Technologie

Fraunhofer-Institut entwickelt Ohren für autonome Fahrzeuge

Neben Kameras und Radar benötigen autonome Fahrzeuge dringend auch Ohren, sagen Fraunhofer-Forscher. Gemeinsam mit Partnern in der Industrie haben sie jetzt erste Prototypen gebaut.
08.02.2020 08:25
Lesezeit: 1 min
Fraunhofer-Institut entwickelt Ohren für autonome Fahrzeuge
Modifizierte Dachfinne zur Erprobung von Sensoren für die akustische Erfassung von Außengeräuschen an einem Fahrzeug. (Foto: Fraunhofer IDMT/Hannes Kalter)

Viele neue Fahrzeuge verfügen über Systeme, die dem Autofahrer beim Einparken helfen oder den toten Winkel überwachen. Dazu nutzen sie Kameras, Radar und Lasersysteme, welche die relevanten Objekte in der Umgebung erfassen. Diese System "fungieren quasi als Augen", sagen Forscher Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT in Oldenburg. Was den Automobilen aber bislang noch fehle, sei ein Hörsinn.

Nach Ansicht der Forscher werden Systeme, die Außengeräusche wahrnehmen und einordnen können, künftig im Zusammenspiel mit intelligenter Radar- und Kamerasensorik die Grundlage für das autonome Fahren bilden. Um dem Auto das Hören zu ermöglichen, entwickeln sie derzeit die entsprechenden Technologien.

Für autonome Fahrzeuge gebe es bisher keine akustischen Wahrnehmungssysteme, sagt Danilo Hollosi, Gruppenleiter Akustische Ereignisdetektion am Fraunhofer IDMT. Dabei hätten solche Systeme ein hohes Anwendungspotenzials. Denn sie signalisieren beispielsweise im Bruchteil einer Sekunde, wenn ein Fahrzeug mit eingeschaltetem Martinshorn naht. "So weiß das autonome Fahrzeug, das es ausweichen muss, damit eine Rettungsgasse gebildet werden kann."

Doch neben der Sirenenerkennung gibt es nach Ansicht der Forscher noch zahlreiche weitere Szenarien, wo ein akustisches Frühwarnsystem unerlässlich ist, etwa beim Einbiegen in Spielstraßen oder wenn ein Nagel im Reifen feststeckt. Darüber hinaus könne das System die Zustandsüberwachung des Fahrzeugs übernehmen oder per Spracherkennung als Notrufsäule fungieren.

"Wir wenden Methoden des maschinellen Lernens an. Wir trainieren unsere Algorithmen mit unterschiedlichsten, zuvor erhobenen Geräuschen", sagt Hollosi. Gemeinsam mit Industriepartnern wurden bereits erste Prototypen realisiert, die Mitte des kommenden Jahrzehnts marktreif sein sollen. Die Mikrofone sind in ein Gehäuse gepasst und außen am Fahrzeug angebracht. Sie leiten die Audiodaten an ein Steuergerät weiter, wo diese dann zu relevanten Metadaten weiterverarbeitet werden.

Die computerbasierten Verfahren zur Ereigniserkennung des Forscherteams lassen sich nach Ansicht der Forscher auch in anderen Branchen und Märkten einsetzen, etwa zur Qualitätssicherung in der industriellen Produktion. Denn auch die Audiosignale von Maschinen und Anlagen ermöglichen Rückschlüsse auf den Zustand der Fertigungsanlagen, sodass man etwa mögliche Schäden vermeiden kann. Zudem ermöglichen automatische Spracherkenner eine berührungslose Dokumentation beispielsweise in der Turbinenwartung.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: SpaceX-Aktien legen deutlich zu, während sich Tech-Werte erholen
29.06.2026

Erfahren Sie, welche entscheidenden Faktoren die Märkte jetzt bewegen und warum Anleger wieder optimistischer in die Zukunft blicken.

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Prognose: Deutsche Bank senkt Erwartungen deutlich
29.06.2026

Eine weitere Großbank hat ihre Goldpreis-Prognose nach unten korrigiert. Die Experten der Deutschen Bank haben ihre Erwartungen für den...

DWN
Finanzen
Finanzen Die schwankende Adobe-Aktie wird immer attraktiver
29.06.2026

Die Adobe-Aktie ist stark gefallen und wirkt im Vergleich zu vielen Tech-Werten günstig bewertet. Doch Anleger fragen sich, ob Adobe seine...

DWN
Panorama
Panorama Sechs Tote in Stade nach Schießerei – Was bisher über die Tat bekannt ist
29.06.2026

In einer Jugendeinrichtung im niedersächsischen Stade sind Schüsse gefallen. Es gibt mehrere Tote und Schwerverletzte und die Politik...

DWN
Finanzen
Finanzen Airbus bekommt Rekordsumme: EU-Förderbank zahlt drei Milliarden 
29.06.2026

Die Europäische Investitionsbank soll Prioritäten der EU finanzieren helfen - etwa bei Sicherheit und Verteidigung. Die Förderbank...

DWN
Politik
Politik Spitzel, Quellen und Agenten: Maaßen kritisiert Verfassungsschutz
29.06.2026

Der frühere Chef des Inlandsnachrichtendienstes Hans-Georg Maaßen kritisiert beim 1. Demokratiekongress der AfD seine ehemaligen...

DWN
Politik
Politik Europäische Fonds: Wo EU-Geld am häufigsten durch Betrug verschwindet
29.06.2026

Während Italien und Rumänien in absoluten Zahlen an der Spitze der Länder stehen, ist der geschätzte Schaden pro Einwohner durch Betrug...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Insolvenzverfahren: Deko-Kette Depot schließt 66 Filialen in Deutschland
29.06.2026

Depot betrieb vor einigen Jahren noch rund 400 Geschäfte. Jetzt macht der Einzelhändler erneut eine große Zahl an Geschäften dicht....