Finanzen

Rezession dank Corona-Hysterie: Einkaufsmanager-Indizes in Europa und den USA brechen massiv ein

Die Dienstleistungsbranche in ganz Europa erwartet offenbar eine schwere Rezession. Der entsprechende Einkaufsmanagerindex ist auf ein Rekordtief eingebrochen, ebenso wie in den USA.
24.03.2020 11:27
Aktualisiert: 24.03.2020 11:27
Lesezeit: 2 min
Rezession dank Corona-Hysterie: Einkaufsmanager-Indizes in Europa und den USA brechen massiv ein
Eine Anzeige mit gestrichenen Flügen. (Foto: dpa) Foto: Christoph Soeder

Die Corona-Pandemie und die mit ihr verbundenen Reaktionen wie Kontaktverbote und Medien-Hysterien lässt die Wirtschaft der Euro-Zone in beispiellosem Tempo einbrechen. Besonders den Dienstleistern machen die Quarantäne-Maßnahmen schwer zu schaffen. Der Einkaufsmanagerindex für diesen mit Abstand größten Wirtschaftssektor der Währungsunion fiel im März um 24,2 auf das Rekordtief von 28,4 Punkten, wie das Institut IHS Markit am Dienstag zu seiner Umfrage unter Tausenden Unternehmen mitteilte. Der Einbruch kommt in dieser Stärke überraschend: Ökonomen hatten lediglich mit einem Rückgang auf 39,0 Punkte gerechnet. Das Barometer zeigt erst ab 50 ein Wachstum an.

"Die Geschäftsaktivitäten in der gesamten Euro-Zone brachen im März in einem Ausmaß ein, wie es selbst auf dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise nicht gesehen wurde", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. "In Frankreich, Deutschland und im Rest der Euro-Zone war ein starker Abschwung zu verzeichnen, da die Regierungen immer härtere Maßnahmen ergriffen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen." Das hinterlässt sichtbare Bremsspuren. "Viele Aktivitäten wurden ganz eingestellt", sagte Commerzbank-Ökonom Christoph Weil angesichts geschlossener Restaurants, abgesagter Messen und leeren Hotels.

Nicht so tief wie bei den Dienstleistern fiel der Rückgang in der Industrie aus. Hier gab der Einkaufsmanagerindex auf 44,8 von 49,2 Punkte nach. Das ist der niedrigste Wert seit Juli 2012. Hier hatten Ökonomen mit einem stärkeren Rückgang auf 39,0 Zähler gerechnet. "Viele Unternehmen stellen die Produktion zum Schutz der Belegschaft oder wegen fehlender Vorprodukte ein", sagte Weil.

"VOR KRÄFTIGER REZESSION"

Insgesamt deuteten die Daten auf einen Einbruch des Bruttoinlandsproduktes in der Währungsunion im zu Ende gehenden ersten Quartal von zwei Prozent hin, sagte Williamson. "Und es ist klar, dass sich der Abschwung noch weiter verstärken könnte", betonte der Chefvolkswirt. Die Commerzbank-Analysten rechnen ebenfalls erst für das Frühjahr mit dem Tiefpunkt. "Das ganze Ausmaß der Krise werden wir aber wohl erst im zweiten Vierteljahr sehen", sagte Ökonom Weil. "Hier rechnen wir mit einem weiteren Minus von bis zu zehn Prozent." Sollte es gelingen, die Pandemie bis zur Jahresmitte einzudämmen, dürfte es in der zweiten Jahreshälfte wieder kräftig nach oben gehen. "Aber auch in diesem Fall wird für das Gesamtjahr 2020 ein Minus von vier Prozent zu Buche stehen", sagte Weil.

Auch das deutsche Barometer brach im März ein, womit das bereits vergangene Woche veröffentlichte Ergebnis einer Umfrage des Ifo-Instituts unter 9000 Manager bestätigt wurde. Der Einkaufsmanagerindex für die Dienstleister fiel im März auf 34,5 Punkte und damit auf den tiefsten Wert seit Beginn der Datenerhebung im Juni 1997. "Der beispiellose Rückgang zeigt, dass Deutschland vor einer Rezession steht – vor einer kräftigen sogar", sagte Markit-Ökonom Phil Smith. Die Bundesregierung will mit einem weiteren rund 750 Milliarden Euro schweren Hilfspaket die schlimmste Wirtschaftskrise seit einem Jahrzehnt abfedern.

