Deutsche Wirtschaft stagniert, Konjunkturrisiko Coronavirus

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 1 min
25.02.2020 08:20  Aktualisiert: 25.02.2020 08:20
Europas größte Volkswirtschaft tritt Ende 2019 auf der Stelle. Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus dämpft Hoffnungen auf eine rasche Konjunkturerholung. Trotz der schwächelnden Konjunktur kann der Staat mehr Geld einnehmen, als er ausgibt.
Deutsche Wirtschaft stagniert, Konjunkturrisiko Coronavirus
Ein Bauarbeiter arbeitet auf einer Baustelle in Berlin. (Foto: dpa)

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus trifft die deutsche Wirtschaft in einer Schwächephase. Zum Ende des Jahres 2019 ging Europas größter Volkswirtschaft die Puste aus. Im vierten Quartal stagnierte das Bruttoinlandsprodukt gegenüber dem Vorquartal. Das Statistische Bundesamt bestätigte am Dienstag vorläufige Angaben. Deutschland geht damit ohne nennenswerte Impulse in das laufende Jahr. Trotz der Konjunkturabkühlung sind die öffentlichen Kassen sind gut gefüllt.

Vor allem sinkende Exporte bremsten die Entwicklung zum Jahresende. Gestützt wurde die Konjunktur im Zeitraum Oktober bis Dezember von den boomenden Bauinvestitionen. Der Konsum - zuletzt häufig der Konjunkturmotor - verlor nach einem sehr starken dritten Quartal dagegen deutlich an Dynamik. Die privaten Konsumausgaben stagnierten zum Jahresende, der Staat erhöhte seine Konsumausgaben nur leicht um 0,3 Prozent.

Die deutsche Wirtschaft hatte im vergangenen Jahr insgesamt deutlich an Tempo verloren. Internationale Handelskonflikte und die Abkühlung Weltkonjunktur belasteten die exportorientierte deutsche Industrie. Hinzu kam der Strukturwandel in der Autoindustrie. Im Gesamtjahr wuchs die deutsche Wirtschaft um 0,6 Prozent. Das war deutlich weniger als jeweils in den beiden Vorjahren. Ähnlich schwach wie 2019 war das Wachstum zuletzt 2013.

In diesem Jahr könnte die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus nach Einschätzung von Volkswirten die erhoffte Konjunkturerholung in Deutschland verzögern. Der Internationale Währungsfonds (IWF) senkte bereits seine globalen Wachstumsprognosen. Die Weltwirtschaft werde voraussichtlich um 0,1 Prozentpunkte weniger wachsen als bisher angenommen.

Die öffentlichen Kassen sind trotz der Konjunkturschwäche gut gefüllt. Dank der weiterhin guten Lage auf dem Arbeitsmarkt sprudelten Sozialabgaben und Steuern kräftig und spülten Milliarden in die öffentlichen Kassen. Zugleich sorgte die vor allem in Deutschland umstrittene ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) für Entlastung. Wegen der niedrigen Zinsen kann sich der Staat günstiger verschulden. Auf insgesamt 49,8 Milliarden Euro (Vorjahr: 62,4 Mrd.) bezifferte das Statistische Bundesamt den Überschuss von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialkassen.

Der Überschuss machte im vergangenen Jahr 1,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus, nach 1,9 Prozent im Vorjahr. Ein Defizit hatte Europas größte Volkswirtschaft zuletzt 2011 verbucht. Deutschland ist mit dem Überschuss weit entfernt von der Defizit-Grenze des Maastricht-Vertrages, in dem sich die Europäer ein Haushaltsdefizit von 3,0 Prozent der Wirtschaftsleistung erlauben.


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Börsenfonds halten erstmals mehr Gold als der deutsche Staat

Erstmals in der Geschichte halten die weltweiten Gold-ETFs mehr physisches Gold als die Deutsche Bundesbank. Denn Investoren haben in...

