Weik & Friedrich: Der Anfang vom Ende der Globalisierung

 

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03.03.2020 16:51  Aktualisiert: 03.03.2020 16:51
Die beiden DWN-Gastautoren Matthias Weik und Marc Friedrich beschreiben, wie das Corona-Virus den Anfang vom Ende der Globalisierung einläutet. Anschließend analysieren die beiden Ökonomen und Bestseller-Autoren, was das für die Zukunft der deutschen und der weltweiten Wirtschaft bedeutet - eine spannende Lektüre.
Weik & Friedrich: Der Anfang vom Ende der Globalisierung
Ein fast leeres Container-Terminal: Das Ende der Globalisierung? (Foto: dpa)
Foto: Ingo Wagner

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Das Corona-Virus (COVID-19) breitet sich immer weiter aus. Weltweit sind bereits über 82.000 Menschen infiziert, über 2.800 sind an den Folgen gestorben. (Stand 27. Februar 2020).

In China stehen 760 Millionen Menschen unter Quarantäne - das ist ein Zehntel der Weltbevölkerung!

Seit Januar wurden global 200.000 Flüge gestrichen und hunderte von Containerschiffen liegen vor Anker. In Japan (zweitgrößte Volkswirtschaft Asiens) bleiben die Schulen bis Ende März geschlossen. In Korea (drittgrößte Volkswirtschaft Asiens) stehen bei zahlreichen Firmen die Bänder still, und die Anzahl der Infizierten steigt rasant (circa 1.600). Erstmalig gibt es eine Ausgangssperre in Europa, und zwar in Italien für 50.000 Menschen. Aber auch in Südamerika, Australien und in den USA gibt es Erkrankte. Bereits Ende Januar haben die USA und Australien ein Einreiseverbot für Reisende aus China verhängt. Ausgenommen sind australische Staatsangehörige sowie Menschen mit ständiger Aufenthaltsgenehmigung. Diese müssen sich bei ihrer Rückkehr ins Land jedoch in eine zweiwöchige "Selbstquarantäne" begeben.

Die CDU/SPD-GroKo-Regierung unternahm jedoch bisher kaum etwas, um uns Bürger zu schützen. Bundesgesundheitsminister Spahn kommt nach ewigen Beschwichtigungen mittlerweile zu der Aussage: „Wir befinden uns am Beginn einer Corona-Epidemie". Wir dagegen sagen: Wir haben bereits eine Pandemie – denn mittlerweile sind 32 Länder auf allen Kontinenten betroffen. Die Gefahr einer globalen Pandemie mit fatalen Folgen für die globalisierte Weltwirtschaft wird unserer Ansicht noch völlig unterschätzt. Bereits seit über einer Woche geht es an den Aktienmärkten abwärts, und die Talsohle ist noch keineswegs in Sicht.

Deutschland: Miese Wirtschaftsdaten bereits vor Coronavirus

Bereits vor dem Ausbruch des Coronavirus sank die Industrieproduktion in Deutschland stetig. Knallhart gesagt: sie bricht seit 2018 kontinuierlich ein. Die Entwicklung beim saisonbereinigten Output der breit gefassten Industrieproduktion (Bergbau, Energieversorgung und Verarbeitendes Gewerbe, ohne Baugewerbe) ist seit knapp zwei Jahren rückläufig, und es besteht keine Aussicht auf Besserung.

In Punkto Auftragseingänge sieht es bei der deutschen Industrie besorgniserregend aus. Der saisonbereinigte und reale Auftragseingang der deutschen Industrie sinkt seit August 2019 kontinuierlich.

Rohstahlproduktion in Deutschland bricht ein

Ebenso drastisch sieht es im Bereich der Rohstahlproduktion aus. Im Januar 2020 sank der Output der deutschen Hüttenwerke um 17,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Bereits 2019 sank in Deutschland der Output um 6,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, der niedrigste Stand seit 2009.

