Technologie

Immer mehr PS: Schaufeln sich Deutschlands Autobauer mit ihren riesigen SUVs ihr eigenes Grab?

Die PS-Zahlen der Neuwagen in Deutschland steigen rasant. Für die deutschen Autobauer birgt das ein großes Risiko, warnt ein Experte.  
19.02.2020 13:55
Lesezeit: 1 min
Immer mehr PS: Schaufeln sich Deutschlands Autobauer mit ihren riesigen SUVs ihr eigenes Grab?
Ein SUV auf dem Münchener Ring. (Foto: dpa) Foto: Sina Schuldt

Im Jahr 2019 haben die Motorstärken der Neuwagen in Deutschland einen neuen Rekordwert erreicht. Durchschnittlich 158 PS hatte jedes der insgesamt 3,61 Millionen zugelassenen Fahrzeuge unter der Haube (im Jahr 2018 waren es 153 PS). Besonders stark zum Anstieg trugen SUVs bei (deren Anteil an der Gesamtzahl der verkauften Autos ein Drittel einnahm): Die durchschnittliche PS-Stärke pro SUV betrug 172 PS, das heißt, sie waren deutlich stärker motorisiert als Nicht-SUVs, die im Durchschnitt auf 149 PS kamen.

Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer – der seit kurzem übrigens nicht mehr das CAR-Center der Universität Duisburg-Essen leitet, sondern in der Schweiz lehrt – sieht in den steigenden PS-Zahlen ein Problem. Er schreibt: „Sicher sind mehr PS nicht zwangsläufig mit höheren CO2-Emissionen verbunden … Natürlich wäre es falsch, nur an Verzichtautos zu denken. Diese Strategie würde nicht aufgehen … Dennoch zeigen die stark ansteigenden PS-Zahlen ein Risiko-Potential für deutsche Autobauer. Sie setzen sich zusätzlichen Akzeptanz-Risiken aus. Eine Strategie der Autobauer, um diese Risiken einzugrenzen, ist hier bisher wenig erkennbar.“

Besonders kritisch sieht Dudenhöfer das Vorgehen der Autobauer in Sachen Plug-In-Hybride. Die verfügten 2019 im Durchschnitt nämlich über 194 PS. Der Auto-Experte, der ein Verfechter der Elektromobilität ist (in dieser Hinsicht beispielsweise VW-Chef Herbert Diess ausdrücklich lobt), sieht die Gefahr, dass eine so starke Motorisierung der ja an und für sich als umweltfreundlich geltenden Plug-Ins deren Akzeptanz ins Wanken bringt, noch bevor sich die Fahrzeuge überhaupt richtig durchgesetzt haben. Dudenhöfer: „Die Autobauer brauchen eine neue Plug-In-Strategie, wenn man die Akzeptanzrisiken beherrschbar machen will. Nichts wäre gefährlicher für die Autobauer, als den Plug-In in die klimafeindliche Ecke zu manövrieren. Immer neue, größere und mächtigere SUVs könnten neue Debatten auslösen. Daher sollten die Autobauer über eine neue Strategie nachdenken. Auf Monster-SUVs zu verzichten, könnte ein Weg sein.“

Interessante Zahlen:

  • Insgesamt wurden 2019 circa 3,61 Millionen Neuwagen zugelassen – das ergibt in der Summe 571 Millionen zusätzliche PS.
  • Seit 1995 ist die durchschnittliche Neuwagen-PS-Zahl jedes Jahr gestiegen (mit nur zwei Ausnahmen: 2009, als die staatliche Abwrackprämie zu einem Kleinwagen-Boom führte, sowie 2013, als die Zahl überraschenderweise stagnierte).
  • In circa einem Vierteljahrhundert (von 1995 bis 2019) stieg die durchschnittliche PS-Zahl von 95 auf 158. Das entspricht einer Zunahme von 66 Prozent.
  • Der „356 Carrara 2“ mit einem 2.0-Liter-Motor und 130 PS war einst das motorstärkste Modell aus dem Hause Porsche. Es wurde bis 1964 gebaut.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Panorama
Panorama Klimawandel verstärkt Wetterextreme: Warum es zu Wasserknappheit kommen kann
18.03.2026

Trockenperioden und Starkregen wechseln sich ab: Warum Wasser in Deutschland manchmal zur falschen Zeit am falschen Ort ist, und welche...

DWN
Politik
Politik Sorge um Stabilität: Berlin fordert mehr EU-Hilfe für Syrien
18.03.2026

In Deutschland leben auch mehr als ein Jahr nach dem Sturz von Langzeitherrscher Baschar al-Assad noch Hunderttausende Flüchtlinge aus...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Krise in deutscher Autobranche - Rüstungsindustrie als Rettungsanker
18.03.2026

Die Absatzschwäche der Autohersteller trifft viele Zulieferbetriebe in Deutschland. Deswegen sind Alternativen gefragt. Wie die boomende...

DWN
Politik
Politik Rheinland-Pfalz wählt am 22. März: Kopf-an-Kopf-Rennen von SPD und CDU
18.03.2026

Seit 1991 besetzt die SPD in Rheinland-Pfalz durchgehend das Amt des Ministerpräsidenten. SPD und CDU liegen momentan in den Umfragen fast...

DWN
Finanzen
Finanzen Volkswagen T-Roc im Marktcheck: Warum der T-Roc dem Golf Konkurrenz macht
18.03.2026

Der Volkswagen T-Roc steht exemplarisch für den Wandel im Automarkt, in dem kompakte SUVs zunehmend klassische Modelle wie den Golf...

DWN
Panorama
Panorama BER-Warnstreik: Flüge gestrichen – welche Rechte Passagiere jetzt haben
18.03.2026

Der Warnstreik am BER bringt den Flugverkehr in Berlin komplett zum Erliegen. Tausende Reisende stehen vor kurzfristigen Änderungen ihrer...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Google investiert in Batteriespeicher: Neues Rechenzentrum nutzt Langzeitspeicher
18.03.2026

Google investiert in neue Energiespeicher, um den steigenden Strombedarf von Rechenzentren abzusichern, und setzt dabei auf die...

DWN
Politik
Politik Cum-Ex-Skandal: Kronzeuge Steck im DWN-Interview – der Betrug, den Politik und Banken gemeinsam möglich machten
17.03.2026

Zehn Milliarden Euro Schaden, tausende Beschuldigte – und bis heute keine politische Verantwortung. Der Cum-Ex-Kronzeuge und Autor Dr....