Technologie

Wettlauf zum Mars: China beeilt sich, die USA hinken hinterher

Während China seine Weltraum-Missionen in Windeseile ausweitet, können die USA noch nicht einmal genug Geld bereitstellen, um wieder zum Mond zu fliegen.
09.02.2020 08:56
Aktualisiert: 09.02.2020 08:56
Lesezeit: 4 min
Wettlauf zum Mars: China beeilt sich, die USA hinken hinterher
Die chinesische Raumstation Tiangong 3. (Grafik: Global Security)

Im Januar 2019 setzte eine chinesische Sonde erstmals auf der Rückseite des Mondes auf. Auf “Chang'e 4”, so der ungewöhnliche Name der Sonde, soll bald eine weitere unbemannte Mission folgen, bei der Gesteinsproben zurück auf die Erde gebracht werden. Bis spätestens 2030 soll erstmals ein Chinese einen Fuß auf den Erdtrabanten setzen.

Für 2020 steht der Start der ersten chinesischen Mars-Mission an. Ein Rover soll im Sommer zur rund achtmonatigen Reise zum Roten Planeten aufbrechen. Zudem könnte der Start des ersten Moduls für Chinas neue Raumstation erfolgen. Sie soll kleiner ausfallen als die ISS, die 240 Tonnen wiegt. Die 60 bis 100 Tonnen schwere “Tianhe 1” wird aus einem Kern- und zwei Experimentmodulen bestehen. Drei Astronauten sollen für längere Zeit darin leben können, bis zu sechs beim Wechsel der Crew. Die Station soll von einem Weltraumteleskop begleitet werden, das zur Versorgung und Wartung angedockt werden kann.

“Der Weltraum war schon immer ein Symbol für Führung durch Prestige, was sich in strategischem Einfluss niederschlägt. China will als Technologieführer in Asien anerkannt werden, und es gibt keinen sichtbareren Ort dafür als den Weltraum”, sagte Joan Johnson-Freese, Weltraumexperte am Naval War College in Rhode Island, gegenüber The Daily Beast.

Die Mond-Mission des Reichs der Mitte schreitet Schritt für Schritt voran. Seine Raumfahrtbehörde hat die Arbeit an der Raumstation Tiangong 3 wieder aufgenommen und testet eine neue bemannte Kapsel für Weltraummissionen.

Raumstation Tiangong 3 könnte ISS ersetzen

Tiangong 3 verfügt sogar über das Potenzial, in absehbarer Zeit zur “de facto internationalen Raumstation” zu werden, so Johnson-Freese. Denn es ist völlig unklar, wie lange es die ISS noch geben wird. Die ISS, die sich etwa 400 Kilometer über der Erde befindet, geriet immer wieder in unrühmliche Schlagzeilen. Sie dürfte trotz vieler Nachrüstungen über die Jahre hinweg ziemlich gelitten haben. Auch äußerlich: Einschläge verursachen immer wieder kleine Krater. Einige Male musste die ISS Weltraumschrott ausweichen und deswegen kurzfristig ihren Kurs ändern. Einmal durchschlug ein winziger Splitter ein Sonnensegel.

Die NASA hat jahrelang darüber nachgedacht, zum ersten Mal seit 1972 wieder Forscher auf den Mond zu schicken. Denn der Erdtrabant könnte als Stützpunkt für Astronauten auf dem Weg zum Mars dienen. Ganz zu schweigen vom kommerziellen Wert der Mineralien des Mondes.

Im vergangenen Jahr schlug die US-Regierung eine willkürliche Frist bis 2024 für eine neue bemannte Mondlandung vor. US-Experten sind sich einig darüber, dass diese Frist eingehalten werden kann, aber nur, wenn der US-Kongress 30 Milliarden US-Dollar genehmigt.

Die oberste Priorität für die NASA hat das Weiße Haus vorgegeben: Bis 2024 sollen der nächste Mann und die erste Frau auf dem Mond landen - und beides sollen Amerikaner sein. Am Mond soll dann eine Art Raumstation geschaffen werden und als Basis für einen bemannten Flug zum Mars dienen - das allerdings erst in fernerer Zukunft.

“Was China hat, und was die USA nicht haben, ist eine langfristige Programm-Nachhaltigkeit. Um das US-amerikanische Explorations-Programm für Menschen wird zwar von jeder neuen US-Regierung (also auch der Trump-Administration - Anm. d. Red.) viel Wind gemacht, aber oftmals verfügt die Regierung nicht über die notwendigen Mittel, um das Programm tatsächlich umzusetzen”, so Johnson-Freese.

Chinas programmatische Reise in den Weltraum könnte ein attraktives Modell für andere, kleinere Raumfahrtländer sein. “Während die US-Führung unter Präsident Trump weiter schwächelt, werden andere Nationen, insbesondere Japan und die EU, möglicherweise über ein unabhängigeres Handeln von den USA nachdenken und sich China bei größeren kooperativen Weltraumprojekten anschließen”, so der US-Weltraumexperte Gregory Kulacki.

