Politik

Deutschland setzt aktive Rolle im Libyen-Konflikt fort: Maas nimmt an Friedens-Gipfel in Algerien teil

In Algerien fand ein Libyen-Gipfel unter Beteiligung von sechs afrikanischen Staaten statt. Außenminister Heiko Maas reiste zum Gipfel, um die Nachbarstaaten Libyens in den Friedensprozess einzubeziehen.
24.01.2020 17:19
Aktualisiert: 24.01.2020 17:19
Lesezeit: 2 min
Deutschland setzt aktive Rolle im Libyen-Konflikt fort: Maas nimmt an Friedens-Gipfel in Algerien teil
Algerien, Algier: Heiko Maas (SPD), Außenminister, sitzt bei einem Außenministertreffen mit den Nachbarländern Libyens. (Foto: dpa) Foto: Michael Fischer

Die Außenminister der an Libyen angrenzenden Staaten haben sich am Donnerstag in Algerien getroffen, um Möglichkeiten zur Beendigung des Libyen-Konflikts zu erörtern. Ägypten, Sudan und Tunesien gehören zu den Ländern, die vom Libyen-Konflikt direkt betroffen sind.

Mehrere afrikanische Länder hatten sich darüber beklagt, vom sogenannten Berliner Libyen-Gipfel ausgeschlossen worden zu sein, in dessen Verlauf sich die Staats- und Regierungschefs dazu verpflichtet hatten, alle Einmischungen von Ausländern in Libyen zu beenden und ein Waffenembargo aufrechtzuerhalten. Das Ergebnis der Bemühungen bleibt jedoch ungewiss.

Fayez al-Sarradsch, Chef der von den Vereinten Nationen in Tripolis anerkannten Regierung, und sein Rivale Chalifa Haftar, der den Osten Libyens kontrolliert, weigerten sich, sich in Berlin zusammenzutreffen und nehmen nicht an den Algerien-Gesprächen teil.

“Die derzeitige Lage in Libyen hält einer Eskalation nicht stand”, sagte Algeriens Außenminister Sabri Boukadoum am Donnerstag.

Er meint, dass die Nachbarländer eine Rolle bei der Förderung des Dialogs zwischen den libyschen Parteien spielen müssten, um “den blutigen Zusammenstößen ein Ende zu bereiten und zu vermeiden, dass das Land ins Unbekannte geführt werde”, berichtet France24.

Der algerische Präsident Abdelmadjid Tebboune, der am Berliner Gipfel teilnahm, sagte am Mittwoch: “Es gibt Aussagen von Sarradsch und Aussagen von Haftar, die darauf hinweisen, dass die einzige Macht, die das Problem lösen kann, Algerien ist.”

Algerien hat eine fast 1.000 Kilometer lange Grenze zu Libyen, weshalb der Libyen-Konflikt jederzeit auf Algerien überspringen könnte. Über die besondere Rolle Algeriens hatten die Deutschen Wirtschaftsnachrichten zuvor berichtet.

Bei dem Gipfel in Berlin waren nur Algerien und Ägypten dabei, nicht aber Tunesien, Niger, Tschad und Sudan. Tunesien hatte protestiert, war dann kurzfristig doch noch eingeladen worden, lehnte eine Teilnahme dann aber wegen der Kurzfristigkeit ab. Unter anderem deswegen reiste der deutsche Außenminister Maas nach Tunesien, um Staatspräsident Kais Saïed zu treffen. Auch Griechenland war verärgert darüber, dass es nicht dabei sein konnte.

Maas sieht gute Chancen, dass die seit langem zerstrittenen fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats - USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien - in der Libyen-Frage an einem Strang ziehen. “Das wäre auch für den Sicherheitsrat ein gutes Signal, dass man endlich mal in einem großen Konflikt im Sicherheitsrat zu einer gemeinsamen Haltung kommt. Und das ist beim Thema Libyen wahrscheinlicher als bei allen anderen Konflikten, die zurzeit im Sicherheitsrat auf dem Tisch liegen”, so Maas.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Landtagswahl am 6. September in Sachsen-Anhalt: AfD vor Wahlsieg – welche Regierung ist möglich?
31.08.2026

Die AfD liegt in Sachsen-Anhalt klar vorn, ihr Spitzenkandidat mobilisiert Tausende und setzt auf Emotionen. Während die CDU um Anschluss...

DWN
Technologie
Technologie Hohe Preise, große Hoffnungen: Wie Foldables Smartphone-Innovationen prägen
31.08.2026

Der Smartphone-Markt sucht seit Jahren nach dem nächsten großen Sprung. Samsung glaubt, ihn in faltbaren Geräten und KI gefunden zu...

DWN
Politik
Politik Krankschreibung ab Tag eins: Kippt die geplante Attestpflicht der Koalition?
31.08.2026

Attest ab Tag eins und das mögliche Aus für die telefonische Krankschreibung: Damit will die Bundesregierung den "hohen Krankenstand" der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Verbraucherpreise: Inflation steigt auf 2,9 Prozent – Energie wird zum Preistreiber
31.08.2026

Tanken, Heizen und Einkaufen könnten für Verbraucher weiter teuer bleiben. Während Energie die Inflation antreibt, geraten Kaufkraft,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Heckler & Koch erzielt Rekordgewinn und rüstet Produktion auf
31.08.2026

Vor zehn Jahren stand Heckler & Koch am finanziellen Abgrund, heute meldet der Waffenhersteller Rekordzahlen. Steigende...

DWN
Finanzen
Finanzen Tagesgeld-Vergleich (09/2026): Diese Banken bieten die besten Tagesgeld-Zinsen
31.08.2026

Ein Tagesgeld-Konto gilt als sichere und flexible Geldanlage. Doch hinter manchem Spitzenangebot verbergen sich nicht selten Bedingungen,...

DWN
Politik
Politik Topökonom verteidigt Warsh: „Er wurde unfair behandelt“
31.08.2026

Der Markt sucht nach Signalen der amerikanischen Notenbank, nachdem Kevin Warsh als neuer Chef die Forward Guidance abgeschafft hat. Nach...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ifo-Umfrage: Deutsche Firmen bleiben bei Klimainvestitionen zurückhaltend
31.08.2026

Der klimafreundliche Umbau der deutschen Wirtschaft erfordert erhebliche Investitionen. Eine Ifo-Umfrage zeigt jedoch, dass viele...