Politik

Nach Dammbruch: Fünf Mitarbeiter von TÜV Süd in Brasilien unter Mordverdacht

Fünf Mitarbeiter des TÜV Süd müssen sich in Brasilien wegen eines tödlichen Dammbruchs vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft erhob am Mordanklage.
22.01.2020 12:31
Aktualisiert: 22.01.2020 12:31
Lesezeit: 1 min
Nach Dammbruch: Fünf Mitarbeiter von TÜV Süd in Brasilien unter Mordverdacht
Zerstörte Häuser nach dem Dammbruch in Brasilien (Foto: dpa). Foto: T

Fünf Mitarbeiter des TÜV Süd müssen sich in Brasilien wegen eines tödlichen Dammbruchs vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft erhob am Dienstag (Ortszeit) Mordanklage gegen den ehemaligen Chef des Bergbaukonzerns Vale, Fabio Schvartsman, und zehn seiner Mitarbeiter, aber auch gegen Beschäftigte der Münchner Prüforganisation, die dem Damm wenige Monate vor der Katastrophe ausreichende Stabilität attestiert hatten. Das geht aus der Reuters vorliegenden Anklageschrift hervor. Zudem müssen sich Vale und der TÜV Süd demnach wegen Umweltdelikten vor Gericht verantworten. Bei dem Dammrutsch unterhalb der Eisenerz-Mine in Brumadinho im Bundesstaat Minas Gerais waren vor fast einem Jahr mehr als 250 Menschen ums Leben gekommen.

Die Anklagebehörde wirft den Unternehmen vor, in den Jahren vor dem Dammbruch Informationen über sicherheitsrelevante Themen rund um den Damm systematisch und absichtlich vertuscht zu haben. "Vale hat mit Unterstützung des TÜV Süd eine große Menge technischer Informationen über verschiedene von Vale betriebene Dämme produziert, denen intern (...) ein unakzeptables Risikoprofil attestiert wurde", erklärte Staatsanwalt William Garcia Pinto Coelho. Vale wies den Vorwurf eines absichtlichen Fehlverhaltens von sich. Es sei zu früh für Schuldzuweisungen. Ein Sprecher von Schvartsman, der nach der Katastrophe als Vale-Chef zurückgetreten war, sagte, ein Bericht der brasilianischen Bundespolizeibehörde über den Dammbruch werde erst im Juni erwartet.

Auch der TÜV Süd betonte, dass die Ursache für den Dammbruch noch nicht feststehe. Das Unternehmen hatte den Staudamm noch im September 2018 untersucht - vier Monate, bevor er durchnässt brach und eine riesige Schlammlawine auslöste. TÜV-Süd-Chef Axel Stepken hatte in einem Reuters-Interview Vorwürfe gegen sein Unternehmen zurückgewiesen: "Der Betreiber ist verantwortlich für den Damm. Das ist Vale." Der TÜV Süd habe dem Unternehmen auch Handlungsempfehlungen für den Umgang mit dem Damm gegeben - etwa ein Verbot von Sprengungen und Arbeiten mit schwerem Gerät. Ob sich Vale daran gehalten habe, wisse man noch nicht.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Baltische Luftraumüberwachung wird zum Testfall für Europas Ostflanke
26.05.2026

Eine Drohne dringt in estnischen Luftraum ein, kurz darauf kündigt Polen Kampfjets für Ämari an. Was wie ein regionales Signal wirkt,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Industrie steigert Umsatz und streicht Stellen
26.05.2026

Die deutsche Industrie meldet erstmals seit fast drei Jahren wieder steigende Umsätze – doch gleichzeitig beschleunigt sich der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft SpaceX-Börsengang könnte die gefährlichste Wette des Jahres werden
26.05.2026

SpaceX soll an die Börse, und die Zahlen wirken gigantisch. Doch hinter der möglichen Rekordbewertung stehen Milliardenverluste, enorme...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU Inc.: Europas Tech-Traum droht an Amerika zu zerbrechen
26.05.2026

Europa gründet, forscht und erfindet. Doch wenn aus Ideen Konzerne werden sollen, wandern viele der besten Firmen in Richtung USA. Mit EU...

DWN
Politik
Politik Forschungsstandort Europa 2026: Zwischen Exzellenz und Sparzwang
25.05.2026

Europa forscht stark, doch Kürzungen bei Horizon Europe bedrohen den Anschluss an USA und China. Was das für Talente, Patente und...

DWN
Politik
Politik Weltbekannter Professor sieht gefährliche Veränderung bei Trump
25.05.2026

Francis Fukuyama sieht Trump politisch geschwächt, aber gerade deshalb gefährlich. Für Dänemark und Grönland könnte die nächste...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KI-Arbeitsmarkt: Wer durch KI ersetzt wird, zahlt jahrelang
25.05.2026

KI soll Unternehmen schneller, schlanker und profitabler machen. Doch für Beschäftigte, die durch neue Technologien ihren Job verlieren,...

DWN
Finanzen
Finanzen Aktienempfehlungen: Günstige Aktien trotz KI-Hype, Zinsrisiko und Rüstungsboom
25.05.2026

Viele Anleger jagen weiter den teuersten KI-Gewinnern hinterher, doch Morningstar sieht die spannendere Chance woanders. Zehn globale...