Christopher Impey, ein Astronom der Universität von Arizona, teilte The Daily Beast mit: “Wenn Sie die langfristige Sichtweise bedenken, die die Chinesen immer haben, werden wir in 50 bis 100 Jahren im Sonnensystem leben und es wird eine beträchtliche wirtschaftliche Aktivität außerhalb der Erde geben. Sie wollen die Ersten sein.”

Europa

Für Europa steht hingegen der Start der neuen Trägerrakete Ariane 6 im Fokus. Sie soll Ende 2020 zum Jungfernflug starten. Ihre Vorgängerin, die Ariane 5, ist seit mehr als 20 Jahren im Einsatz. 2020 soll außerdem die Sonnensonde “Solar Orbiter” der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) zur Erforschung der Sonne starten. Im Fokus steht die Erforschung des Sonnenwindes. So könnte das Weltraumwetter besser vorhergesagt werden. Starker Sonnenwind kann Satelliten beschädigen.

Gute Nachrichten gab es für die Esa bei der Ministerrats-Konferenz Ende November: Die 22 Mitgliedsländer hoben das Budget unerwartet stark an – für die kommenden Jahre auf 14,4 Milliarden Euro. Unter anderem wurde die «Hera»-Mission zur Asteroiden-Abwehr bewilligt. Dabei soll berechnet werden, ob und wie Asteroiden so umgelenkt werden könnten, so dass sie nicht mit der Erde kollidieren. Auch das Thema Erdbeobachtung wird weiter eine große Rolle spielen. Geplant sind etwa bessere Messungen des CO2-Ausstoßes. Die Raumfahrt soll so auch beim Thema Klimawandel zu Erkenntnissen beitragen. Zudem ist die Esa an der Mondmission der Nasa beteiligt.

Russland

Moskau hofft, dass die Bauarbeiten am Weltraumbahnhof Wostotschny nahe der chinesischen Grenze im nächsten Jahr endlich abgeschlossen werden. Die Arbeiten ziehen sich in die Länge, obwohl die Anlage schon 2016 eröffnet wurde - und dort bereits Raketen gestartet sind. Zuletzt beklagte der Kreml, dass beim Bau Milliarden Rubel in dunkle Kanäle versickert seien.

Das ehrgeizigste Ziel der Russen in den nächsten Jahren bleibt der Flug zum Mond. 2031 soll dort der erste Kosmonaut landen. Ingenieure entwickeln derzeit eine schwere Rakete, die auch größere Bauteile zum Erdtrabanten bringen kann.

Parallel dazu stehen weitere Flüge zur Internationalen Raumstation (ISS) an. Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos will an dem Außenposten vorerst festhalten. Bei bemannten Flügen dorthin will Russland künftig mit mehr Ländern zusammenarbeiten, etwa mit der Türkei und Saudi-Arabien. Daneben laufen andere Forschungsprojekte, etwa dazu, wie Atomstrom im All für den Raketenantrieb genutzt oder Weltraummüll noch hoch über der Erde entsorgt werden kann.

Japan

Die Hightechnation will sich an der Nasa-geführten Mission beteiligen, die ab Mitte der 2020er Jahre den Bau einer Raumstation in der Umlaufbahn des Mondes vorsieht. Japan und die USA einigten sich kürzlich darauf, ihre gemeinsamen Raumfahrtaktivitäten zu verstärken - mit dem Ziel, eines Tages die Erkundung des Mars durch den Menschen zu ermöglichen.

So plant Japans Raumfahrtagentur Jaxa zwei Nano-Satelliten für die US-Mond-Mission «Artemis». Japan hegt zudem die Hoffnung, eines Tages eigene Astronauten zum Mond schicken zu können. Mit dem größten Autobauer des Landes, Toyota, will Jaxa in den nächsten Jahren einen Rover entwickeln, der 2029 zum Mond geschickt werden soll.

Zudem investiert die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt in die Entwicklung diverser Satelliten, die unter anderem zur Erforschung des globalen Klimawandels dienen sollen.

Frankreich

Wie auch in anderen Ländern ist eine “Space Force” für Frankreich ein großes Thema - es soll ordentlich aufgerüstet werden im All. Präsident Emmanuel Macron hatte im Sommer ein militärisches Weltraumkommando angekündigt. Besonders die Kapazitäten zur Überwachung sollen ausgebaut werden. Ein Ziel ist es demnach, Satelliten besser vor möglichen Angriffen zu schützen - etwa mit speziellen Laserwaffen. Auch soll in Nano-Satelliten zur Überwachung investiert werden, die im Weltall patrouillieren.

Frankreichs Vorstoß ist innerhalb Europas eine Premiere. Bis 2030 soll das Programm einsatzfähig sein. Auch Staaten wie die USA, Russland, China und Indien bauen ihre Möglichkeiten für Weltraumkriege aus.

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