Anleger flüchten in Sicherheiten: Rendite von US-Staatsanleihen stürzt auf Rekordtief

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
06.03.2020 13:00  Aktualisiert: 06.03.2020 13:43
An den Finanzmärkten flüchten Anleger in als relativ sicher geltende Wertpapiere. Die Rendite zehnjähriger US-Anleihen stürzte am Freitag auf ein nie dagewesenes Rekordtief. Der Goldpreis zog kräftig an.
Anleger flüchten in Sicherheiten: Rendite von US-Staatsanleihen stürzt auf Rekordtief
Ein Anleger an der New Yorker Börse. (Foto: dpa)
Foto: Wang Ying

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

An den Finanzmärkten hat eine Flucht der Investoren in als sicher geltende Anlagen eingesetzt. Als Folge eines starken Zustroms von Geldern in US-amerikanische Staatsanleihen brachen die Renditen der Papiere am Freitag massiv ein.

Die Rendite zehnjähriger Treasuries markierte am Freitagmittag deutscher Zeit mit bis zu 0,75 Prozent ein absolutes Allzeittief. Nicht einmal während des Zweiten Weltkriegs war die Rendite je tiefer – sie lag im Jahr 1941 bei durchschnittlich 1,7 Prozent.

Mit einem Rückgang von 0,925 auf 0,739 Prozent steuerte sie zudem auf das größte Tagesminus seit mindestens 1953 zu. Die vergleichbaren Bundesanleihen rentierten mit minus 0,741 Prozent knapp über ihrem Rekordtief vom September, als der Brexit-Hickhack und der Zollstreit zwischen den USA und China Investoren verunsichert hatte. Die Panik halte die Staatsanleihemärkte beiderseits des Atlantiks immer stärker in Atem, sagte Anleihe-Experte Elmar Völker von der LBBW. "Die Anleger 'hamstern' in dieser Situation alles, was Sicherheit im Falle einer sich weiter verschärfenden Krise verspricht."

Drohende Einnahme-Einbußen durch fallende Anleihe-Renditen versetzten Bankenaktien einen erneuten Schlag. Der europäische Branchenindex fiel um 4,3 Prozent auf ein Elf-Jahres-Tief von 112,48 Punkten.

Gefragt war die "Antikrisen-Währung" Gold. Das Edelmetall verteuerte sich um bis zu 1,2 Prozent auf 1689,65 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) und markierte damit ein Sieben-Jahres-Hoch. Der Dollar stand wegen Spekulationen auf weitere US-Zinssenkungen unter Druck. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, fiel auf ein Elfeinhalb-Monats-Tief von 95,841 Punkten.

"Auf Basis der bisherigen Erkenntnisse steigt das Risiko einer kurzen, drastischen Rezession erheblich", warnte Nigel Green, Chef des Anlageberaters deVere. Dabei drohe eine Abwärtsspirale aus geringeren Konsumausgaben und Investitionen, die Stellenstreichungen auslösten, die wiederum zu geringeren Konsumausgaben und Investitionen führten. Die Rezessionsangst spiegelte sich auch am Rohölmarkt wider, wo der Preis für die Sorte Brent aus der Nordsee um 5,9 Prozent auf ein Zweieinhalb-Jahres-Tief von 47,02 Dollar je Barrel (159 Liter) fiel. Anleger fürchten, dass Russland der von der Opec gewollten zusätzlichen Kürzung der Fördermengen um 1,5 Millionen Barrel pro Tag nicht zustimmen wird, schrieben die Analysten der Investmentbank RBC Capital Markets. Das wäre der Todesstoß für die Kooperation des Kartells mit anderen großen Exportländern.

Am Aktienmarkt flogen wegen Reisebeschränkungen und stornierter Urlaube erneut Papiere von Luftfahrt- und Touristik-Werten aus den Depots. Der europäische Branchenindex rutschte um 5,5 Prozent auf ein Fünfeinhalb-Jahres-Tief von 194,76 Punkten. In London waren Aktien von Carnival mit 2008 Pence zeitweise so billig wie zuletzt vor acht Jahren, nachdem einem seiner Kreuzfahrtschiffe wegen Corona-Verdachts die Einfahrt in den Hafen von San Francisco verweigert wurde. Liquiditätssorgen ließen die Aktien des Billigfliegers Norwegian um bis zu fast 30 Prozent absacken.