Automobilbranche und Maschinenbau befinden sich in einer Rezession

Obendrein verschärft sich insbesondere die Krise in der Automobilindustrie stetig. Der ideologische geführte Kampf gegen das Automobil wird mit Vehemenz weitergeführt. Ob es tatsächlich zielführend ist, eine der wenigen Schlüsselindustrien sturmreif zu schießen, welche 21 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt, wagen wir zu bezweifeln. Bereits im Jahr 2018 war die Produktion um 9,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen! Im Gesamtjahr 2019 sank der Output um neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 4,66 Millionen Einheiten. Das ist der niedrigste Stand seit 23 Jahren! Nicht zu verkennen ist, dass drei von vier in Deutschland hergestellten PKW bisher in den Export gingen. Folglich wird selbst ein bis dato besserer Binnenabsatz den Einbruch im Export nicht ansatzweise ausgleichen können. Noch immer sehen wir von Seiten der Politik keinerlei Antworten auf diese Entwicklung.

In der Finanzkrise von 2008 wurde Deutschland – und wurden vor allem unsere Autobauer – insbesondere durch China aus der Krise herausgezogen. Dies wird in Zukunft nicht der Fall sein, denn China hat gegenwärtig andere Probleme.

Minus 92 Prozent: Automobilmarkt in China stürzt ab

Der weltweit größte Automarkt China bricht seit knapp zwei Jahren ein. 2018 gingen die Verkäufe erstmalig seit über zwanzig Jahren zurück, 2019 betrug der Rückgang gegenüber dem Vorjahr stolze 7,5 Prozent. Jetzt grassiert das Corona-Virus im Reich der Mitte mit bis dato verheerenden Konsequenzen für den dortigen Automobilmarkt.

Wegen des Corona-Virus sind zahlreiche Produktionsstätten in China geschlossen worden. Wichtig zu wissen in dieser Causa: China allein steht inzwischen für 18 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung und knapp 50 Prozent des weltweiten Wachstums der letzten Jahre. Fast alle europäischen Unternehmen mit Geschäftstätigkeit in China sind mittlerweile von den Folgen der Coronavirus-Krise betroffen. Laut einer kürzlich veröffentlichten Umfrage der Europäischen Handelskammer und der Deutschen Außenhandelskammer in China sehen fast 60 Prozent der Unternehmen „schwere“ und weitere 30 Prozent „mittelschwere“ Folgen für ihr China-Geschäft.

Bis dato sind die Folgen für die Bürger in Deutschland indessen noch überschaubar. Bald wird es jedoch knüppeldick kommen. In den ersten beiden Februarwochen sind die Autoverkäufe in China um 92 Prozent eingebrochen. Es wurden lediglich noch 4.962 deutsche Pkw verkauft. Eine Katastrophe! Denn der chinesische Markt ist für 40 Prozent des Absatzes der deutschen Autobauer verantwortlich.

Der Beginn der De-Globalisierung

Sollten die Chinesen weiterhin kaum noch Autos kaufen, wird dies desaströse Konsequenzen für VW, Audi, BMW und Daimler haben, aber auch für die Zulieferer und schlussendlich für alle anderen Wirtschaftszweige in diesem Land. Den Rattenschwanz, den die Quarantäne auslöst, haben viele noch gar nicht auf dem Schirm. Durch die „Just in Time-Produktion“ sind die Läger sozusagen weltweit kostenoptimiert auf Straßen und Seewege verlegt worden. Jetzt zeigt sich die Kehrseite der Abhängigkeit von der billigen Werkbank China: Die Zuliefer-Kette ist gestört, und es werden erste Engpässe deutlich. Mit jedem Tag, mit dem die Krise anhält, die Menschen in China nicht zu Arbeit gehen, Häfen geschlossen sind und Flüge gestrichen werden, potenzieren sich die Auswirkungen auf unsere globalisierte Weltwirtschaft. Viele Unternehmen weltweit werden erkennen, dass man sich in eine gefährliche Abhängigkeit von China begeben hat. Man wird wieder umdenken. Dies bedeutet: Arbeitsplätze und Produktionen wieder nach Hause holen, Alternativen schaffen, um die Abhängigkeit zu reduzieren. Das wird China Wachstum kosten und schlussendlich die KP zu Fall bringen. Wir sehen gerade den Beginn der De-Globalisierung!