Auch die meisten anderen Euro-Staaten haben umfangreiche Rettungspakete geschnürt. Die Europäische Zentralbank sorgt zugleich für Liquidität bei den Banken und in den Anleihemärkten. "Doch das einzige, was den Aktienmärkten eine nachhaltige Erholung bringen kann, sind Entspannungssignale bei den Neuinfektionen", sagte der Chefvolkswirt von Union Investment, Jörg Zeuner. "Das entscheidet über den weiteren Verlauf der Wirtschaftsaktivität nach Ostern."

Auch die Geschäfte der US-Wirtschaft sind im März wegen der Corona-Krise so stark eingebrochen wie noch nie. Der gemeinsame Einkaufsmanagerindex für Industrie und Dienstleister fiel um 9,1 auf das Rekordtief von 40,5 Punkten, wie das IHS Markit am Dienstag zu seiner monatlichen Umfrage unter Unternehmen mitteilte. Erst ab 50 signalisiert das Barometer ein Wachstum. "Die Umfrage unterstreicht, dass sich die USA wahrscheinlich bereits in einer Rezession befinden, die sich unweigerlich noch weiter vertiefen wird", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson.

Besonders heftig erwischte es die Dienstleister. Hier fiel das Barometer auf das Rekordtief von 39,1 Zählern. Die Dienstleister machen etwa zwei Drittel der weltgrößten Volkswirtschaft aus.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Musk spendet Millionen an Republikaner: Politische Annäherung an Trump?
04.02.2026

Elon Musk sendet mit einer neuen Spende ein politisches Signal an das republikanische Lager. Deutet der Schritt auf eine erneute...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Chiphersteller AMD übertraf Investorenerwartungen, konnte den Kursrutsch jedoch nicht verhindern
03.02.2026

Die US-Börsen warteten gespannt auf die Ergebnisse von AMD, in der Hoffnung, eine Bestätigung für das anhaltende Wachstum des KI-Sektors...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Börse färbt sich rot: Technologiesektor zieht US-Märkte ins Minus
03.02.2026

Die Hoffnung auf einen neuen Rekord an den US-Börsen wich schnell Kursverlusten, und der Handelstag endete in den roten Zahlen.

DWN
Finanzen
Finanzen Trumps Politik schwächt Dollar: US-Währung verliert an Einfluss weltweit
03.02.2026

Trumps Wirtschaftspolitik lässt den Dollar schwanken und bringt Anleger in Alarmbereitschaft. Die US-Währung hat seit seiner...

DWN
Politik
Politik Kevin Warsh als FED-Vorsitzender: Mehr Stabilität oder neue Unsicherheit?
03.02.2026

Die Nominierung von Kevin Warsh als Vorsitzenden der US-Notenbank verschiebt die Erwartungen an die künftige Geldpolitik und beeinflusst...

DWN
Panorama
Panorama Tanken in Deutschland: Spritpreise steigen wegen Rohöl und CO2-Preis
03.02.2026

Sprit wird teurer: Benziner und Diesel kosten im Januar deutlich mehr. Haupttreiber sind steigende Rohölpreise und die neue CO2-Abgabe.

DWN
Politik
Politik Nato-Generalsekretär Rutte zu Besuch in Kiew
03.02.2026

Russlands Angriffe auf die Ukraine treffen erneut die Energieinfrastruktur. Hunderttausende Menschen stehen ohne Heizung und Strom da....

DWN
Finanzen
Finanzen Zalando-Aktie bricht ein: TikTok-Konkurrenz verunsichert Anleger
03.02.2026

Ein einziger Analystenkommentar reicht – und schon rauscht die Zalando-Aktie in den Keller. Die Anleger fürchten, dass globale...