Politik

Sorge um Stabilität: Berlin fordert mehr EU-Hilfe für Syrien

In Deutschland leben auch mehr als ein Jahr nach dem Sturz von Langzeitherrscher Baschar al-Assad noch Hunderttausende Flüchtlinge aus Syrien. Kann mehr EU-Unterstützung ihre Rückkehr ermöglichen?
18.03.2026 10:12
Lesezeit: 1 min

Sorge um Stabilität: Berlin fordert mehr EU-Hilfe für Syrien

Deutschland dringt in der EU auf einen schnelleren Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen zum früheren Bürgerkriegsland Syrien. In einem an die Europäische Kommission und den Auswärtigen Dienst adressierten Positionspapier spricht sich die Bundesregierung dafür aus, mit der Europäischen Investitionsbank Gespräche über eine Rückkehr in das Land zu beginnen und Handelserleichterungen für die syrische Landwirtschaft und Textilbranche zu prüfen. Langfristig könnte auch ein umfassendes Partnerschaftsabkommen zwischen der EU und Syrien vorbereitet werden, heißt es in dem Papier, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Der Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen soll den Wiederaufbau des vom Bürgerkrieg zerstörten Landes unterstützen und damit die Zukunftsperspektiven für die Bürgerinnen und Bürger verbessern. Während des Konflikts und der Herrschaft von Baschar al-Assad waren mehrere Millionen Menschen aus ihr Heimat geflüchtet. Viele von ihnen leben bis heute in Deutschland oder anderen EU-Staaten.

Jeder vierte Syrer muss in extremer Armut leben

Ein Grund dafür ist, dass die wirtschaftliche Lage in Syrien auch nach dem Sturz von Assad und der Aufhebung von EU-Sanktionen noch düster ist. So wird in dem Positionspapier auf eine Analyse der Weltbank verwiesen, nach der das Pro-Kopf-Einkommen in Syrien zuletzt deutlich unter die internationale Schwelle für Länder mit niedrigem Einkommen fiel. Extreme Armut betrifft demnach jeden vierten Syrer, und insgesamt leben zwei Drittel der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze von Ländern mit niedrigem mittlerem Einkommen.

Eine Sorge ist laut dem Papier, dass mangelnde Entwicklungsperspektiven auch den Verlauf des politischen Übergangs und damit die Stabilität des Landes insgesamt gefährden könnten. Daraus folge, dass die Politik der EU der Unterstützung wirtschaftlicher Erholung und des Wiederaufbaus besonderes Gewicht beimessen müsse, heißt es. Die Kosten für den Wiederaufbau werden unter Berufung auf die Weltbank mit mindestens 216 Milliarden US-Dollar (187 Milliarden Euro) beziffert.

Das Positionspapier wird nach Angaben von Diplomaten auch von mehreren anderen EU-Staaten unterstützt. Darunter seien etwa Frankreich, Italien, Schweden und Österreich, hieß es.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Die Ökonomie der App-Stores: Welche Branchen das größte Wachstum im mobilen Sektor verzeichnen

Das rasante Wachstum mobiler Apps ist eines der prägenden Merkmale der heutigen digitalen Wirtschaft. Menschen kaufen darüber ein,...

DWN
Politik
Politik Russische Atomtechnik in Deutschland: Was hinter der umstrittenen Kooperation in Lingen steckt
25.07.2026

Die Genehmigung für eine Brennelementefertigung mit russischer Technologie in Niedersachsen wirft weitreichende Fragen auf. Während...

DWN
Finanzen
Finanzen KI und Geldpolitik: Warum die Fed vor einem Zinsdilemma steht
25.07.2026

Künstliche Intelligenz soll die Produktivität steigern und die Inflation bremsen. Doch ausgerechnet der milliardenschwere KI-Boom könnte...

DWN
Politik
Politik Milliardäre besteuern: Die Buchwert-Falle
25.07.2026

Berlin streitet über das Erbe und das Geld der Reichsten. Doch die vermeintliche Lösung des Fiskus entpuppt sich als Sprengsatz für die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Renault Clio im Test: Fast nicht wiederzuerkennen, aber deutlich teurer
25.07.2026

Der neue Clio ist größer, eleganter, technologisch fortschrittlicher und auch teurer als früher. In der bestausgestatteten Version...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Dieselknappheit: Der Welt geht der Treibstoff aus
25.07.2026

Nicht nur Rohöl wird zum geopolitischen Druckmittel. Zerstörte Raffinerien, leere Lager und neue Drohungen der Huthi gefährden zunehmend...

DWN
Finanzen
Finanzen Kreditkarten vor dem Aus: Mastercard plant den radikalen Umbau
25.07.2026

Kreditkartennummern könnten beim Onlinekauf schon bald der Vergangenheit angehören. Mastercard will Europas digitale Zahlungen bis 2030...

DWN
Panorama
Panorama Sinkende Geburtenrate: Wie Smartphones die Menschheit schrumpfen lassen
25.07.2026

Je stärker sich Smartphones verbreiten, desto weniger Kinder werden geboren. Eine neue Untersuchung zeigt, wie digitale Kontakte...

DWN
Immobilien
Immobilien Neues Heizungsgesetz: Was das Gebäudemodernisierungsgesetz für Eigentümer und Mieter bedeutet
25.07.2026

Die Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz hat eines der umstrittensten Gesetzesvorhaben der jüngeren deutschen Geschichte...