Finanzen

Frankreich und Italien: Überraschender Abschwung zum Jahresende

Im vierten Quartal 2019 schrumpften die Volkswirtschaften Frankreichs und Italiens. In Europa herrscht Stagnation. Auch aus Fernost kommen negative Signale.
31.01.2020 12:00
Lesezeit: 2 min
Frankreich und Italien: Überraschender Abschwung zum Jahresende
Matteo Salvini, Vorsitzender der Lega, gestikuliert in der Talkshow «L'aria che tira». Rechts auf einer Leinwand ist Luigi Di Maio, Außenminister von Italien, zu sehen. (Foto: dpa) Foto: Vincenzo Livieri

Die italienische Wirtschaft ist zum Jahresende überraschend und zudem deutlich geschrumpft. Wie das Statistikamt Istat am Freitag in Rom mitteilte, lag die Wirtschaftsleistung (BIP) im vierten Quartal 0,3 Prozent tiefer als im dritten Quartal. Es ist das erste Minus seit gut einem Jahr und der stärkste Rückgang seit Anfang 2013. Analysten hatten dagegen im Schnitt mit einem leichten Wachstum gerechnet – was wieder einmal zeigt, dass Prognosen nicht das Papier wert sind, auf dem sie gedruckt werden. Im Vergleich zum Vorjahresquartal stagnierte die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone am Jahresende. Im Gesamtjahr 2019 wuchs die italienische Wirtschaft um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Auch die französische Wirtschaft ist zum Jahresende 2019 geschrumpft. Wie das Statistikamt Insee am Freitag auf Basis erster Daten mitteilte, lag die Wirtschaftsleistung (BIP) im vierten Quartal 0,1 Prozent niedriger als im Vorquartal. Es ist die erste Schrumpfung seit gut drei Jahren. Auch hier hatten Analysten mit einem Wachstum von im Schnitt 0,2 Prozent gerechnet. Für Belastung sorgten die Warenausfuhren und die Lagerbestände der Unternehmen. Die Konsumausgaben der privaten Haushalte und die Investitionen der Unternehmen wuchsen zwar, allerdings langsamer als im Vorquartal. Möglicherweise haben die Massenproteste gegen die Rentenreform der Regierung belastet.

Die Wirtschaft der gesamten Eurozone stagnierte im vierten Quartal und markierte das schwächste Wirtschaftswachstum des Jahres. Das Bruttoinlandsprodukt der 19 Länder erhöhte sich lediglich um 0,1 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistikamt Eurostat am Freitag mitteilte, nachdem es im dritten Quartal noch ein Plus von 0,3 Prozent gab.

Die Kauflust der Verbraucher und der Bauboom hatten die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr vor einer Vollbremsung bewahrt. Unter dem Eindruck schwächelnder Exporte und einer Rezession in der Industrie legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur noch um 0,6 Prozent zu. Das ist deutlich weniger als in den Jahren 2018 und 2017 mit damals noch 1,5 und 2,5 Prozent. Ähnlich schwach wie 2019 war das Wachstum zuletzt vor sechs Jahren.

Auch in Japan - welches seit vielen Monaten in einer schweren Industrierezession verharrt - verdichten sich die Anzeichen, dass die Wirtschaft im vierten Quartal geschrumpft sein dürfte. Die japanische Industrieproduktion brach angesichts einer schwächelnden Nachfrage im In- und Ausland in den drei Monaten von Oktober bis Dezember um vier Prozent ein, wie Daten des Wirtschaftsministeriums am Freitag zeigten. Das ist der stärkste Rückgang in diesem Zeitraum seit 2013 mit der Erhebung vergleichbarer Daten begonnen wurde. Zudem gingen die Einzelhandelsumsätze im Dezember um 2,6 Prozent und damit den dritten Monat in Folge zurück. Zusätzlicher Druck auf die japanische Wirtschaft könnte durch die Ausbreitung des Coronavirus in China entstehen. Die Volksrepublik ist Japans zweitgrößter Exportmarkt.

Chinas Industrie ist im Januar nach offiziellen Daten auf der Stelle getreten. Exportbestellungen gingen im Zuge des Handelsstreits mit den USA zurück. Als weiterer Risikofaktor kam der Ausbruch des Coronavirus hinzu, was sich nach Einschätzung von Experten aber noch nicht voll in der Statistik abbildet. Der amtliche Einkaufmanagerindex (PMI), den die Statistikbehörde am Freitag veröffentlichte, wies wie von Analysten erwartet 50,0 Punkte aus nach 50,2 Zählern im Dezember. Die 50-Zähler-Marke ist der neutrale Punkt des Barometers. Höhere Werte signalisieren Wachstum, niedrigere einen Rückgang.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Tagesgeld-Vergleich (09/2026): Diese Banken bieten die besten Tagesgeld-Zinsen

Ein Tagesgeld-Konto gilt als sichere und flexible Geldanlage. Doch hinter manchem Spitzenangebot verbergen sich nicht selten Bedingungen,...

 

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Frankreichs Wirtschaft: Fünf Warnsignale vor der Präsidentenwahl
26.09.2026

Frankreichs Wirtschaft kommt kaum noch vom Fleck, während der Schuldenberg weiter wächst und Anleger höhere Zinsen verlangen....

DWN
Finanzen
Finanzen Ölpreis im Aufwärtsmodus: Während KI träumt, verdienen Ölkonzerne Milliarden
26.09.2026

Der Ölpreis steigt rasant und stellt die Weltwirtschaft vor unbequeme Fragen. Teure Energie kann Inflation anheizen, Wachstum bremsen und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Unternehmenskultur: Was Firmen von Netflix wirklich lernen können
26.09.2026

Netflix gilt vielen Unternehmen als Vorbild für Freiheit, Verantwortung und weniger Bürokratie. Doch wer erfolgreiche Managementmodelle...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Toyota Corolla Cross im Test: Der Hybrid, der an einen Diesel erinnert
26.09.2026

Der Toyota Corolla Cross verbindet Hybridtechnik mit viel Komfort und erstaunlich niedrigem Verbrauch. In der getesteten GR-Sport-Version...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Volvo überrascht mit neuem Chef aus Deutschland: Eine große Chance für Volvo
26.09.2026

Der Verwaltungsrat von Volvo Cars überrascht erneut mit der Wahl eines Vorstandschefs, diesmal aber mit einem unerwartet starken Namen....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kampf ums Wasser: Die wasserhungrigen Industrien
26.09.2026

Sechs Zentimeter am Rheinpegel Kaub, Lieferprobleme bei BASF, schwächelnde Wasserkraftwerke: Der Dürresommer 2026 macht endgültig klar,...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Irans Feigenblatt sorgt für grüne Zahlen an der Wall Street
25.09.2026

Ein unerwarteter Wendepunkt im Nahen Osten sorgt für Bewegung an den Märkten – erfahren Sie, welche Aktien jetzt besonders profitieren.

DWN
Finanzen
Finanzen Anthropic-IPO rückt näher, OpenAI bremst: Was passiert mit den Rekord-Börsengängen?
25.09.2026

Was ist über Zeitplan, Bewertungen und Forderungen nach einer langsameren KI-Entwicklung vor den angekündigten Börsengängen bekannt?