Politik

EU-Kommission will Schulden in Billionenhöhe aufnehmen, Mitgliedsländer sollen bürgen

Die EU-Kommission plant Medienberichten zufolge, hunderte Milliarden Euro über Anleihen aufzunehmen. Die Rückzahlung der Schulden soll den Vorstellungen der Kommission zufolge von den EU-Staaten garantiert werden.
14.04.2020 09:00
Aktualisiert: 14.04.2020 09:34
Lesezeit: 1 min
EU-Kommission will Schulden in Billionenhöhe aufnehmen, Mitgliedsländer sollen bürgen
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. (Foto: dpa) Foto: Uwe Anspach

Bei der EU-Kommission ist einem Medienbericht zufolge für die von der Coronakrise gebeutelte Wirtschaft ein Wiederaufbaufonds im Volumen von 1,5 Billionen Euro im Gespräch. "Ich könnte mir solch einen Finanzrahmen vorstellen", zitierte das Handelsblatt den für Wirtschaft zuständigen Vizepräsidenten der EU-Kommission, Valdis Dombrovskis. Die Kommission plane einen Wiederaufbaufonds, der mit Anleihen finanziert wird, "die mit einer Bürgschaft der Mitgliedstaaten unterlegt werden". Über die endgültige Höhe sei aber noch nicht entschieden. Dombrovskis ließ der Zeitung zufolge offen, ob es sich bei den geplanten europäischen Anleihen um die umstrittenen Euro-Bonds handelt.

Ob und wie sich solche Anleihen von den umstrittenen Corona-Bonds unterscheiden, beantwortete Dombrovskis nicht. „Wenn von 'Corona-Bonds' oder 'Euro-Bonds' die Rede ist, stellen sich verschiedene Leute darunter sehr verschiedene Dinge vor“, sagte er. „Wir brauchen erst einmal eine klare Definition, was das überhaupt ist.“

Die Kommission sei offen für alle Optionen, die der EU-Vertrag erlaube und über die sich die Mitgliedsstaaten einig seien. „Für Euro-Bonds gilt dies bekanntlich nicht“, sagte Dombrovskis. Die von der Kommission erwogenen Anleihen hält er indes für zulässig. Schon in der Schuldenkrise habe die Kommission Anleihen herausgegeben, und jetzt wieder beim Kurzarbeiter-Programm „Sure“. „Die Technik ist also keineswegs neu“, sagte Dombrovskis. In dieser beispiellosen Krise sei es nötig, „aus alten Denkmustern auszubrechen“.

Am 24. April wollen sich die EU-Staats- und Regierungschefs in einer Videokonferenz mit den wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise befassen. Der Wiederaufbaufonds sei dann auch Thema, sagte Dombrovskis.

Die europäischen Finanzminister hatten sich vergangene Woche nach zähen Verhandlungen auf ein mindestens 500 Milliarden Euro schweres Corona-Rettungspaket verständigt. Hinzu kommen vorsorgliche Kreditlinien, die beim europäischen Rettungsfonds ESM abgerufen werden können. Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire sagte, als weiteres Element werde es nach der Krise einen Wiederaufbaufonds geben. Hier ist das Volumen noch offen. Le Maire deutete aber an, dass es ebenfalls 500 Milliarden Euro werden könnten. Der Streit über gemeinsame Anleihen der Euro-Länder wurde zwar ausgeklammert, flammte aber sofort wieder auf.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Energiekrise in Europa: Die nächste gefährliche Abhängigkeit bedroht die EU
15.07.2026

Die Straße von Hormus ist blockiert, Europas Energiepreise bleiben hoch und selbst Diesel könnte knapp werden. Zwei der wichtigsten...

DWN
Politik
Politik Merz sieht Koalition auf gutem Weg - aber nicht am Ziel
15.07.2026

Die Sommerpressekonferenz des Bundeskanzlers hat Tradition. Diesmal stellte sich Amtsinhaber Friedrich Merz den Fragen der Journalisten...

DWN
Politik
Politik EU schmiedet Drohnen-Pakt mit der Ukraine
15.07.2026

Die EU und die Ukraine wollen ihre Drohnenproduktion gemeinsam ausbauen, während Kiew den Seekrieg gegen Russland auf eine neue Stufe...

DWN
Finanzen
Finanzen ASML-Aktie überrascht mit starken Quartalszahlen
15.07.2026

Die ASML-Aktie setzt ihren Höhenflug fort: Der Chipausrüster hebt nach überraschend starken Quartalszahlen erneut seine Prognose an und...

DWN
Technologie
Technologie Absatzkrise der Autobauer: Nicht nur VW und Co. verlieren
15.07.2026

Deutsche Autobauer verlieren beim Absatz, doch auch andere große Hersteller kämpfen mit Rückgängen. Am stärksten leidet dabei ein...

DWN
Unternehmen
Unternehmen 220 Euro pro Kopf: War das der Höhepunkt der Bahn-Investitionen?
15.07.2026

Der Bund investiert so viel wie nie in die Schiene – doch schon in wenigen Jahren droht wieder der Rückwärtsgang. Die Bahnbranche warnt...

DWN
Finanzen
Finanzen Investieren für Kinder: Diese Entscheidungen können teuer werden
15.07.2026

Beim Ansparen für ein Kind hängt das Ergebnis nicht allein von der Rendite der Anlage ab. Es ist ebenso wichtig, auf wessen Namen das...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie kaufen? Der Superzyklus steht erst am Anfang
15.07.2026

Der Wert der Rheinmetall-Aktie hat sich seit 2022 bereits vervielfacht. Russlands Krieg gegen die Ukraine, Europas Aufrüstung und...