und Malaysia) weiter ausweiten wird. Eine Folge der Beschäftigung mit der chinesischen Finanz-Expansion war nicht zuletzt auch die Prägung des Begriffes „Debt Trap“ (Schuldenfalle) mit Blick auf die bilateralen Beziehungen zwischen China und anderen Staaten, welche die angelsächsische Presse schnell aufnahm und verbreitete.

Im Falle der DFC weisen die Verantwortlichen ganz offen auf die geopolitische Funktion der neu gegründeten Organisation hin. CEO Boehler zufolge ist die DFC Teil der „Indo-Pazifischen Strategie“ von US-Präsident Trump. Diese beinhaltet neben der Finanzierungsoffensive durch die DFC auch noch militärische Aspekte – etwa den Aufbau einer Spezialeinheit im Pazifik, um einen möglichen Krieg gegen China zu koordinieren.

Wie dringlich die Angelegenheit offenbar ist, deutet sich in dem zügigen Tempo an, mit dem die DFC gegründet und betriebsbereit gemacht wurde: Die Basis stellte eine parteiübergreifende Initiative der Republikaner und Demokraten aus dem Oktober 2019 dar. Dann wurden die beiden Organisationen „Overseas Private Investment Corporation“ und ein Zweig der „US Agency for International Development’s Development Credit Authority“ miteinander verschmolzen, ehe der Kongress noch Ende Dezember die Finanzmittel für die Neugründung freigab.

Beobachter erwarten aber nicht, dass die USA das Feld mit der DFC neu aufrollen können – dafür seien die Chinesen schon zu weit vorangeschritten und die Mittel von 60 Milliarden Dollar seien angesichts der immensen Nachfrage zu gering – die Asian Develpoment Bank schätzte beispielsweise 2017, dass die Staaten Ostasiens in den 2020er Jahren jährlich rund 1,7 Billionen Dollar an Infrastrukturinvestitionen bräuchten. Es werde aber künftig durchaus eine größere Auswahl bei der Finanzierung von Projekten geben.

„Ich rechne damit, dass die meisten Länder ‚ja bitte‘ zur Neuen Seidenstraße, ‚ja bitte‘ zur AIIB und ‚ja bitte‘ zur DFC sagen werden. Wenn überhaupt, werden diese drei Initiativen von den Empfängerländern als komplementär und nicht als konkurrierend wahrgenommen werden“, sagt ein Analyst des Washingtoner Thinktanks Centre for Global Development.

Einem Analysten des ISEAS-Yusof Ishak Institute in Singapur zufolge dürfte die DFC in ihrer Rolle als Alternative zur Neuen Seidenstraße wohlwollend in Asien aufgenommen werden. Doch es gebe quantitative Grenzen: „Weil die DFC ein weltweites Mandat hat, glaube ich nicht, dass sie einen signifikanten geopolitischen Effekt in Ostasien haben wird.“

Ein von der South China Morning Post befragter Analyst der Royal Academy of Cambodia rechnet damit, dass die DFC in Staaten, welche seit Längerem an Chinas Neuer Seidenstraße mitarbeiten, nur wenig wird ausrichten können. Ein gutes Beispiel sei Pekings Verbündeter Kambodscha selbst: Das Land sei von den vergangenen US-Regierungen geopolitisch kaum beachtet worden und habe in den vergangenen Jahren Milliarden aus China erhalten. Erst als die Chinesen mit den Kambodschanern den Bau eines – wahrscheinlich zu militärischen Zwecken geplanten – Tiefseehafens aushandelten, schreckten die Amerikaner auf, doch nun sei es zu spät. Nichtsdestotrotz seien die Kredite aus China mit Vorsicht zu genießen. „Während Kambodscha weiterhin die Seidenstraßen-Initiative enthusiastisch unterstützt und weiterhin Kredite und Darlehen erhält, wird seine Außenpolitik unterminiert und im Sinne der breiteren Interessen Chinas formuliert werden“, so der Analyst.