China – Geld vor Gesundheit?

Mittlerweile versuchen der chinesische Staat und die Unternehmen alles Erdenkliche zu tun, um die verängstigten Bürger wieder an ihre Arbeitsplätze zu bringen. Unter anderem haben sehr viele Regionen die Transport- und Reisebeschränkungen gelockert. Selbst Staatspräsident Xi Jinping sah sich gezwungen, die Unternehmen dazu aufzurufen, ihre Arbeit wiederaufzunehmen. Städte wie Schanghai und Peking organisieren Shuttle-Fahrten. Kostenfreie Züge und Busse sollen die Arbeiter, die jetzt wegen des Corona-Virus´ wochenlang zuhause waren, rasch zurück an ihre Werkbänke bringen.

Auch mit Geld versucht die chinesische Wirtschaft, ihre Arbeiter dazu zu bewegen, wieder an ihre Arbeitsplätze zurückzukehren. „Foxconn“, das unter anderem das iPhone produziert, hat seinen Arbeitern einen Bonus von bis zu 7.000 Yuan monatlich in Aussicht gestellt, wenn sie zur Arbeit kommen. Ob sich die Chinesen tatsächlich davon überzeugen lassen, ist noch offen. Gesundheit ist wichtiger als Geld – das ist auch in China bekannt.

Italien – Coronavirus, der Supergau für ein schwer angeschlagenes Land?

Ausgerechnet die wirtschaftlich stärkste Region Italiens, der Norden des Landes, wird vom Corona-Virus heimgesucht. Dies hat nicht nur drastische Auswirkungen für das faktisch bankrotte Land, sondern auch für deutsche Unternehmen. Deren Lieferketten sind nämlich eng mit Norditalien verflochten. Außerdem haben knapp 1.500 deutsche Unternehmen hier Niederlassungen – vor allem Autozulieferer, Elektro- und Chemiebetriebe. Am stärksten von der Epidemie betroffen ist die Lombardei. Sie ist die wirtschaftlich stärkste Region Italiens, stellt rund ein Fünftel der nationalen Wirtschaftskraft. Um die Bedeutung der Lombardei für Deutschland zu veranschaulichen: Das Handelsvolumen Deutschlands mit der Lombardei ist beinahe so groß wie das mit der wirtschaftlichen Großmacht Japan (drittgrößte Volkswirtschaft der Welt). Für die sich bereits in einer erheblichen Rezession befindende norditalienische Industrie ist das Corona-Virus katastrophal. Aber auch für Deutschland sind die Auswirkungen auf die hiesige Konjunktur nicht zu unterschätzen. DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier: „Schließlich ist Italien mit einem Handelsvolumen von über 125 Milliarden Euro der fünftwichtigste Handelspartner Deutschlands, und täglich gehen insbesondere unverzichtbare industrielle Vorleistungsprodukte in beide Richtungen über die Alpen." Allein daran zeige sich, „dass das Coronavirus erhebliche Ausstrahlung auf den Welthandel zu entwickeln beginnt". Ferner ist das Coronavirus fatal für die italienische Tourismusbranche. Aber auch für den Tourismus weltweit. Die Chinesen gelten als besonders reisefreudig, Frankreich hat bereits jetzt einen Einbruch von 35 Prozent zu verzeichnen, weitere Länder werden folgen. Fluglinien, Hotels und Kreuzfahrtanbieter werden besonders darunter leiden. Schon jetzt stornieren Urlauber und Geschäftsleute am laufenden Band ihre Buchungen. Um noch einmal auf Italien zurückzukommen: Die Tourismus-Industrie ist verantwortlich für 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und sorgt für Lohn und Brot für 4,2 Millionen Menschen. Sollte sich der Coronavirus in Italien weiter ausbreiten und die dortige Wirtschaft mehr und mehr zum Erliegen bringen, wird dies fatale Konsequenzen für das Land, für EU und Eurozone und folglich auch für uns in Deutschland haben.

