Politik

Geheimdienst-Gipfel in Moskau: Kommt jetzt das Bündnis zwischen Erdogan und Assad?

In Moskau fand ein türkisch-syrischer Geheimdienst-Gipfel statt. Offenbar bahnt sich eine enge Kooperation zwischen der Türkei und Syrien an, um die Lage in Idlib zu befrieden, aber auch die Kurden-Miliz YPG im Osten des Landes zu verdrängen.
17.01.2020 11:49
Aktualisiert: 17.01.2020 11:49
Lesezeit: 2 min
Geheimdienst-Gipfel in Moskau: Kommt jetzt das Bündnis zwischen Erdogan und Assad?
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan und sein syrischer Amtskollege Baschar al-Assad. (Foto: dpa) Foto: Sana

Die türkischen und syrischen Geheimdienstchefs haben sich in der vergangenen Woche in Moskau getroffen. Das bestätigten die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana und türkische Regierungsbeamte. Das Treffen, das vom russischen Präsidenten Wladimir Putin in die Wege geleitet wurde, erfolgte trotz der Differenzen, die Ankara und Damaskus seit Beginn des Syrien-Stellvertreterkriegs im Jahr 2011 haben. Zuvor hatte es zwar geheimdienstliche Kontakte gegeben, jedoch kein offizielles Geheimdienst-Treffen.

Der türkische Geheimdienstchef Hakan Fidan und sein syrischer Amtskollege Ali Mamluk diskutierten den Waffenstillstand in der syrischen Idlib und eine mögliche Koordinierung gegen die kurdische Präsenz in Nordsyrien aus.

Die Diskussionen beinhalteten “die Möglichkeit einer Zusammenarbeit gegen die YPG, die syrische Komponente der Terrororganisation PKK im Osten des Euphrats ist”, sagte ein türkischer Beamter dem englischsprachigen Dienst von Reuters unter der Bedingung der Anonymität. Die Nachrichtenagentur Sana teilte mit, der syrische Geheimdienstchef habe die Türkei aufgefordert, die Souveränität Syriens und seine Unabhängigkeit und territoriale Integrität anzuerkennen.

Im vergangenen Jahr einigten sich Moskau und Ankara darauf, die YPG-Kämpfer entlang der türkisch-syrischen Grenze zu verdrängen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte zuvor betont, dass die Türkei im Nordosten Syriens Terrorgruppen, die die territoriale Integrität der Türkei in Frage stellen und attackieren, bekämpfen werde. Darüber hinaus respektiere Ankara die territoriale Integrität Syriens ohne Einschränkungen. Er teilte mit, dass die Türkei das sogenannte Adana-Abkommen von 1998 respektiere. “Syrien wird auf der Grundlage des Grundsatzes der Gegenseitigkeit keine Aktivitäten zulassen, die von seinem Hoheitsgebiet ausgehen und die Sicherheit und Stabilität der Türkei gefährden. Syrien wird die Lieferung von Waffen, Logistikmaterial, finanzieller Unterstützung und Propaganda-Aktivitäten der PKK in ihrem Hoheitsgebiet nicht zulassen “, heißt es in dem ersten Grundsatz des Abkommens von Adana. Das Abkommen sieht auch eine enge Sicherheitskoordination zwischen Damaskus und Ankara in dieser Frage vor, darunter “eine direkte Telefonverbindung zwischen den hochrangigen Sicherheitsbehörden der beiden Länder”.

Der Geheimdienst-Gipfel in Moskau ist im Zusammenhang mit dem Adana-Abkommen zu bewerten. Offenbar möchten Damaskus und Ankara den Einfluss der YPG im Osten Syriens zurückdrängen. Am 5. Dezember 2019 war Mamluk nach Qamischli geflogen, um sich dort mit arabischen Clan-Chefs zu treffen. Nach Informationen der türkischsprachige Dienst der BBC und kurdischer Quellen soll Mamluk die Clan-Chefs dazu gedrängt haben, arabische Kämpfer in den Reihen der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), die von der YPG dominiert und von den USA unterstützt wird, zurückzurufen. Das Treffen zwischen Mamluk und 20 Clan-Chefs soll auf dem Flughafen von Qamischli stattgefunden haben. Der syrische Geheimdienstchef forderte die Clan-Chefs auf, ihre Kämpfer der Syrischen Arabischen Armee (SAA) zur Verfügung zu stellen.

