Finanzen

EZB könnte in der Krise erstmals Bankanleihen kaufen

Die EZB hat am Mittwoch angekündigt, in der aktuellen Krise noch stärker zu agieren. Ein Ratsmitglied sagte, der "Instrumentenkasten" der Notenbank sei "sehr gut gefüllt". Experten erwarten unter anderem den Ankauf von Bankanleihen.
18.03.2020 10:58
Aktualisiert: 18.03.2020 10:58
Lesezeit: 2 min
EZB könnte in der Krise erstmals Bankanleihen kaufen
Eine Frau geht im Regen über den Eisernen Steg. Dahinter ist die Zentrale der Europäischen Zentralbank zu sehen. (Foto: dpa) Foto: Frank Rumpenhorst

Angesichts der immer größeren Auswirkungen der Virus-Pandemie auf Europa steht die EZB Gewehr bei Fuß, die Krise stärker zu bekämpfen. Falls nötig, werde man weitere Impulse setzen, erklärte die Europäische Zentralbank in Frankfurt am Mittwoch. Man sei bereit, alle Maßnahmen gegebenenfalls anzupassen, sollte dies erforderlich sein. Es gehe darum, "die Liquidität im Bankensystem zu sichern" und die "reibungslose Übertragung" der Geldpolitik in allen Ländern zu gewährleisten. EZB-Vizepräsident Luis de Guindos sagte, die Zentralbank werde mutige Schritte unternehmen, sollte es erforderlich sein. Die Notenbank hat dafür laut Ratsmitglied Robert Holzmann jede Menge Spielraum. Der "Instrumentenkasten der Geldpolitik" sei nach wie vor sehr gut gefüllt, sagte der Chef der Oesterreichischen Nationalbank.

Die EZB hatte am 12. März ein umfassendes Krisenpaket geschnürt, um den Kreditfluss in der Wirtschaft zu stützen. So konnten sich Banken jüngst in einem ersten neuen Geschäft dieser Art Geldspritzen zu sehr günstigen Zinskonditionen sichern. Anders als vom Finanzmarkt erwartet, wurde allerdings keine Zinssenkung auf den Weg gebracht - allerdings hat die EZB hier kaum mehr Spielraum. Ihr Schlüsselzins zur Versorgung der Institute mit Geld liegt bei null. Auch der Einlagensatz - eine Art Strafzins für Banken, die Geld bei der EZB horten - ist bereits bei minus 0,5 Prozent. Zinssenkungen schloss EZB-Chefin Christine Lagarde für die Zukunft aber nicht aus. Wenn dies nötig sei, "werden wir das machen", sagte sie nach der jüngsten Zinssitzung.

Der Chefvolkswirt des Schweizer Bankhauses Bantleon, Daniel Hartmann, geht davon aus, dass auch gänzlich neue Instrumente zum Einsatz kommen könnten. Für denkbar hält er etwa, dass die EZB zusätzlich zu ihren Anleihenkäufen auch börsennotierte Fonds (ETF) erwerben könnte. Auch den Kauf von Bankanleihen schloss er nicht aus. Seine Prognose: "Je nach Heftigkeit des Konjunktureinbruchs könnten weitere Schritte eventuell schon vor der nächsten planmäßigen Zinssitzung des EZB-Rats am 30. April beschlossen werden."

HELIKOPTERGELD IN USA IM ANFLUG

In den USA hat die Notenbank den Leitzins bereits in zwei Schritten außer der Reihe auf fast null gedrückt. Sie stemmt sich zudem mit neuen Krisenmaßnahmen gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie. Die Währungshüter kündigten am Dienstag Schritte zur Stützung der kurzfristigen Finanzierung von Unternehmen an. Damit treten sie der Furcht vor einer Pleitewelle entgegen, die in Folge des sich rasant ausbreitenden Virus aufgekommen war. Die US-Regierung flankiert diese Initiative mit geplanten massiven Hilfen zur Bewältigung der Auswirkungen der Krise in einem Billionenvolumen - neben Krediten sollen auch Barschecks an Bürger die Wirtschaft und insbesondere den Konsum beleben.

Top-Ökonomen raten allerdings hierzulande von Steuerschecks nach dem Gießkannenprinzip für alle deutschen Bürger ab. "Jetzt brauchen spezielle Gruppen liquide Mittel, zum Beispiel Einzelunternehmer, Gastwirte, kleine Firmen", sagte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Gabriel Felbermayr, der Nachrichtenagentur Reuters. "Denen muss gezielt geholfen werden." Sogenanntes Helikoptergeld - eine pauschale Auszahlung an alle Bürger - würde auch Personen gezahlt, die das Geld gar nicht bräuchten.

Ähnlich sieht dies das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK). "Wir müssen gezielt den besonders betroffenen Gruppen helfen, also Kurzarbeitern und Arbeitslosen", sagte dessen Wissenschaftlicher Direktor Sebastian Dullien.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kurzarbeit in Deutschland: 133 Millionen Stunden verloren – ein Warnsignal
09.05.2026

Die Zahl ausgefallener Arbeitsstunden durch Kurzarbeit steigt weiter an und signalisiert eine wachsende Belastung für die deutsche...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Warum Europas Unternehmen unter Regulierung leiden
09.05.2026

Zwar gilt die EU vielen als Anker für Stabilität, doch im Mittelstand wächst der Unmut. Die regulatorische Dichte aus Brüssel wird...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Wenn Führungskräfte scheitern: Warum Unternehmen Ideen oft nicht umsetzen
09.05.2026

Viele Führungskräfte scheitern nicht an Strategie oder Marktbedingungen, sondern daran, wie sie ihre Ideen im Unternehmen vermitteln und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Volvo EX60: Warum dieses Elektro-SUV Mercedes, BMW und Audi nervös machen dürfte
09.05.2026

Volvo baut mit dem EX60 nicht einfach ein neues Elektro-SUV, sondern eine Wette auf die Zukunft der Marke. Der Wagen soll beweisen, dass...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Streit um Obi-Orange: Warum Farben über Marken-Erfolg entscheiden
09.05.2026

Der Baumarkt Obi steht vor dem Bundesgerichtshof (BGH) im Streit um den rechtlichen Schutz seiner markanten Hausfarbe Orange. Der Fall...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Milliardenbaustelle Deutschland: Warum Großprojekte oft scheitern – und was sich strukturell ändern muss
09.05.2026

Vom Hauptstadtflughafen bis zum Bahnknoten Stuttgart: Deutschlands Großprojekte entwickeln sich oft zu Dauerbaustellen mit Kosten in...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Investitionen: Big Tech verbrennt Milliarden und muss Rendite liefern
09.05.2026

Die großen US-Techkonzerne melden starkes Wachstum, doch die Euphorie bekommt Risse. Microsoft, Amazon, Meta und Alphabet pumpen enorme...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: S&P 500 und Nasdaq wieder auf historischen Höchstständen
08.05.2026

Ein Handelstag der extremen Kontraste: Warum an der Börse Euphorie herrscht, während die Alltagssorgen wachsen.