Globale Crashgefahr

Bekanntlich haben die Notenbanken ihr Pulver verschossen. Die Zinsen sind in der Eurozone bei Null und auch in anderen Ländern existieren relativ niedrige Zinssätze. In Zeiten wirtschaftlichen Stillstands wird die Kreditnachfrage äußerst gering sein. Folglich werden weitere Zinssenkungen nicht mehr zielführend sein. Somit bleibt den Notenbanken als einziges Mittel, um den Konsum anzukurbeln, nur noch die Möglichkeit, Geld an ihre Bürger verteilen (Helikoptergeld). In Hongkong soll jeder ständige Bewohner rund 1.300 Dollar (10.000 HK-Dollar) erhalten. Ob das sinnig ist, wagen wir zu bezweifeln, denn mit Gelddrucken lassen sich niemals Probleme nachhaltig lösen. Nichtdestotrotz werden wir nun das größte Notenbankexperiment in der Geschichte sehen: Die Druckerpressen werden so viel Geld in das System reinpumpen, wie niemals zuvor. Wir gehen von Billionen aus, und die Zinsen werden weiter sinken. Für die Eurozone erwarten wir nicht unerhebliche Negativzinsen, für die USA erst null Prozent, anschließend ebenfalls Negativzinsen. Doch auch davon wird sich das Virus nicht stoppen lassen.

Gegenwärtig sind weltweit viele Unternehmen aufgrund des billigen Geldes verschuldet, oftmals extrem. Dies stellt kein Problem dar, solange die Wirtschaft läuft und bestenfalls noch wächst. Ist dies jedoch nicht mehr der Fall, stehen zuerst die Unternehmen (die ihre Zinsen nicht mehr bezahlen können ) und dann die Banken vor unlösbaren Problemen. Werden im Zuge der Krise die Unternehmen folgerichtig herabgestuft, dann sind Kursverluste die Folge. Investoren werden die Papiere freiwillig oder gezwungenermaßen, weil sie Papiere nur bis zu einem bestimmten Investment-Grade halten dürfen, auf den Markt werfen. Genau dann besteht die Gefahr, dass das Coronavirus die Real- und Finanzwirtschaft zum Zittern bringt.

Egal wie sich das Virus entwickelt - die Notenbanken werden weiter Geld drucken, und wir stehen vor dem größten Vermögenstransfer der Geschichte! Dies bedeutet: Es ist ratsam, in durch die Natur limitierte Sachwerte zu investieren. Seit unserer Empfehlung, in Edelmetalle zu investieren, ist das goldene Geldmetall auf neue Rekordniveaus in Euro gestiegen. Für glauben, dass dies erst der Anfang ist. Wir stehen vor einer goldenen Dekade. Seien Sie dabei!

Sollte sich das Coronavirus weiter verbreiten und die Weltwirtschaft zum Erliegen bringen, wird dies fatale Konsequenzen für die ganze Welt haben, selbstverständlich auch für Deutschland. Obendrein sollten wir nicht vergessen, dass China mit seinem gigantischen Schattenbankensystem und seiner auf Pump laufenden Wirtschaft die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist. Sollte das chinesische Finanz- und Wirtschaftssystem tatsächlich crashen, wird dies die Welt wesentlich heftiger erschüttern als die Finanzkrise 2008/2009.

Über die Autoren:

www.friedrich-weik.de

Marc Friedrich und Matthias Weik sind Finanzexperten, fünffache Bestseller-Autoren, Gründer der Honorarberatung FRIEDRICH&WEIK VERMÖGENSSICHERUNG für Privatpersonen und Unternehmen, sowie Initiatoren des täglich handelbaren offenen Sachwertfonds, dem Friedrich & Weik Wertefonds. Ihr aktueller Nummer 1 SPIEGEL-Bestseller heißt: „Der größte Crash aller Zeiten“.



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