Panorama

Flüge ausgebucht: Chinesen fliehen aus Europa nach Hause

Viele Chinesen wollen derzeit dringend in die Heimat zurückkehren. Doch Flüge von Europa nach China sind derzeit teuer, gestrichen oder vollkommen ausgebucht.
16.03.2020 15:05
Lesezeit: 1 min
Flüge ausgebucht: Chinesen fliehen aus Europa nach Hause
Passagiere mit Mundschutzmasken stehen am Flughafen Barcelona in einer Schlange vor einer Anzeigetafel, während sie auf das Einchecken warten. (Foto: dpa) Foto: Emilio Morenatti

Die großen Fluggesellschaften haben vor dem Hintergrund der Corona-Krise ihre Kapazitäten deutlich reduzieren müssen. Denn um eine Ansteckung mit dem Virus zu verhindern, wollen die Menschen nicht mehr reisen. Zudem machen in vielen Fällen die aktuellen Reisebeschränkungen das Fliegen sogar unmöglich.

So fährt etwa die Lufthansa ihren Flugplan massiv zurück. Ab Dienstag heben nur noch 10 Prozent der Langstreckenflüge und 20 Prozent der Flüge in Europa ab, wie die Airline am Montag mitteilte. In dieser Woche seien noch mehr als 20 Sonderflüge von Lufthansa, Eurowings und Austrian Airlines geplant, damit rund 6.000 Passagiere nach Hause zurückkehren könnten, sagte ein Sprecher. Der reduzierte Flugplan für alle Lufthansa-Airlines gelte zunächst bis zum 12. April.

Zuvor hat bereits die Fluggesellschaft Austrian Airlines alle Flüge ab Donnerstag bis zum 28. März gestrichen. Auch Air France KLM, British Airways und der Billigflieger Easyjet fahren ihre Kapazitäten kräftig herunter. Europas größter Billigflieger Ryanair kündigte an, bis zu 80 Prozent seines Angebotes im April und Mai einzustellen und einen Großteil der Flotte in den kommenden zehn Tagen am Boden zu lassen. Ein komplettes Stilllegen der Flotte sei nicht auszuschließen.

In der Folge der schwindenden Nachfrage nach Flugtickets waren zuletzt auch die Preise massiv eingebrochen. Doch bei Flügen aus Europa und den USA nach China geschieht nun offenbar das Umgekehrte. Die Flugpreise auf diesen Strecken sind stark angestiegen oder es sind keine Tickets mehr verfügbar, wie Bloomberg berichtet. Zu den leidtragenden gehören demnach unter anderem chinesische Studenten, die an britischen Universitäten studieren, nun aber dringend nach Hause zurückkehren wollen. Sie wollen so dringend zurück, dass sie offenbar auch deutlich gestiegene Preise zu zahlen bereit sind.

Ein Student sagte nach seiner Rückkehr in die chinesische Heimat, dass er sich in Großbritannien nicht mehr sicher gefühlt habe. Denn dort nehme man den Coronavirus nicht ernst genug. "Wenn ich den Menschen in Großbritannien sage, wie ernst der Ausbruch ist, lachen die Leute mich aus und sagen, dass ich auf eine Grippe überreagiere. Aber als Chinesen haben wir lebhafte Erinnerungen an SARS und an das, was gerade in Wuhan passiert ist."

Noch vor einigen Wochen kosteten Langstreckenflüge von und nach China nur einen Bruchteil ihrer typischen Preise. Nun hingegen sind sie teurer als normal. Diese Umkehrung des Preissituation spiegelt auch die Tatsache wieder, dass sich das Epizentrum der Corona-Pandemie von China in andere Teile der Welt verschoben hat.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Die Ökonomie der Aufmerksamkeit: Warum Unternehmen um jede Minute kämpfen

Im Internet ist Geld nicht länger die einzige Währung. Eine ebenso große Rolle spielt die Währung Aufmerksamkeit. Wer im Überfluss an...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Technologie
Technologie CATL: Europa baut Ladestationen, China Batteriewechselstationen
18.07.2026

Das chinesische Unternehmen CATL will bis 2030 80 Prozent des chinesischen Güterverkehrs mit einem Netz von Batteriewechselstationen...

DWN
Finanzen
Finanzen Experten-Interview: Wein ist eine interessante alternative Investition – vor allem auf lange Sicht
18.07.2026

Wein kann als alternative Geldanlage interessant sein, besonders über längere Zeiträume. Entscheidend sind Herkunft, Lagerung,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Škoda Peaq im Test: Wenn die Reichweite ihrem Namen alle Ehre macht
18.07.2026

Mit dem Škoda Peaq stellt die Marke ihr bislang größtes Elektroauto vor. Der SUV setzt auf hohe Reichweite, viel Innenraum, starke...

DWN
Finanzen
Finanzen Euro-Stablecoins: Wie Europa die Kontrolle über seine Währung verlieren könnte
18.07.2026

Der Euro ist die zweitwichtigste Währung der Welt, doch in der digitalen Finanzwelt spielt er bislang kaum eine Rolle. Während nahezu...

DWN
Politik
Politik NATO-Verteidigungsausgaben: Wer für das neue Fünf-Prozent-Ziel zahlt
18.07.2026

Die NATO rüstet auf wie seit Jahrzehnten nicht mehr, doch zwischen den Mitgliedstaaten liegen Welten. Während Polen und die baltischen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Das Maschinenherz Deutschlands kommt zum Stillstand: Das Problem ist größer als in der Automobilbranche
18.07.2026

In den meisten Ländern der Europäischen Union wächst die Maschinenproduktion dank einer Investitionswelle. Nicht so in Deutschland. Der...

DWN
Finanzen
Finanzen Marktbericht: „Böse Überraschung“, während der KI-Ausverkauf anhält
17.07.2026

Turbulenzen an den Märkten: Erfahren Sie, welche Kräfte den Technologiesektor jetzt bewegen und wie Experten die Lage einschätzen.

DWN
Politik
Politik Leihmutterschaft: CDU-Politiker fordert Spahns Rücktritt
17.07.2026

Die CDU ist strikt gegen eine Zulassung von Leihmutterschaften. Dass ihr Frontmann im Bundestag nun privat einen anderen Weg gegangen ist,...