Technologie

Berliner Firma produziert Coronavirus-Tests für die ganze Welt

Eine Berliner Firma gehörte zu den ersten weltweit, die Tests für das neue Coronavirus herstellen konnten. Inzwischen kommt sie mit den Bestellungen nicht mehr hinterher.
14.03.2020 13:33
Aktualisiert: 14.03.2020 13:33
Lesezeit: 2 min
Berliner Firma produziert Coronavirus-Tests für die ganze Welt
Eine Krankenschwester steckt im Krankenhaus in Sion eine Probe mit einem Nasenabstrich eines Patienten, der auf das neuartige Coronavirus getestet wird, in einen Behälter. (Foto: dpa) Foto: Jean-Christophe Bott

Schon seit 30 Jahren entwickelt die TIB Molbiol Syntheselabor GmbH in Berlin Diagnostikprodukte für verschiedene Viren, darunter zum Beispiel die Erreger von Sars, Geflügelpest und Schweinegrippe. In diesem Jahr gehörte das 30-köpfige Team um Geschäftsführer Olfert Landt zu den weltweit ersten Anbietern, die im großen Umfang Tests für das neue Coronavirus liefern können.

Anfang Januar hörte Geschäftsführer Olfert Landt erstmals, dass in der chinesischen Stadt Wuhan ein neuartiges Virus ausgebrochen ist. Als die Chinesen dann ein paar Tage später die Gensequenz des Virus offen legten, starteten der Biochemiker und sein Team auf dieser Grundlage umgehend die Entwicklung eines Test-Kits.

Innerhalb von nur drei Tagen konnten sie in Zusammenarbeit mit dem ­Biotechnologieunternehmen GenEx­press ein erstes Test-Kit fertigstellen. Mithilfe eines solchen von der Firma TIB Molbiol angebotenen Test-Kit, das aus zwei Röhrchen zum Nachweis beziehungsweise zur Positivkontrolle besteht, können in den Labors 96 Tests durchgeführt werden.

TIB Molbiol seit März an der Grenze der Kapazitäten

Millionen Test-Kits für das neue Coronavirus sind bereits an Labore in aller Welt verschickt worden. Labore bestellen in der Regel mehrere Dutzend Kits, Händler hingegen gleich 1.000. Denn bisher gibt nur rund ein Dutzend Anbieter. Daher gibt es bei der Berliner Technologiefirma nun mitunter Nachtarbeit, neue Mitarbeiter werden dringend gesucht.

"Wir haben die dreifache Produktionsmenge im Februar noch schultern können und meistens am Tag des Auftragseingang versenden können", sagt Geschäftsführer Olfert Landt den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. "Seit dieser Woche haben wir einen Rückstau von zwei Tagesproduktionen, sodass große Bestellungen ab 100 Stück ein paar Tage verspätet herausgehen."

Täglich produziert man rund 1.500 Kits, die für insgesamt rund 150.000 Tests reichen. Mehr ist derzeit nicht möglich. Zwar könnte die Firma laut Geschäftsführer Olfert Landt auch 500.000 Tests am Tag produzieren. Doch die Mitarbeiter haben derzeit nicht ausreichend Verpackungen vorrätig, um so viele Kits ausliefern zu können.

Labore sollten Tests für 10 Euro anbieten können

Für einen Kit, der für 96 Tests reicht, stellt die TI Molbiol circa 2,50 Euro in Rechnung - das ist etwa so viel wie die anderen von der Firma angebotenen Tests. Das Labor, das die Covid-19-Tests dann durchführt, setzt zusätzlich Material im Wert von 2,50 Euro bis 3,50 Euro ein und "sollte den Test im Hochdurchsatz für 10 bis 12 Euro anbieten können", sagt Geschäftsführer Landt.

Die reguläre Vergütung für Norovirus PCR liege bei 20 Euro, für Chlamydia im Screening sogar bei nur 6,50 Euro. Möglicherweise könnte seine Firma die Corona-Test-Kits wegen der aktuell starken Nachfrage teurer verkaufen. Doch das fände Geschäftsführer Olfert "unethisch", sagte er Anfang März gegenüber der taz.