Mehr zum Thema:  

DWN
Deutschland
Deutschland „Deutschland spürt das Ende der Behaglichkeit“ – Warum Sie jetzt die DWN zum Vorteilspreis abonnieren sollten

Unser Redaktion zeigt auf, warum Sie nicht auf ein DWN-Abonnement verzichten sollten. Für das erste Jahr wird Ihnen ein besonderes Paket...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Die Party ist vorbei: Deutsche Unternehmen im Ausland entwerfen düsteres Zukunfts-Szenario

Die Bundesregierung und eine ganze Reihe von Wirtschaftsforschungsinstituten prognostizieren ein baldiges Ende der Krise. Doch die...

DWN
Politik
Politik Corona-Nachwehen: Deutschland bereitet sich auf schwere Unruhen vor

Gewaltsame Unruhen in Deutschland und Europa werden Experten zufolge in den kommenden Monaten wegen sozialer und wirtschaftlicher Miseren...

DWN
Politik
Politik Von jedem verdienten Euro bleiben dem Arbeitnehmer nur 47,9 Cent

Der Bund der Steuerzahler hat errechnet, dass einem Arbeitnehmer von jedem verdienten Euro nur 47,9 Cent zur freien Verfügung bleiben....

DWN
Finanzen
Finanzen Bauern rechnen mit Importschwemme an billigem US-Rindfleisch

Deutsche Bauern warnen vor einer Importschwemme an billigem US-Rindfleisch. Sollen die Bürger künftig auch für US-Billigfleisch eine...

DWN
Technologie
Technologie Microsoft patentiert Kryptowährung, die den menschlichen Körper zum Mining nutzt

Microsoft hat eine Methode zur Validierung von Transaktionen mit Kryptowährungen patentiert, wobei die Gehirnaktivität von Personen und...

DWN
Deutschland
Deutschland Ursula von der Leyen holt deutsche Top-Juristin in Expertengruppe

Die EU-Kommission hat die deutsche Juristin Jessica Schmidt in eine Expertengruppe berufen. Schmidt soll die EU-Kommission unter anderem...

DWN
Politik
Politik Umfrage: Deutliche Mehrheit kann sich Söder als Bundeskanzler vorstellen

Nach mehreren Monaten Corona-Krisenmanagement können sich 64 Prozent der Bürger, also fast zwei Drittel, den CSU-Chef Markus Söder als...

DWN
Politik
Politik Speditionen kritisieren neues EU-Gesetz zum Schutz von Fernfahrern

Das EU-Parlament hat ein Gesetz verabschiedet, wonach europäische Fernfahrer ihre vorgeschriebene Ruhezeit nicht mehr im Lkw, sondern im...

DWN
Deutschland
Deutschland Niedrigster Anstieg der Baupreise seit drei Jahren

Der Wohnungsbau in Deutschland wird weiterhin teurer - doch die Preise steigen nicht mehr so stark wie in den drei zurückliegenden Jahren....

DWN
Politik
Politik Ab 13. Juli: Mallorca führt Schutzmasken-Pflicht „überall im öffentlichen Raum“ ein

Ab kommenden Montag soll auf Mallorca „überall im öffentlichen Raum“ die Schutzmasken-Pflicht gelten. Auf Mallorca hatte es in den...

DWN
Finanzen
Finanzen Französischer Notenbank-Chef: EZB wird bei Gestaltung ihrer Geldpolitik noch "erfindungsreicher" werden

Die EZB wird bei Bedarf noch erfindungsreicher bei der Gestaltung ihrer Geldpolitik werden, sagt der französische Notenbank-Chef und...

DWN
Finanzen
Finanzen Der Sommer an den Aktienmärkten wird turbulent

Jetzt beginnt wieder die schönste Zeit des Jahres, der Sommerurlaub, in dem auch mal abgeschaltet wird und die Seele baumelt. Aber wie...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Russlands Ernte hinkt dem Vorjahresniveau weit hinterher

Im laufenden Jahr hinkt die Agrarproduktion in Russland stark hinter den Vorjahresergebnissen hinterher.

DWN
Finanzen
Finanzen DWN stellt die Fakten richtig: Darum wurde die Deutsche Bank im Fall Jeffrey Epstein verurteilt

"Obwohl die Bank die schreckliche kriminelle Vorgeschichte von Herrn Epstein kannte, hat sie es unentschuldbar versäumt, verdächtige...

celtra_fin_Interscroller