DWN
Politik
Politik Arbeitsrecht: Darf mein Arbeitgeber mich kündigen, wenn ich ohne Maske an einer Demo teilnehme?

Der aktuelle „Fall Joshiko Saibou“ hat die Frage aufgeworfen, ob ein Arbeitgeber eine fristlose Kündigung aussprechen darf, wenn einer...

DWN
Marktbericht
Marktbericht Dudenhöffer: Deutsche Autobauer steuern auf massiven Stellen-Kahlschlag zu, die einzig verbliebene Hoffnung heißt China

In Europas Automobilsektor bestehen einer Untersuchung des Auto-Experten Ferdinand Dudenhöffer zufolge massive Überkapazitäten, die sich...

DWN
Finanzen
Finanzen EU-Einlagensicherung soll deutsche Banken retten

Die befürchtete Welle an Firmenpleiten infolge der Corona-Krise könnte deutschen Banken Probleme bereiten. Die deutsche Einlagensicherung...

DWN
Finanzen
Finanzen Preis übersteigt 2000-Dollar-Marke: Edelmetall-Händler verzeichnen starken Anstieg der Nachfrage nach Gold

In Deutschland werden breitere Schichten der Bevölkerung auf den Boom an den Edelmetallmärkten aufmerksam und decken sich mit Gold und...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Massive Industrie-Rezession: Erste Rufe nach Verlängerung der Kurzarbeit werden laut

Jüngst getätigte Äußerungen des Verbandes der deutschen Maschinenbauer lassen erahnen, wie schwer der weltweite Wirtschaftseinbruch im...

DWN
Deutschland
Deutschland Thyssenkrupp beginnt mit Modernisierung der Stahlproduktion

Deutschlands größter Stahlhersteller Thyssenkrupp startet die Modernisierung seines Werks in Duisburg.

DWN
Finanzen
Finanzen Türkische Zentralbank bekommt Lira nicht mehr unter Kontrolle, Sturz auf Allzeit-Tief zum Euro

Trotz einer Intervention am Londoner Swap-Markt bekommt die türkische Zentralbank die Landeswährung nicht mehr unter Kontrolle. Nun wurde...

DWN
Politik
Politik Arbeitgeber kündigt Techniker wegen privatem Fehlverhalten gegen Corona-Regeln

In Osnabrück wurde kürzlich ein Techniker von seinem Arbeitgeber fristlos gekündigt, weil er in seiner Freizeit die Corona-Regeln nicht...

DWN
Deutschland
Deutschland Sommer in Deutschland: „Hoch Detlef“ macht die Tage heiß und die Nächte feucht

Trocken, sonnig, heiß: Deutschland steht eine Hitzewelle bevor. Mancherorts gibt es nicht einmal in der Nacht Abkühlung. Und auch die...

DWN
Politik
Politik Türkei kündigt bisher größten Corona-Kontrollen an, Bürger sind begeistert

Der türkische Innenminister hat für den 6. August die größten landesweiten Corona-Kontrollen der vergangenen Monate angekündigt. Die...

DWN
Deutschland
Deutschland „Call of Duty“: Videospiele-Boom in Corona-Krise nicht aufzuhalten

Das Geschäft der Videospiele-Anbieter wächst in der Corona-Krise weiterhin rasant. Beliebt sind unter anderem „Call of Duty“,...

DWN
Politik
Politik Nach Teilnahme an Anti-Corona-Demo: Basketball-Nationalspieler wird fristlos gekündigt

Der deutsche Basketball-Nationalspieler Joshiko Saibou wurde von seinem Heimverein Telekom Baskets Bonn fristlos gekündigt, weil er am...

DWN
Deutschland
Deutschland War der Lockdown falsch? Studie spricht von 81 Prozent Immunität gegen SARS-Cov-2 durch andere Corona-Viren

Einer Studie zufolge verfügt 81 Prozent der Bevölkerung eine gewisse Immunität gegen das neuartige Corona-Virus SARS-Cov-2. Die...

celtra_fin_Interscroller