Technologie

Es gibt auch noch andere Krankheiten als Corona: Künstliche Intelligenz soll Bakterien bekämpfen

Weltweit werden unbedingt neue Antibiotika benötigt, weil sich verstärkt resistenten Erreger verbreiten, warnen Experten. Künstliche Intelligenz soll helfen.
11.04.2020 19:17
Lesezeit: 1 min

Künstliche Intelligenz hat mehrere neue Antibiotika entdeckt, die in der Lage sind, 35 verschiedene Bakterienarten zu töten. So ist das neue Antibiotikum Halicin wirksam gegen Erreger wie Clostridium difficile, Tuberkulose und Acinetobacter baumannii, eine nicht behandelbare Infektion, die in Wunden eindringt und häufig zum Tod führt. Dies berichten Forscher des Massachusetts Institute of Technology in einem in der Zeitschrift "Cell" veröffentlichten Artikel.

„Wir stehen vor einer globalen Krise aufgrund des vermehrten Auftretens resistenter bakterieller Krankheitserreger, die unser derzeitiges Antibiotika-Arsenal unwirksam machen", zitiert die Financial Times den Forscher James J. Collins vom Massachusetts Institute of Technology (MIT), der die Arbeit leitete. „Wenn wir die Krise nicht bis 2050 in den Griff bekommen, werden die jährlichen Todesfälle aufgrund von Antibiotika-resistenten Infektionen auf 10 Millionen anwachsen, was höher ist als die Todesrate durch Krebs“, so Collins.

Die neuen Antibiotika wurde mithilfe eines von der Informatikerin Regina Barzilay entwickelten Algorithmus entdeckt, der darauf trainiert wurde, die Struktur von 2.500 Molekülen zu analysieren, darunter aktuelle Antibiotika und andere natürliche Verbindungen wie Glukose, um ihre antibakterielle Wirksamkeit zu bestimmen. Der Algorithmus scannte dann durch eine Bibliothek von 100 Millionen Molekülen, um vorherzusagen, wie wirksam jedes einzelne gegen bestimmte Krankheitserreger sein würde.

Der Algorithmus sollte auch nach Molekülen zu suchen, die sich physisch von den vorhandenen Antibiotika unterscheiden, um zu vermeiden, dass das Problem der Resistenz unter den neu entdeckten Verbindungen weiter besteht. Der Erfolg der Forscher vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) zeigt die neuen Möglichkeiten des maschinellen Lernens im weltweiten Kampf gegen die zunehmenden Arzneimittel-Resistenzen.

Trotz des Potentials von Molekülen wie Halicin und den acht anderen, die vom MIT-Labor entdeckt wurden, gibt es offenbar noch einige Hürden für eine breitere klinische Einführung, wie die Financial Times berichtet. So sagt der Anwalt Kevin Outterson, der für die Lobbyorganisation Carb-X arbeitet, dass Patienten nicht bereit wären, mehr für ein neues Antibiotikum zu zahlen, obwohl sie dies im Gegensatz zu anderen Medikamenten normalerweise nur über einige Tage oder eine Woche einnehmen müssen.

Allerdings könnte der Einsatz von maschinellem Lernen zur Beschleunigung der Medikamentenentwicklung die Kosten für die Herstellung künftiger Antibiotika senken. Zudem könnte die Bekämpfung von derzeit nicht behandelbaren Krankheiten lukrative neue Märkte eröffnen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen XRP-Ledger-Transaktionsvolumen überschreitet die Marke von 1 Million

Analysten erwarten ein Aufwärtspotenzial von 100%. XRP Wie können Inhaber neue passive Einkommensquellen schaffen?

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft USA-Iran-Abkommen: Kommt jetzt die Entlastung bei den Spritpreisen?
15.06.2026

Die Einigung zwischen den USA und dem Iran sorgt weltweit für Aufmerksamkeit – auch an den Energiemärkten. Experten sehen Chancen auf...

DWN
Politik
Politik Ukraine entwickelt kostengünstige Alternative zu US-amerikanischen Patriot-Raketen
15.06.2026

Die Ukraine hat eine neue Luftabwehrrakete getestet, die eine kostengünstigere und für die Serienfertigung geeignete Alternative zum...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie kaufen? Der Superzyklus steht erst am Anfang
15.06.2026

Der Wert der Rheinmetall-Aktie hat sich seit 2022 bereits vervielfacht. Russlands Krieg gegen die Ukraine, Europas Aufrüstung und...

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX, Anthropic und OpenAI in Ihrem ETF-Fonds? Vielleicht schneller, als Sie denken
15.06.2026

Während Tesla ein ganzes Jahrzehnt gebraucht hat, um in den S&P 500 und damit in passiv verwaltete ETF-Fonds aufgenommen zu werden,...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Kurs steigt zeitweise über 25.000 Punkte: Iran-Abkommen und SpaceX-Erfolg treiben die Börsen an
15.06.2026

An den Börsen kehrt plötzlich Optimismus zurück: Sinkende Ölpreise, Hoffnung auf Entspannung im Nahen Osten und ein spektakulärer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Autobauer: Warum die Gewinne 2026 einbrechen
15.06.2026

Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW starten mit Umsatzrückgang und Gewinneinbruch ins Jahr – während internationale Konkurrenten zulegen....

DWN
Politik
Politik Russische Raketen treffen Kiew: Weltkulturerbe in Flammen – Schäden am berühmten Höhlenkloster
15.06.2026

Mit einer massiven Angriffswelle setzt Russland seinen Luftkrieg gegen die Ukraine fort. Neben Wohngebieten und Infrastruktur geriet...

DWN
Technologie
Technologie Bitkom schlägt Alarm: Sperre von Anthropics KI-Modell – wie abhängig ist Europa von US-KI?
15.06.2026

Künstliche Intelligenz gilt als Schlüsseltechnologie für Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft. Umso größer ist die Aufmerksamkeit,...