„Sicherer Hafen“: Massiver Kapitalabfluss aus Asien in die USA

 

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19.03.2020 18:44  Aktualisiert: 19.03.2020 18:44
Internationale Anleger ziehen ihr Kapital wegen der Corona-Krise aus der asiatisch-pazifischen Region in die USA ab. Die USA sind aufgrund des starken Dollars ein "sicherer Hafen" für das Fluchtkapital, bestätigte ein Insider den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Russland kann hingegen auf dem Anleihemarkt punkten.
„Sicherer Hafen“: Massiver Kapitalabfluss aus Asien in die USA
Das Kapitol in Washington, D.C. (Foto: dpa)

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Die Financial Times bestätigt, dass China seit Januar 2020 unter einer Kapitalflucht leidet. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtet, dass auch Südkorea bald einen massiven Kapitalabfluss erleben könnte. “Niemand weiß, was passieren wird, wenn die Coronavirus-Krise zu einer beispiellosen globalen Finanz- und Wirtschaftskrise wird”, so die Agentur.

Der Leiter der Kapitalmarktanalyse-Abteilung der Baader Bank, Robert Halver, teilte den Deutschen Wirtschaftsnachrichten mit, dass internationale Anleger ihr Kapital aus der asiatisch-pazifischen Region abziehen, um sie vor allem in den USA, das aktuell als “sicherer Hafen” gilt, anzulegen.

Russland

Das investigative Wirtschaftsportal bne Intellinews führt in einem Beitrag vom 17. März 2020 aus: “Ängste vor dem Coronavirus, Unsicherheit über die Wachstumsaussichten und niedrige Ölpreise dürften einen erheblichen Kapitalabfluss aus dem russischen Markt auslösen, der die russische Währung noch stärker unter Druck setzen dürfte (...) Unserer Meinung nach lassen erhöhte Kapitalabflüsse aus Russland in Verbindung mit dem schwachen Rubel und höheren Inflationsrisiken der russischen Notenbank keinen Raum, ihre Geldpolitik zu lockern. Obwohl der Markt nach Interbankensätzen eine Zinssenkung von mindestens 25 Basispunkten erwartet, glauben wir, dass die Notenbank den Leitzins bei der nächsten Sitzung am 20. März unverändert bei sechs Prozent halten wird.”

Die Lage in Russland gestaltet sich hinsichtlich der Kapitalbewegungen etwas anders. Die Corona-Pandemie und die Panik auf den Weltmärkten haben in Russland zwar dazu geführt, dass Staatsanleihen abgestoßen wurden, doch es fand im selben Zeitraum erstaunlicherweise auch etwa anderes statt. Seit Beginn des Jahres haben sich ausländische Investoren auch in russische Staatsanleihen eingekauft. “Der Anteil ausländischer Investoren am russischen Schuldenmarkt stieg bis zum 17. März um ein Prozentpunkt auf 32,3 Prozent. Dies ist einer der höchsten Stände der vergangenen Jahre”, berichtet kxan.com - ein mit NBC verbundener Fernsehsender. Es ist durchaus möglich, dass russische Milliardäre, die im Ausland operieren, ihr Geld repatriieren, um in russische Staatsanleihen zu investieren. Das war zumindest in der Vergangenheit immer wieder der Fall.

Die Lage in den Schwellenländern

Die Lage in den anderen Schwellenländern ist angespannt. FX Street führt aus: “Die Notenbanken der Industrieländer treten weiterhin auf das geldpolitische Lockerungspedal. Und dies ist eine traditionelle Möglichkeit für sie, die Wirtschaft angesichts einer drohenden Rezession zu unterstützen (...) Brasilien, die Türkei, die Ukraine und viele andere haben nach China den Zusammenbruch der nationalen Währungen und die Risiken von Kapitalabflüssen ignoriert und ihre monetären Bedingungen in Anlehnung an die Industrieländer gemildert. Gestern (18. März 2020, Anm. d. Red.) hat die Bank of Brazil ihren Leitzins um 50 Punkte auf 3,75 Prozent gesenkt, obwohl der Real seit Jahresbeginn mehr als 20 Prozent verloren hat. Die Bank of Turkey hat ihren Zinssatz in diesem Jahr dreimal (...) gesenkt. Auch Indonesien und Taiwan haben heute Morgen (19. März 2020, Anm. d. Red.) ihre Raten gesenkt.”

Diese Entwicklung ist deshalb interessant, weil die Notenbanken der Schwellenländer zuvor auf hohe Zinssätze gesetzt hatten, um das Interesse der Anleger an hochrentierlichen Währungen aufrechtzuerhalten. Jetzt hat sich ihr Fokus vom Kapitalzufluss auf die Erhaltung bereits angezogener Investoren und den Wunsch, die Kreditvergabe innerhalb des Landes zu unterstützen, verlagert.

S&P Global Ratings bestätigt, dass die asiatisch-pazifischen Länder zu jenem Raum gehören, der eine massive Kapitalflucht erlebt, da die wirtschaftliche Rezession in diesem Teil der Welt aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus-Krankheit “garantiert” ist. “Ein enormer Schock im ersten Quartal in China, Stillstände in den USA und in Europa sowie die Übertragung lokaler Viren garantieren eine tiefe Rezession im asiatisch-pazifischen Raum (...) Unsere Schätzung der dauerhaften Einkommensverluste wird sich wahrscheinlich auf mehr als 400 Milliarden US-Dollar mindestens verdoppeln. Für die Kreditmärkte ist eine Schlüsselfrage, wie diese Verluste auf Staaten, Unternehmen, Banken und private Haushalte verteilt sind”, zitiert der Manila Standard Shaun Roache von S&P Global Ratings.