DWN
Politik
Politik DWN EXKLUSIV: Syrien-Offensive: Nato unterstützt die Türkei über Twitter, aber das war’s auch schon

Die Nato hat sich mit einem Twitter-Video angesichts der türkischen Offensive in Syrien mit der Türkei solidarisiert. Mehr Unterstützung...

DWN
Technologie
Technologie IOTA - die Währung der Maschinen wird zum Angriffsziel von Hackern

Die Kryptowährung IOTA, die das selbständige Bezahlen zwischen vernetzten Geräten und Maschinen ermöglichen soll, ist zum Angriffsziel...

DWN
Finanzen
Finanzen Argentinien stolpert von Bankrott zu Bankrott: Ein Lehrstück für die verheerende Politik des IWF

Die Dauerkrise in Argentinien kann als Paradebeispiel der neoliberalen und oftmals kontraproduktiven Interventionen des Internationalen...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Manipulieren die USA und Saudi-Arabien den Ölpreis, um den Iran in den Bankrott zu treiben?

In den USA wird darüber spekuliert, ob man den Ölpreis so weit drücken kann, dass das Regime im Iran an den fehlenden Einnahmen...

DWN
Politik
Politik Schwere Gefechte in Lugansk: Der Konflikt in der Ostukraine flammt wieder auf

In den vergangenen Tagen ist es im Osten der Ukraine zwischen der ukrainischen Armee und von Russland gesteuerten Truppen erneut zu...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Diamanten-Geschäft bricht weltweit ein

Das weltweite Diamanten-Geschäft befindet sich in einer äußerst schwierigen Phase: So ist der der Umsatz des größten russischen...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Wintershall und Gazprom beginnen mit Gasförderung in der Nordsee

Ein Joint Venture aus Wintershall und Gazprom hat damit begonnen, in der südlichen Nordsee Erdgas zu fördern.

DWN
Finanzen
Finanzen Apple war erst der Anfang: In den globalen Lieferketten bricht Chaos aus

Die wegen des Coronavirus veröffentlichte Gewinnwarnung Apples dürfte nur die Spitze des Eisberges sein. In den mit China verbundenen...

DWN
Politik
Politik Türkischer Admiral plädiert für Verständigung zwischen Russland und Türkei

Ein türkischer Admiral spricht sich für die Aufrechterhaltung der Beziehungen zwischen der Türkei und Russland aus. Durch die aktuellen...

DWN
Finanzen
Finanzen Daimler stellt überraschend Konzern-Leitung um: Källenius kontrolliert Pkw-Sparte künftig direkt

Bei Daimler hat es einen überraschenden Umbau der Konzernleitung gegeben. CEO Källenius baut seinen Einfluss auf die Sparten Pkw und Vans...

DWN
Politik
Politik „Weder rechts noch links“: Ein Mitglied des inneren Zirkels der Gelbwesten berichtet

Im November 2018 waren sie zum ersten Mal bei einer großen Demonstration in Frankreich zu sehen: Die Gelbwesten. Seitdem sind sie bei...

DWN
Deutschland
Deutschland Zehn Menschen ermordet: Hanau wird von beispiellosem Anschlag erschüttert

Im hessischen Hanau sind im Zuge einer der schwersten Gewalttaten der vergangenen Jahre in Deutschland bei Angriffen auf zwei Schischa-Bars...

DWN
Finanzen
Finanzen IWF fordert Schuldenschnitt in Argentinien, deutsche Großinvestoren betroffen

Der IWF setzt seine verheerenden Interventionen in Schuldenstaaten fort. Nachdem erst 2018 rund 50 Milliarden an Krediten für Argentinien...

DWN
Finanzen
Finanzen Solarbranche in der Flaute: Wacker Chemie muss mehr als tausend Stellen streichen

Das Chemieunternehmen Wacker muss mehr als 1000 Arbeitsplätze streichen. Grund dafür ist die Krise der deutschen Solarbranche, welche...

celtra_fin_Interscroller