Politik

Trump steht im Iran-Krieg unter Druck: Warum ein Rückzug kaum möglich ist

Der Iran-Krieg entwickelt sich für Donald Trump zunehmend zu einem strategischen Risiko mit globalen wirtschaftlichen Folgen. Kann Washington den Konflikt beenden, ohne die Kontrolle über Energiepreise und geopolitische Stabilität zu verlieren?
24.03.2026 12:10
Lesezeit: 5 min

Trumps strategisches Dilemma im Iran-Krieg

Wer etwas zerstört, muss am Ende auch dafür geradestehen. Dieser Grundsatz gehört seit Jahrzehnten zum festen Bestand amerikanischer Außenpolitik und bringt Präsident Donald Trump nun in ein Dilemma, das weit über den Nahen Osten hinausreicht.

Äußerungen des US-Präsidenten sollte man bekanntlich nur selten wörtlich nehmen. Gleichwohl muss man ihnen Beachtung schenken, weil Trump über eine außergewöhnlich weitreichende politische Macht verfügt.

Wenn Trump zum Krieg gegen den Iran sagt, die USA könnten ihn bald beenden, dann mag das zutreffen. „Wir sind noch nicht bereit, jetzt auszusteigen. Aber wir werden in naher Zukunft aufhören“, sagte er am Dienstag vor Journalisten.

Die Last der eigenen Eskalation

Dabei blendet Trump ein außenpolitisches Prinzip aus, das in Washington seit langem als Mahnung für militärische Interventionen gilt. Gemeint ist die sogenannte Pottery-Barn-Regel, wonach derjenige, der etwas zerstört, auch die Verantwortung dafür übernehmen muss.

Der Ursprung dieser Formel wird dem früheren US-Außenminister Colin Powell zugeschrieben. Er soll Präsident George W. Bush im Jahr 2002 mit genau diesem Gedanken vor einem Einmarsch in den Irak und dem Sturz Saddam Husseins gewarnt haben.

Ob die amerikanische Einrichtungskette Pottery Barn eine solche Regel jemals tatsächlich vertreten hat, ist in diesem Zusammenhang unerheblich. Entscheidend ist allein der politische Kern der Aussage, und genau dieser trifft Trumps Lage im Iran-Krieg mit voller Wucht.

Mit dem Angriff der USA und Israels auf den Iran am 28. Februar wurde die ohnehin fragile Stabilität in der Region erschüttert. Damit tragen Washington und seine Verbündeten nun auch die politische Verantwortung für eine Energiekrise, die sich zur schwersten seit vielen Jahrzehnten auswachsen könnte.

Europa hält sich bewusst zurück

Gerade deshalb wirkt es aus politischer Sicht folgerichtig, dass die EU und andere Staaten keine Truppen in den Nahen Osten entsenden wollen. Sie wurden vor dem Angriff nicht konsultiert, das Ziel des Krieges blieb unklar, und um eine Nato-Mission handelt es sich ebenfalls nicht.

Hinzu kommt, dass europäische Waffenhilfe den Konflikt nur weiter verschärfen würde. Der Iran hat über viele Jahre gezeigt, dass das Land in der Lage ist, seine Gegner mit hybriden Methoden unter Druck zu setzen, und viele europäische Regierungen dürften diesen Krieg für strategisch unzureichend durchdacht halten.

Sollte Trump die Luftangriffe in naher Zukunft einstellen, wird er das erwartungsgemäß als Erfolg darstellen. Doch eine solche Lesart hätte mit der realen Machtlage in der Region nur wenig zu tun.

Aus Sicht eines großen Teils der Welt entscheidet sich der Ausgang dieses Krieges an der Straße von Hormus. Solange das iranische Regime nicht gestürzt oder seine militärischen Fähigkeiten vollständig ausgeschaltet werden, bleibt der Iran dort der eigentliche strategische Gewinner.

Hormus bleibt der entscheidende Hebel

Dabei geht es nicht nur um Raketen und Drohnen. Entscheidend sind auch asymmetrische Mittel wie mit Sprengstoff beladene Jetskis, die von versteckten Punkten an der rund 1800 Kilometer langen Küste aus gegen Öltanker eingesetzt werden könnten.

Gerade in einem theokratisch geprägten Staat, in dem die Bereitschaft, für das eigene Land zu sterben, politisch hoch bewertet wird, erscheint eine vollständige Ausschaltung solcher Fähigkeiten nahezu unmöglich. Das Regime in Teheran weiß sehr genau, wie wirksam dieses Druckmittel ist.

Eine Sperrung oder dauerhafte Bedrohung der Passage durch die Straße von Hormus würde nicht nur die Golfregion treffen. Sie würde die Weltwirtschaft in einer Phase erschüttern, in der die internationale Ordnung ohnehin bereits unter massivem Druck steht. Der Iran nähme damit faktisch die globale Wirtschaft als Geisel.