Der indonesische Aktienindex JKSE fiel beispielsweise am 17. März 2020 um fünf Prozent, während die Landeswährung Rupiah 1,7 Prozent an Wert verlor, da derzeit Kapitalabflüsse stattfinden. Einen Tag später senkte die indonesische Notenbank ihre Leitzinsen um 25 Basispunkte auf 4,75 Prozent und kaufte Staatsanleihen im Wert von etwa zwei Milliarden US-Dollar gekauft, um die Kapitalabflüsse während der Coronavirus-Epidemie einzudämmen.

Kapitalabflüsse in Afrika

Fitch Ratings zufolge ist auch der afrikanische Kontinent von einem Kapitalabfluss bedroht. wo In diversen afrikanischen Staaten haben die Regierungen nur wenige Instrumente zur Bekämpfung externer Schocks. “Die schlechte Stimmung wirkt sich nicht nur auf die Finanzierung auf den internationalen Märkten aus, sondern könnte auch zu Portfolioabflüssen führen, bei denen Anleger in Ländern wie Nigeria, Ägypten, Ghana und Südafrika in Schuldtitel in lokaler Währung investiert haben”, zitiert Bloomberg Mahmoud Harb, Direktor bei Fitch. Im März 2020 sollen ausländische Investoren ihre südafrikanischen Staatsanleihen weitgehend abgestoßen haben.

Ein starrer Wechselkurs, schwindende Währungsreserven und eine hohe Abhängigkeit von ausländischen Kapitalzuflüssen werden die Fähigkeit der afrikanischen Regierungen, mit niedrigeren Einnahmen umzugehen, einschränken, so Harb.

Starker Dollar, schwacher Dollar

Kuniyuki Hirai von Mitsubishi UFJ Financial Group (MUFG) hatte Anfang März 2020 darauf aufmerksam gemacht, dass auch die USA von Kapitalabflüssen - zumindest - bedroht seien. Multinationale Unternehmen und ausländische Investoren, die in den USA aktiv sind, könnten Kapital zurückführen, wenn die Zahl der Infektionen innerhalb und außerhalb Chinas weiter zunimmt und die Wirtschaftstätigkeit weltweit drückt. Eine groß angelegte Rückführung könnte zu massiven Abflüssen nach Asien und Europa führen - und den Dollar gegenüber den Währungen dieser Regionen schwächen, sagte er. Doch Hirai geht offenbar vor allem von japanischen Investoren aus. Japanische Unternehmen und Investoren hatten Mitte der 1990er Jahre nach dem Zusammenbruch der japanischen Vermögensblase und den wirtschaftlichen Problemen Kapital aus den USA in Richtung Japan abgezogen. Doch Hirais Aussage findet aktuell keine Gültigkeit, da sich der Dollar gegenüber dem Euro erholt hat und relativ stark ist.

Im vergangenen Jahr gab es einen Zustrom ausländischen Kapitals in die USA, wodurch der S&P 500 Index um 30 Prozent zulegte. Diesen Trend habe es zwar seit dem Jahr 2009 gegeben, doch im vergangenen Jahr wurde ein regelrechter Rekord aufgestellt.

Der Devisenmarkt ist Hirai zufolge im Gegensatz zu den Aktienmärkten derzeit nicht in der Lage, die möglichen wirtschaftlichen Auswirkungen des Corona-Virus einzuschätzen, da Währungsinvestoren noch nicht sicher sind, ob diese Auswirkungen vorübergehend oder strukturell sein werden.

Fiskalpolitik: IWF will Schwellenländer stützen

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat erklärt, er sei “bereit”, bis zu einer Billion US-Dollar zu verleihen, da er die internationalen Regierungen ermutigen will, ihre Volkswirtschaften vor dem Corona-Virus zu schützen.

IWF-Chefin Kristalina Georgieva sagte am 16. März 2020, dass die Argumente für einen koordinierten globalen fiskalischen Anreiz “von Stunde zu Stunde stärker” werden.

Zuvor hatte der IWF angekündigt, dass er Schwellen- und Entwicklungsländern im Rahmen verschiedener Notfallfinanzierungs-Programme rund 50 Milliarden US-Dollar zur Verfügung stellen werde. Georgieva lobte das Versprechen Großbritanniens, 195 Millionen US-Dollar zur Unterstützung der ärmsten Länder beim Schuldenerlass beizutragen, damit sie über kostenlose Mittel für die Gesundheitsausgaben verfügen können. Sie sagte, dass der Catastrophe Containment and Relief Trust des Fonds “den ärmsten Ländern beim sofortigen Schuldenerlass helfen kann, wodurch wichtige Ressourcen für Gesundheitsausgaben, Eindämmung und Schadensminderung freigesetzt werden”.

“Als erste Verteidigungslinie kann der Fonds sein flexibles und schnell auszahlbares Notfall-Toolkit einsetzen, um Ländern mit dringenden Zahlungsbilanzbedürfnissen zu helfen. Der Fonds hat bereits 40 laufende Vereinbarungen. In vielen Fällen können diese Vereinbarungen ein weiteres Mittel für die rasche Auszahlung von Krisenfinanzierungen darstellen”, so Georgieva. Damit wird deutlich, dass der IWF alles daran setzt, um die fiskalpolitische Bewegungsfreiheit der Regierungen der Schwellen- und Entwicklungsländer zu garantieren.

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Cüneyt Yilmaz ist Absolvent der oberfränkischen Universität Bayreuth. Er lebt und arbeitet in Berlin.


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