Generell wird in Deutschland derzeit genug auf Corona getestet, sagt Olfert gegenüber dem Deutschlandradio. "Alle deutschen Labors haben frühzeitig bestellt, das heißt, die konnten alle testen. Und vielleicht ist das mit eine Begründung, warum wir relativ wenig Todesfälle haben, dass wir dort, wo es ausgebrochen ist, sehr schnell Maßnahmen ergreifen konnten."

Um die derzeitige Last der Laborbetriebe zu verringern und die Bevölkerung zu beruhigen, seien sogenannte "Drive-Through-Tests" eine gute Lösung. "Es gibt auch Vollautomaten, die man da reinstellen könnte, und dann hat man wirklich Tupfer durchs Fenster gereicht, gleich in eine Lösung, die desinfiziert, dass also das Personal dort nicht gefährdet ist. Und dann liefern die Maschinen nach 80 Minuten das erste Ergebnis per SMS oder E-Mail." Technisch ließe sich das Olfert zufolge sofort umsetzen. Allerdings müssten Behörden zustimmen, "und das geht alles sehr langsam".

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold erlebt ein Comeback: Wie das MTS Money Transfer System Sicherheit und digitale Freiheit verbindet

Steigende Staatsverschuldung, Inflation und geopolitische Spannungen stärken die Bedeutung von Gold als Vermögenswert. Das MTS Money...

DWN
Politik
Politik Elterngeld vor Reform: Mindest- und Höchstsatz sollen erstmals steigen
30.10.2026

Das Bundesfamilienministerium hat die Elterngeldreform trotz Sparziele neu zugeschnitten: Mindest- und Höchstsatz sollen erstmals seit...

DWN
Politik
Politik Bahn, Kredite, Weihnachtsmarkt – was sich im November ändert
30.10.2026

Für Familien wird eine ICE-Fahrt mit der Bahn zum Pauschalpreis dauerhaft angeboten. Was sich im neuen Monat außerdem bei kleinen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Audi rutscht fast in die roten Zahlen - Audi-Chef weiter unter Druck
30.10.2026

Die Krise trifft Autobauer Audi immer härter. Im dritten Quartal fahren die Ingolstädter nur noch einen vergleichsweise winzigen Gewinn...

DWN
Finanzen
Finanzen Alphabet-Aktie stürzt ab: Warum der KI-Boom den Konzern Milliarden kostet
30.10.2026

Alphabet steigert im dritten Quartal 2026 den Umsatz um 25 Prozent, trotzdem bricht die Google-Aktie nachbörslich an der Nasdaq um mehr...

DWN
Panorama
Panorama Unter Corona-Niveau: Rund 17,7 Millionen Patienten lagen 2025 im Krankenhaus
30.10.2026

Die Zahl der vollstationär behandelten Menschen in Deutschland stieg leicht, blieb aber deutlich unter dem Niveau vor der Corona-Pandemie....

DWN
Finanzen
Finanzen Silberpreis fällt zum Monatsende deutlich: Warum selbst ein Angebotsdefizit den Kurs nicht stützt
30.10.2026

Der Silberpreis steht zum Monatsende erneut unter Druck. Am Freitagmorgen rutschte der Kurs des Edelmetalls zeitweise nur rund 50,65...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Kurs aktuell: Binance-Angriff erschüttert den Kryptomarkt
30.10.2026

Ein schwerer Angriff auf die Kryptobörse Binance belastet die Stimmung bei Bitcoin, Ethereum und Co. Offenbar haben nordkoreanische Hacker...

DWN
Politik
Politik Zivilschutz: Größtes Bevölkerungsschutzzentrum Deutschlands öffnet
30.10.2026

Feldbetten, Decken und Schlafsäcke, mobile Küchen und Sanitärcontainer, aber auch Stromgeneratoren, Anlagen zur Sauerstoffversorgung und...