Ray Dalio, Gründer und Chef von Bridgewater Associates, formulierte es auf LinkedIn entsprechend scharf. Wenn die Straße von Hormus dem Iran als Waffe überlassen werde, um amerikanische Verbündete am Golf und die Weltwirtschaft insgesamt zu bedrohen, würden am Ende alle zu Geiseln Teherans.

Die Angst vor einer unvollendeten Kriegsführung

Dalio warnt zudem, Trump würde in einem solchen Szenario als Präsident erscheinen, der nicht in der Lage ist, den Konflikt zu Ende zu führen. Die USA würden ihren Verbündeten in der Region ein gewaltiges Problem hinterlassen und zugleich massiv an Glaubwürdigkeit verlieren.

In den Golfstaaten wird diese Einschätzung offenbar geteilt. Dort wächst der Druck auf Washington, den Krieg nicht halbherzig zu führen, weil ein vorzeitiger Stopp dem Iran die Möglichkeit gäbe, den gesamten regionalen Machtkampf als eigenen Erfolg darzustellen.

Der Professor Muhanad Seloom vom Doha Institute for Graduate Studies sagte dem Wall Street Journal, die USA müssten die Sache zu Ende bringen. Wenn der Krieg jetzt ende und der Iran den Eindruck eines Sieges erwecke, werde Teheran künftig jedes Mal die Golfstaaten treffen, sobald das Regime unter Druck gerate, weil sich genau diese Methode dann als wirksam erwiesen hätte.

Ähnlich äußerte sich Sultan Al Jaber, Minister für Industrie und Hochtechnologie der Vereinigten Arabischen Emirate. Wenn der Iran die Straße von Hormus als Geisel nehme, führe das Land einen globalen Wirtschaftskrieg, dessen Folgen von höherer Inflation bis zu steigenden Lebensmittelkosten in den Haushalten reichen würden.

Ölpreis und Konjunktur unter Druck

Vor diesem Hintergrund kommt Dalio zu dem Schluss, dass der Krieg nur mit einem endgültigen Schlag enden könne. Er glaubt offenkundig nicht daran, dass sich die Konfliktparteien noch auf eine tragfähige politische Lösung verständigen werden, weil Vereinbarungen in dieser Lage aus seiner Sicht keinen verlässlichen Wert mehr haben.

In seiner Lesart steht der gefährlichste Teil der Auseinandersetzung deshalb erst noch bevor. Er spricht von einem Schlag, der unmissverständlich zeigen würde, welche Seite gewonnen und welche die Kontrolle verloren hat, und hält ein sehr großes militärisches Eskalationsszenario für wahrscheinlich.

Dahinter steht auch ein grundlegender Unterschied zwischen beiden Seiten. Amerikanische Politiker denken an Benzinpreise und Zwischenwahlen, während das Regime in Teheran einen existenziellen Krieg führt, in dem Leidensfähigkeit und Opferbereitschaft politisch womöglich schwerer wiegen als die Fähigkeit, dem Gegner maximalen Schaden zuzufügen.

Die wirtschaftlichen Folgen könnten dramatisch ausfallen. Denkbar wären deutlich höhere Ölpreise und in der Folge eine Phase globaler Stagflation oder sogar eine Rezession. Die Internationale Energieagentur in Paris erwartet zwar eine Normalisierung der Versorgung im Verlauf des März und danach sinkende Ölpreise, doch nicht alle Beobachter teilen diesen Optimismus.

Skepsis an den Märkten wächst

Zu den Skeptikern gehört der Ökonom, Autor und Herausgeber des Substack-Newsletters The Overshoot, Matthew Klein. Er weist darauf hin, dass der Rohölpreis trotz des Ausfalls von rund 40 Prozent der weltweiten Exportmenge erstaunlich niedrig geblieben ist.

Nach seiner Rechnung entsprechen die derzeit rund 103 Dollar je Barrel in etwa dem inflations- und produktivitätsbereinigten Durchschnitt seit 1988. In einer Lage, in der die weltweite Ölversorgung in beispielloser Weise bedroht ist, könnte der Preisanstieg daher deutlich heftiger ausfallen.

Dann würde auch Trumps Hinweis, der Iran brauche selbst nach einem sofortigen amerikanischen Rückzug zehn Jahre für den Wiederaufbau, an der ökonomischen Sprengkraft des Konflikts nichts ändern. Für die Märkte wäre nicht entscheidend, wie schnell sich das Land erholt, sondern wie lange die Unsicherheit über die Versorgung anhält.

Deutschlands Industrie gerät mit unter Druck

Für Deutschland hätte eine solche Entwicklung erhebliche Folgen. Eine exportorientierte Volkswirtschaft mit hoher industrieller Abhängigkeit von stabilen Energiepreisen würde von einem dauerhaften Ölpreisschock besonders hart getroffen.

Steigende Kosten für Energie, Transport und Vorprodukte könnten die ohnehin schwache Konjunktur weiter belasten und den Preisdruck erneut verschärfen. Gerade für Deutschland zeigt sich damit, dass ein Krieg im Nahen Osten längst kein fernes Regionalproblem mehr ist, sondern ein unmittelbares Risiko für Wachstum, Industrie und Wohlstand in Europa.

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