Politik

Pentagon veröffentlicht neues Strategiepapier zur Eindämmung Russlands auf Europas Energiemarkt

Aus einem Strategiepapier der Pentagon-Denkfabrik Rand geht hervor, wie Russlands Rolle auf dem europäischen Energiemarkt zurückgedrängt werden soll.
16.01.2020 12:42
Aktualisiert: 16.01.2020 12:42
Lesezeit: 2 min
Pentagon veröffentlicht neues Strategiepapier zur Eindämmung Russlands auf Europas Energiemarkt
Russlands Präsident Wladimir Putin setzt seine Unterschrift auf eine Pipeline. (Foto: dpa) Foto: Alexey Druzhinyn

Aus einem Papier der US-Denkfabrik Rand Corporation, die dem US-Verteidigungsministerium nahe steht, geht hervor, wie der russische Einfluss auf in Europa nachhaltig eingedämmt werden kann. Das Papier stützt sich auf quantitative und qualitative Daten aus westlichen und russischen Quellen und untersucht die wirtschaftlichen, politischen und militärischen Schwachstellen und Ängste Russlands. Wie in der Nationalen Verteidigungsstrategie von 2018 anerkannt, stehen die USA derzeit in einem Wettbewerb der Großmächte mit Russland.

Russlands größte Anfälligkeit im Wettbewerb mit den USA ist seine Wirtschaft, die vergleichsweise klein und in hohem Maße von Energieexporten abhängig ist, so die Rand Corporation. Tatsächlich finanziert sich der russische Haushalt maßgeblich durch die Einnahmen aus dem Export von Öl und Gas. “Fördersteuern und Exportzölle auf Öl und Gas machten seit Mitte der 2000er Jahre in Russland rund die Hälfte der föderalen und etwa ein Viertel der gesamten Steuereinnahmen aus”, so die Stiftung Wissenschaft und Politik.

Daraus folgt, dass die politische Stabilität Russlands direkt mit den Einnahmen aus dem Energiesektor und der Entwicklung der Ölpreise zusammenhängt. Die Gaspreise sind gekoppelt an die Ölpreise. Allerdings ist davon auszugehen, dass die Ölpreise in den kommenden Jahren aufgrund der Spannungen im Nahen Osten, entlang der Seewege und in anderen Energieregionen eher steigen werden - zumindest tendenziell.

Der Rand Corporation zufolge sollen die USA ihre Energieerzeugung - aber auch Investitionen in erneuerbare Energien - erhöhen, um Russlands Einfluss auf dem weltweiten Energiemarkt zu verringern. Die US-Denkfabrik wörtlich: “Ein kontinuierlicher Ausbau der US-amerikanischen Energieerzeugung in allen Formen, einschließlich erneuerbarer Energien, und die Ermunterung anderer Länder, dasselbe zu tun, würde den Druck auf die Exporteinnahmen Russlands und damit auf die Staats- und Verteidigungshaushalte maximieren.”

Aber auch Sanktionen können das wirtschaftliche Potenzial Russlands einschränken. Doch die Europäische Union müsse als wichtigster Energiekunde Russlands immer einbezogen werden. “Um effektiv zu sein, müssen diese jedoch multilateral sein und zumindest die Europäische Union einbeziehen, die Russlands größter Kunde und größte Quelle für Technologie und Kapital ist und in all diesen Belangen größer ist als die USA”, so die Rand Corporation. Die Verbesserung der Fähigkeit Europas, Gas von anderen Lieferanten als Russland zu importieren, sei eine dritte, längerfristige und teurere Maßnahme. Offenbar geht es hier um das Anliegen, die USA als LNG-Lieferanten auf dem europäischen Markt zu etablieren. Dieses Anliegen wird insbesondere von Polen und den baltischen Staaten unterstützt.

All diese Maßnahmen würden zu einer Belastung des russischen Staatshaushalts und der Verteidigungsausgaben führen. “Russland benötigt Ölexporteinnahmen, um seine Regierungsoperationen aufrechtzuerhalten, einschließlich militärischer Aktivitäten im Ausland und der Bereitstellung von Sozialdienstleistungen und Renten im Inland. Die Begrenzung der Öleinnahmen wird Russland dazu veranlassen, schwierige Entscheidungen zu treffen, die über die bisherigen hinausgehen”, führt die Rand Corporation aus.

Die weltweiten Ölpreise würden zwar außerhalb der Kontrolle eines einzelnen Landes liegen, doch die USA hätten Möglichkeiten, einen Einfluss auf die Entwicklung der Ölpreise auszuüben. Die USA könnten Maßnahmen ergreifen, “um das Weltangebot zu erweitern und damit die Weltmarktpreise zu drücken, wodurch die russischen Einnahmen begrenzt werden.”

Ob die USA Russlands Rolle als wichtigsten Energielieferanten Europas nachhaltig beschädigen werden, bleibt ungeklärt. Wahrscheinlicher ist, dass sich die USA und Russland in einem Umfeld steigender Öl- und Gaspreise den europäischen Markt untereinander aufteilen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Cum-Ex-Skandal: Kronzeuge Steck im DWN-Interview – der Betrug, den Politik und Banken gemeinsam möglich machten
17.03.2026

Zehn Milliarden Euro Schaden, tausende Beschuldigte – und bis heute keine politische Verantwortung. Der Cum-Ex-Kronzeuge und Autor Dr....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Straße von Hormus im Krisenmodus: Globale Lieferketten geraten unter Druck
17.03.2026

Die faktische Blockade der Straße von Hormus bringt zentrale Handelsströme ins Stocken und treibt Energie- sowie Transportkosten weltweit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Entwurf zur EnWG-Reform bringt Reiche unter Druck – was das Netzpaket-Aus konkret bedeutet
17.03.2026

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche plant, den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien mit neuen Bedingungen zu versehen. Sie...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ende der Zitterpartie: EU und USA einigen sich auf neuen Zoll-Pakt
17.03.2026

Hinter den Kulissen von Brüssel und Washington wurde lange gepokert, doch jetzt steht der Kurs fest: Die EU-Parlamentspräsidentin Roberta...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Lichtblick am Ende des Tunnels: Autoindustrie nimmt 2026 wieder Fahrt auf
17.03.2026

Die Schockwellen der ersten Gewinnwarnungen verrauchen langsam. Dank eines starken Schlussspurts der Audi-Gruppe zeigt das Barometer für...

DWN
Politik
Politik Sondervermögen Schulden: Milliarden werden zur Stopfung von Haushaltslöchern missbraucht
17.03.2026

Etikettenschwindel bei den Staatsfinanzen? Das Münchner Ifo-Institut wirft der Bundesregierung vor, neue Milliardenschulden massiv...

DWN
Politik
Politik Nach Iran und Venezuela: Trump erhöht massiv den Druck auf Kuba
17.03.2026

US-Präsident Donald Trump nimmt nach Teheran und Caracas nun offenbar das nächste Ziel in den Fokus: Kuba. Mit einer offen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Brennende Tanker, blockierte Routen: Wie gelangt das Golf-Öl jetzt noch zum Kunden?
17.03.2026

Die Schlagader der Weltwirtschaft ist fast zum Erliegen gekommen: Seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs wagen nur noch wenige Schiffe die...