Politik

Nur wenige Linksextremisten nutzen bundesweit erstes Aussteigerprogramm

In NRW haben bisher nur wenige Linksextremisten das bundesweit erste Aussteigerprogramm genutzt.
20.01.2020 16:06
Aktualisiert: 20.01.2020 16:06
Lesezeit: 1 min
Nur wenige Linksextremisten nutzen bundesweit erstes Aussteigerprogramm
Mitglieder der Antifaschistischen Aktion. (Foto: dpa) Foto: Jan Woitas

Das neue nordrhein-westfälische Programm gegen Linksextremismus arbeitet bislang mit rund 30 Ausstiegswilligen (Stand: Dezember 2020) zusammen. Gut ein Jahr nach der Vorstellung des Programms bekräftigte NRW-Innenminister Herbert Reul die Notwendigkeit eines solchen Angebots. “Das ist unglaublich wichtig, denn die linksextremistische Szene in Nordrhein-Westfalen zeigt sich zunehmend gewaltbereit”, sagte Reul der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf. “Jeder, den wir aus dieser Szene herausholen, ist ein Gewinn für die Sicherheit und die Gesellschaft.”

Ergebnisse können allerdings noch nicht vorgelegt werden. Die Expertenteams - aus den Bereichen Polizei, Verfassungsschutz, Justiz, Islam-, Rechts- und Politikwissenschaft, Psychologie, Pädagogik und Sozialarbeit - kalkulieren mit einem drei- bis fünfjährigen Ausstiegsprozess. Derzeit seien 21 Personen aktiv im Programm mit der Bezeichnung "Left" (ein Wortspiel aus den englischen Begriffen für "links" und "verlassen").

“Left” ist Reul zufolge das erste Aussteigerprogramm für Linksextremisten in Deutschland. “Damit schließen wir eine Lücke und bieten in NRW nunmehr Ausstiegsprogramme für alle Bereiche des Extremismus an.” Die Ausstiegsbegleiter seien Links- und Rechtsextremisten wie auch Islamisten behilflich auf dem Weg zurück in die Gesellschaft.

Die Arbeit beruhe auf zwei Säulen: Im Fokus stehe die Aufarbeitung der extremistischen Ideologie, um Straftaten zu verhindern. Parallel zur Deradikalisierung seien die sozialen Strukturen zu festigen. Dazu werden Anti-Aggressivitäts- und Anti-Gewalt-Trainings ebenso angeboten wie Hilfe bei der Arbeitsplatz- oder Wohnungssuche nach der Haft.

Zielgruppe des Ausstiegsprogramms sind sowohl deutsche Linksextremisten - etwa aus dem autonomen Spektrum oder der Antifa - als auch Mitglieder auslandsbezogener linksextremistischer Gruppierungen wie beispielsweise der PKK oder der DHKP-C.

Der Jahresbericht des NRW-Verfassungsschutzes wies im vergangenen Jahr einen leichten Anstieg der Straftaten von Linksextremisten um 20 auf 1.394 auf. Dabei stieg die Zahl der Gewaltdelikte allerdings drastisch von 191 auf 447. Vor allem bei den Auseinandersetzungen um den Hambacher Forst kam es dem Bericht zufolge zu Übergriffen auf Polizeibeamte. Insgesamt werden der Szene in NRW etwa 2.500 Anhänger zugerechnet.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Globaler Anleiheausverkauf drückt US-Aktien ins Minus
01.09.2026

Erfahren Sie, welche Faktoren die Wall Street belasten und warum Tech-Aktien jetzt besonders im Fokus stehen.

DWN
Unternehmen
Unternehmen EU-Regel zwingt Ritter Sport zum Überkleben
01.09.2026

Wegen neuer EU-Vorgaben muss Ritter Sport alte Verpackungen mit Stickern überkleben. Was sich für Verbraucherinnen und Verbraucher jetzt...

DWN
Politik
Politik Europa unter Druck: Experte warnt vor gefährlicher Doppelkonfrontation
01.09.2026

Europa gerät von mehreren Seiten gleichzeitig unter Druck. China verschärft den Handelskonflikt, Russland könnte den Krieg weiter...

DWN
Immobilien
Immobilien Mieter in Angst: Die Furcht vor dem Wohnungsverlust
01.09.2026

Die Wohnkosten steigen, und immer mehr Mieter fürchten, ihre Wohnung bald nicht mehr bezahlen zu können. Der Mieterbund fordert...

DWN
Technologie
Technologie China: Solar schlägt Kohle, doch Ausbau verliert an Tempo
01.09.2026

China ist Weltmeister beim Ausbau der Solarenergie. Doch das Land gilt zugleich als großer Klimasünder und will nicht von der Kohle...

DWN
Politik
Politik Berichte: Regierung sieht Russland hinter Drohnen-Vorfall
01.09.2026

Der Verdacht wiegt schwer: Die Bundesregierung macht offenbar einen russischen Geheimdienst für den versuchten Drohnenanschlag am...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Möbelbranche kämpft weiter gegen die Flaute
01.09.2026

Die Deutschen halten sich beim Möbelkauf zurück – und bringen eine ganze Branche in Bedrängnis. Steigende Kosten, sinkende Umsätze...

DWN
Finanzen
Finanzen Steuererklärung falsch ausgefüllt? Jetzt zählt schnelles Handeln
01.09.2026

Eine vergessene Ausgabe, eine falsche Zahl oder eine nicht angegebene Einkunft: Fehler in der Steuererklärung passieren schnell. Wer sie...