Deutschland

Privatbrauereien kämpfen gegen Corona

Die privaten Brauereien haben sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten gar nicht mal so schlecht entwickelt. Jetzt droht ihnen allerdings durch die Corona-Pandemie eine mehr als ernste Krise.
21.04.2020 10:24
Aktualisiert: 21.04.2020 10:24
Lesezeit: 2 min
Privatbrauereien kämpfen gegen Corona
Die Zapfhähne stehen nach wie vor still - auch wenn es schon einige Lockerungen von den Corona-Beschränkungen gibt. (Foto: dpa) Foto: Jens B

Die Bierindustrie gehört zu den Branchen, die stark von der Corona-Pandemie unter Druck kommen – und zwar insbesondere die kleinen Brauereien. Ein Grund: Viele Gaststätten sind geschlossen, weil der deutsche Staat soziale Kontakte der Bürgerinnen und Bürger einschränken will. Zudem werden zahlreiche Veranstaltungen abgesagt.

Jetzt hat die traditionsreiche bayerische Wernecker Bierbrauerei aus dem Landkreis Schweinfurt angekündigt, dass sie zum 30. September ihren Betrieb einstellt. „Nachdem es die letzten drei Jahre wieder aufwärts ging und 2020 mit vielen Veranstaltungen sehr gut ausgesehen hatte, hat Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht“, heißt es in einem Schreiben, das die Inhaberfamilie Lang auf ihrer Facebook-Seite veröffentlicht hat. „Die Familie ist unendlich müde und wird den neuen, riesigen Kampf nicht mehr aufnehmen“, erklären die Eigentümer der Brauerei.

Damit verlieren die 15 Mitarbeiter und einige 450 Euro-Arbeitskräfte ihren Job. Für die Region war diese Nachricht sehr unangenehm, weil die Wernecker Bierbrauerei über eine lange Geschichte verfügt. Sie wurde 1617 gegründet – und macht somit nach mehr als 400 Jahren ihre Pforten dicht. Auch andere Betriebe in Deutschland werden derzeit in Mitleidenschaft gezogen, auch wenn die Schwierigkeiten nicht ganz so groß sind.

Dazu gehört die Privatbrauerei Ernst Barre aus dem ostwestfälischen Stadt Lübbecke, die normalerweise pro Jahr Umsätze in zweistelliger Millionen-Euro-Höhe generiert. Zur Einordnung, welche wirtschaftliche Rolle der Betrieb in der Region spielt: Der Landkreis Minden/ Lübbecke, wo das Unternehmen 1842 gegründet wurde, erreicht ein jährliches Bruttoinlandsprodukt (BIP) von weit mehr als zehn Milliarden Euro.

So kündigt Christoph Barre, der geschäftsführender Gesellschafter der Brauerei, in einer offiziellen Erklärung Kurzarbeit an. Außerdem will der Manager, der den Betrieb in der sechsten Generation leitet, Investitionsprojekte, die nicht absolut notwendig sind, erst einmal verschieben.

„Langfristige Folgen sind noch nicht absehbar. Bleibt zu hoffen, dass der Ausnahmezustand nicht allzu lange anhält. Unserer Aufgabe als regionale Brauerei sehen wir nun auch darin, unseren Kunden als Partner zur Seite zu stehen, um diese schwere Zeit gemeinsam zu überstehen. Fakt ist aber, dass die Brauerei mit enormen Verlusten beim Bierabsatz konfrontiert ist“, sagt Barre.

Grundsätzlich positive Entwicklung bei den Brauereien

Eigentlich hatte die Entwicklung am Markt bis zum Ausbruch der Krise gar nicht so schlecht ausgesehen. Denn die Zahl der Brauereien war in Deutschland im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr leicht auf 1.548 Betriebe gestiegen. Wie der Deutsche Brauerei Bund (DBB) mitteilt, waren in den vergangenen zwei Jahrzehnten sogar 267 mehr Unternehmen registriert worden. Jetzt kommen die Betriebe aber aufgrund der Krise verstärkt unter Druck. Ob es noch weitere Schließungen nach der Wernecker Bierbrauerei geben wird, ist allerdings nach Einschätzung des Verbandes Private Brauereien Bayern noch nicht klar:

„Stand heute gibt es noch keine Prognose wie sich die Pandemie weiterentwickeln wird und welche Schlüsse und Maßnahmen die Politik daraus ziehen beziehungsweise beschließen wird“, sagt Hauptgeschäftsführer Stefan Stang den Deutschen Wirtschaftsnachrichten (DMN). „Für die mittelständischen Brauereien hängt es auch davon ab, ob sich nach der „Stillstandsphase“ bis Mitte April Wiedereinstiegsszenarien entwickeln, die die Absätze wieder ankurbeln. Wenn dies erst später geschehen kann, werden sich die Rahmenbedingungen für viele Wirtschaftszweige natürlich weiter verschärfen, auch für mittelständische Brauereien“, so Stang.

DWN
Finanzen
Finanzen Steigende Ausschüttungen: Diese Dividendenaktien gelten als besonders robust
03.05.2026

Dividendenaktien mit jahrzehntelang steigenden Ausschüttungen gelten als stabiler Baustein für langfristige Anleger. Doch wie sinnvoll...

DWN
Politik
Politik AfD bei 28 Prozent - vor der Union: 76 Prozent mit Bundesregierung unzufrieden
03.05.2026

Bald ein Jahr ist Schwarz-Rot im Amt, doch innerhalb der Bevölkerung herrscht wenig Optimismus für die Zukunft der Koalition. Und was...

DWN
Finanzen
Finanzen Hin und Her macht Taschen leer: Wenn Emotionen den Markt treiben
03.05.2026

Die Börse zittert – nicht wegen Fakten, sondern wegen Stimmungen. Tweets, Schlagzeilen und kurzfristige Impulse treiben Kurse in...

DWN
Finanzen
Finanzen Kunst als alternative Geldanlage: Warum Einsteiger oft klein beginnen müssen
03.05.2026

Der Aufbau einer Sammlung wirkt für viele komplex und exklusiv, doch zunehmend rücken auch erschwingliche Objekte als alternative...

DWN
Finanzen
Finanzen V2G für E-Autos: Wie Fahrzeughalter am Strommarkt verdienen könnten
03.05.2026

E-Autos könnten mit V2G künftig stärker in das Stromnetz eingebunden werden und Besitzern neue Einnahmen ermöglichen. Welche Hürden...

DWN
Politik
Politik Energiepreise: EU erlaubt mehr Staatshilfen für Industrie und Landwirte
03.05.2026

Die Industrie ächzt unter hohen Energiepreisen, Landwirte sorgen sich mit Blick auf Düngemittel. Die EU-Staaten dürfen ihnen deshalb...

DWN
Panorama
Panorama Kultfahrzeuge aus der DDR: Warum Trabant, Wartburg und Simson weiterleben
03.05.2026

Einst ausgemustert, heute begehrt: Fahrzeuge aus der DDR gelten als Kultobjekte mit wachsender Fangemeinde. Doch hinter dem nostalgischen...

DWN
Finanzen
Finanzen Stagflationsschock: EU warnt vor Finanzkrise durch milliardenschwere Energiepreisbremsen
03.05.2026

Die EU-Kommission warnt vor einer Finanzkrise infolge des Irankriegs. Grund sind die um 60 Prozent gestiegenen Energiepreise und drohende...