Politische Kontakte zwischen der Türkei und Syrien gibt es bereits seit mehreren Jahren. Der Vorsitzende der türkischen Heimatpartei (VT), Doğu Perinçek, hatte im November 2018 bekannt gegeben, dass es mehrere Treffen zwischen Regierungsmitgliedern Syriens und der Türkei in Teheran gegeben hat. “Zwischen der Türkei und Syrien hat es sechs Treffen in Teheran gegeben. Diese Treffen fanden in jüngster Zeit statt. Sie erfolgten unter der Teilnahme von Regierungsmitgliedern aus der Türkei und Syrien”, zitiert Demokrat Haber den VP-Chef.

Den Anstoß für die direkten Gespräche zwischen Ankara und Damaskus soll die Türkei gegeben haben. Perinçek wörtlich: “Das wichtigste Detail ist jedoch, dass die Treffen auf Wunsch der Regierung von Tayyip Erdoğan erfolgten. Die Initiative geht zurück auf die türkische Regierung. Das wissen wir aus sicheren Quellen, die keiner widerlegen kann. Denn die Gespräche fanden statt und laufen weiter. Um noch dies zu erwähnen: Auch die Militär (Syriens und der Türkei, Anm. d. Red.) kooperieren. Im Zusammenhang mit den Operationen gibt es einige Absprachen und Kooperationen zwischen der türkischen Armee und der Armee des syrischen Staats.”

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Technologie
Technologie Telekom testet Quantentechnologie: Glasfasernetz in Berlin im Praxiseinsatz
25.04.2026

Ein Berliner Experiment bringt Quanten-Teleportation erstmals über ein Telekom-Glasfasernetz in eine reale Infrastruktur und markiert...

DWN
Politik
Politik Energieanalyst Demostenes Flores: Europa wird beim Iran-Krieg den Preis zahlen
25.04.2026

„Wir befinden uns in einer Art drittem Weltkrieg in Etappen“, warnt der Energieanalyst Demostenes Floros über den aktuellen Konflikt...

DWN
Politik
Politik EU plant Reform der DSGVO: Weniger Bürokratie für Unternehmen
25.04.2026

Die EU will zentrale Digitalregeln wie DSGVO und Cookie-Vorgaben vereinfachen und stärker aufeinander abstimmen. Führt der geplante Umbau...

DWN
Politik
Politik Großzügig, teuer, umstritten: Wie tragfähig ist unser Sozialstaat noch?
25.04.2026

Arbeit soll sich lohnen. So lautet das Versprechen. Doch zwischen Grundsicherung, Arbeitsanreizen und Fachkräftemangel werden die Zweifel...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Neues E-Auto von Volkswagen: Cupra Raval im Test
25.04.2026

Der Cupra Raval rückt als günstiges Elektroauto in den Fokus der europäischen Herstellerstrategie. Kann das Modell eine neue...

DWN
Panorama
Panorama 40 Jahre nach Tschernobyl: Die langfristigen Folgen für Deutschland
25.04.2026

Die Nuklearkatastrophe von 1986 wirkt bis heute nach – auch in Deutschland. Doch wie stark ist die Strahlenbelastung 40 Jahre nach...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Open-XDR gegen Cyberangriffe: Wie Unternehmen den Überblick behalten
25.04.2026

Unternehmen stehen angesichts wachsender Cyberangriffe und komplexer IT-Strukturen vor der Herausforderung, Sicherheitsrisiken schneller...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Wettbewerbsfähigkeit: Draghi-Bericht setzt neue Maßstäbe in der EU-Politik
25.04.2026

Draghis Bericht zu Europas Wettbewerbsfähigkeit gewinnt in Brüssel spürbar an Einfluss und prägt zentrale wirtschaftspolitische...