Finanzen

Sigmar Gabriel soll Aufsichtsrat bei der Deutschen Bank werden

SPD-Politiker Sigmar Gabriel soll in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Das Geldinstitut hat ihn für einen Sitz im Kontrollgremium nominiert. “Wir freuen uns sehr, mit Sigmar Gabriel einen überzeugten Europäer und Transatlantiker für den Aufsichtsrat der Deutschen Bank gewinnen zu können”, so der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Paul Achleitner.
24.01.2020 12:45
Lesezeit: 2 min
Sigmar Gabriel soll Aufsichtsrat bei der Deutschen Bank werden
Von der SPD zur Deutschen Bank: Sigmar Gabriel sucht sich neue Karrieremöglichkeiten. (Foto: dpa) Foto: Kay Nietfeld

Der frühere SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel soll Aufsichtsrat der Deutschen Bank werden. Deutschlands größtes Geldinstitut nominierte Gabriel für einen Sitz in dem Kontrollgremium; er muss sich bei der nächsten Hauptversammlung im Mai den Aktionären zur Wahl stellen. Die Deutsche Bank hob Gabriels "großen Erfahrungsschatz" als Politiker hervor. Der 60-Jährige genieße zudem das Vertrauen der Großaktionäre der Bank aus Katar, zitierte das Handelsblatt Finanzkreise.

Gabriel saß in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident von 1999 bis 2003 im Aufsichtsrat von Volkswagen - das Emirat Katar hält an Deutschlands größtem Autobauer einen Kapitalanteil von fast 15 Prozent und einen Stimmrechtsanteil von 17 Prozent. Von 2005 bis 2009 gehörte Gabriel auch dem Verwaltungsrat der staatlichen Förderbank KfW an, von 2013 bis 2017 war er einer der Vorsitzenden des Gremiums, so die AFP.

Der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Paul Achleitner, erklärte am Freitag: "Wir freuen uns sehr, mit Sigmar Gabriel einen überzeugten Europäer und Transatlantiker für den Aufsichtsrat der Deutschen Bank gewinnen zu können." Als ehemaliger Umwelt-, Wirtschafts- und Außenminister werde Gabriel "mit seinem großen Erfahrungsschatz einen besonderen Beitrag leisten und unsere Kompetenz im Aufsichtsrat ergänzen". In den derzeit herrschenden "geopolitisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich herausfordernden Zeiten" müsse sich eine globale Bank "ganz neuen Erwartungen und Anforderungen stellen".

Die Deutsche Bank steckt seit Jahren in der Krise. Vorstandschef Christian Sewing baut das Institut derzeit massiv um, er streicht tausende Stellen und stutzt das Investmentbanking. Sewing ist bereits der vierte Chef der Bank, seit Achleitner 2012 den Vorsitz des Aufsichtsrats übernahm. In dieser Zeit verlor der Aktienkurs der Deutschen Bank stark.

Gabriel selbst erklärte, die Berufung in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank sei für ihn "eine große Ehre". Das Unternehmen habe als "eine der wichtigsten Finanzinstitutionen in Europa die Chance und die Verantwortung, die Zukunft der deutschen und europäischen Wirtschaft mit zu gestalten". Dazu wolle er einen Beitrag leisten.

Der 60-jährige Gabriel war unter anderem von Dezember 2013 bis März 2018 Vizekanzler; insgesamt neun Jahre lang gehörte er dem Kabinett von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an, zunächst als Umweltminister, dann als Wirtschafts- und zuletzt als Außenminister. Von 2009 bis 2017 war er Chef der SPD. Derzeit ist Gabriel Vorsitzender des Vereins Atlantik-Brücke; sein Bundestagsmandat hatte er im November vorzeitig niedergelegt. Er habe "zunehmend den Eindruck gewonnen, dass die SPD auf Bundesebene meiner Möglichkeiten und Fähigkeiten nicht mehr bedarf", erklärte er im September.

Der Vize-Fraktionschef der Linken im Bundestag, Fabio de Masi, kritisierte den geplanten Wechsel Gabriels in den Aufsichtsrat der Bank scharf: "Alles, was in der Krise steckt und knietief in Gerichtsprozessen, ist ein potenzieller Arbeitgeber für den einstigen SPD-Chef." Die Deutsche Bank hole Gabriel nicht, weil er so viel vom Bankgeschäft verstehe. "Die wollen sein Telefonbuch und politische Kontakte, um Einfluss auf das Kanzleramt zu nehmen." De Masi forderte "strengere Abkühlphasen in der Politik", um Interessenkonflikte zu vermeiden. Gabriel war im Herbst auch als neuer Chef des Deutschen Automobilverbandes VDA im Gespräch gewesen.

Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Die Ökonomie der Aufmerksamkeit: Warum Unternehmen um jede Minute kämpfen

Im Internet ist Geld nicht länger die einzige Währung. Eine ebenso große Rolle spielt die Währung Aufmerksamkeit. Wer im Überfluss an...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Opel-Chef Florian Huettl: Kann sein leiser Kurs die Traditionsmarke retten?
18.07.2026

Andere Automanager inszenieren sich, Florian Huettl hört lieber Kunden und Händlern zu. Der Opel-Chef soll eine deutsche Traditionsmarke...

DWN
Technologie
Technologie CATL: Europa baut Ladestationen, China Batteriewechselstationen
18.07.2026

Das chinesische Unternehmen CATL will bis 2030 80 Prozent des chinesischen Güterverkehrs mit einem Netz von Batteriewechselstationen...

DWN
Finanzen
Finanzen Experten-Interview: Wein ist eine interessante alternative Investition – vor allem auf lange Sicht
18.07.2026

Wein kann als alternative Geldanlage interessant sein, besonders über längere Zeiträume. Entscheidend sind Herkunft, Lagerung,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Škoda Peaq im Test: Wenn die Reichweite ihrem Namen alle Ehre macht
18.07.2026

Mit dem Škoda Peaq stellt die Marke ihr bislang größtes Elektroauto vor. Der SUV setzt auf hohe Reichweite, viel Innenraum, starke...

DWN
Finanzen
Finanzen Euro-Stablecoins: Wie Europa die Kontrolle über seine Währung verlieren könnte
18.07.2026

Der Euro ist die zweitwichtigste Währung der Welt, doch in der digitalen Finanzwelt spielt er bislang kaum eine Rolle. Während nahezu...

DWN
Politik
Politik NATO-Verteidigungsausgaben: Wer für das neue Fünf-Prozent-Ziel zahlt
18.07.2026

Die NATO rüstet auf wie seit Jahrzehnten nicht mehr, doch zwischen den Mitgliedstaaten liegen Welten. Während Polen und die baltischen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Das Maschinenherz Deutschlands kommt zum Stillstand: Das Problem ist größer als in der Automobilbranche
18.07.2026

In den meisten Ländern der Europäischen Union wächst die Maschinenproduktion dank einer Investitionswelle. Nicht so in Deutschland. Der...

DWN
Finanzen
Finanzen Marktbericht: „Böse Überraschung“, während der KI-Ausverkauf anhält
17.07.2026

Turbulenzen an den Märkten: Erfahren Sie, welche Kräfte den Technologiesektor jetzt bewegen und wie Experten die Lage einschätzen.