Finanzen

Gemeinsam durch die Corona-Krise: Europas Mittelstandsverbände richten Forderungen an die EU-Kommission

Der Mittelstandsdachverband European Entrepreneurs, dessen Präsident Mario Ohoven ist, richtet im Rahmen einer Resolution klare Forderungen an die EU-Kommission, um eine rasche Erholung der europäischen Volkswirtschaften zu erzielen. Das Augenmerk der Resolution liegt auf den Kleinen- und Mittelständischen Unternehmen.
20.04.2020 18:10
Aktualisiert: 20.04.2020 18:10
Lesezeit: 2 min
Gemeinsam durch die Corona-Krise: Europas Mittelstandsverbände richten Forderungen an die EU-Kommission
Die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen spricht auf einer Pressekonferenz, um die wirtschaftliche Antwort auf die COVID-19 (Coronavirus)-Krise vorzustellen. (Foto: dpa) Foto: Lukasz Kobus

35 nationale Mittelstandsverbände haben am vergangenen Freitag eine Resolution verabschiedet. Die Mehrzahl der Verbände gehört dem Mittelstandsdachverband European Entrepreneurs (CEA-PME) mit Sitz in Brüssel an, dessen Präsident Mario Ohoven ist.

Die Resolution liegt exklusiv den Deutschen Wirtschaftsnachrichten vor und wird bis zum Treffen des Europäischen Rats am 23. April 2020 der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vorgelegt.

Die 35 Verbände führen wörtlich aus: “Die Europäische Union hat immer noch Binnengrenzen, und das haben wir jetzt trotz Schengen wieder gelernt. Aber unser Leben und unsere Wirtschaft sind zu eng miteinander verbunden, als dass wir aufeinander verzichten könnten: Die Automobilindustrie kann nicht produzieren, wenn Zulieferer aus ganz Europa nicht liefern können, weil Fabriken oder Grenzen geschlossen sind. Wenn ein Land weiter den Arbeitsbetrieb wieder aufnimmt, während andere Länder noch Zeit brauchen, führt dies zu einem unlauterem Wettbewerb. Europa war vor COVID-19 ein einziger Raum, um sich frei zu bewegen und zu arbeiten. Wir müssen diesen Raum wiedererlangen. Dies erfordert die Aufmerksamkeit aller Mitgliedstaaten: Ihre Politik kann nicht nur Ihren Bürgern und Unternehmen schaden oder sie begünstigen, sondern auch denen in anderen Ländern.”

Deshalb fordern die Verbände:

  • Maßnahmen der EU zur Bereitstellung von Masken und sämtlichem anderen Schutzmaterialien in ganz Europa in Zusammenarbeit zwischen Ländern und Unternehmen (...) Unternehmen benötigen dringend ausreichende Bestände an Schutzmaterial. Um wieder sicher arbeiten zu können, benötigen Krankenhäuser Medikamente, Tests und medizinische Hilfsmittel wie Beatmungsgeräte.
  • Alle Mitgliedstaaten sollten so viel wie möglich tun, um zumindest gezielte Tests bei Personen mit Infektionsverdacht (...) zu verstärken. Am besten wäre ein Test der gesamten Bevölkerung. Dies kostet viel weniger als die Fortsetzung der Ausgangssperre. Das Netzwerk der Prüflabore in Europa sollte besser koordiniert werden, um die Prüfkapazitäten zu erhöhen.
  • Schnelle Identifizierung, Genehmigung und Verteilung von Antikörpertests zur Immunität gegen COVID-19 durch das Gesundheitswesen, damit möglichst viele Bürger bald ein individuelles Zertifikat erhalten, das das Vorhandensein von COVID-19-Antikörpern und damit den Status „immun“ oder „erholt“ garantiert. Unser Vorschlag ist, auf Kosten der Unternehmen alle Arbeitnehmer unter 60 Jahren zu testen, insbesondere im verarbeitenden Gewerbe. Darüber hinaus unterstützen wir die freiwillige Nutzung von Bluetooth-basierten anonymen Kontaktverfolgungs-Apps, die europaweit kompatibel und interoperabel sein sollten, um grenzüberschreitende Rückverfolgung zu ermöglichen und damit auch mehr Freizügigkeit in Europa zu ermöglichen.

Für die Unternehmen fordern die Verbände direkte finanzielle Unterstützung für Selbstständige, Einzelunternehmer, Kleinst- und Kleinunternehmen inkl. kleine Verbände, die alle großen Schwierigkeiten haben, selbst garantierte Kredite zu erhalten. 100-prozentig garantierte Notkredite zu einem Zinssatz von null Prozent in ganz Europa für alle KMU. Signifikante vorübergehende Steuererleichterungen: keine Unternehmenssteuern für ein bis zwei Jahre, abzüglich Einkommenssteuern oder Steuersenkungen, keine Stromsteuern und keine Steuererwartungen.

Ausnahmen von den Vorschriften für staatliche Beihilfen, beispielsweise für 100 Prozent öffentlich garantierte Darlehen, die bereits von der EU für ein Land genehmigt wurden, können problemlos auf alle Mitgliedstaaten ausgedehnt werden.

Liquidität ist entscheidend, sonst könnte die gesamte europäische Wirtschaft versagen. Insbesondere sollten KMU im Mittelpunkt der EU-Agenda zur wirtschaftlichen Erholung stehen. Ein bis fünf Millionen Unternehmen in Europa, die ihre Wettbewerbsfähigkeit wieder aufbauen müssen und eine zweite Chance benötigen, sollten kleine Pauschalzuschüsse gewährt werden. Denn alles, was den Verbänden zufolge neue Ideen fördert, neue Dienstleistungen entwickelt oder neue Produkte fertigstellt, sollte willkommen sein.

“Wenn Europa zusammenarbeitet und seine Bürger in den Mittelpunkt seiner politischen Bemühungen stellt und KMU im Mittelpunkt seiner Wirtschaftsstrategie stehen, können wir alle Herausforderungen und Krisen gemeinsam bewältigen”, so die europäischen Verbände.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Märkte in Aufruhr: Trumps Einfluss und die Risiken in Venezuela treiben XRP zu einem beispiellosen Höhenflug.

Trotz der zunehmenden Spannungen zwischen Washington und Caracas eröffneten US-Aktien leicht im Plus. Der Markt betrachtet die aktuelle...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

avtor1
Cüneyt Yilmaz

                                                                                ***

Cüneyt Yilmaz ist Absolvent der oberfränkischen Universität Bayreuth. Er lebt und arbeitet in Berlin.

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Kurs steigt auf Rekordhoch: Inflation, Fed-Konflikt und Verfallstag im Fokus
13.01.2026

Der DAX-Kurs bekommt Rückenwind aus den USA und hat ein neues Allzeithoch markiert. Doch zwischen Berichtssaison, Fed-Konflikt und...

DWN
Finanzen
Finanzen Geopolitik treibt die Ölpreise aktuell weiter nach oben – Brent-Öl auf dem höchsten Niveau seit Oktober
13.01.2026

Die Ölpreise stehen erneut im Fokus der Märkte, nachdem geopolitische Spannungen und politische Signale die Notierungen antreiben....

DWN
Politik
Politik US-Handelspolitik: Wie Trumps Zollpolitik die Weltwirtschaft belastet
13.01.2026

Die Weltwirtschaft tritt in eine Phase wachsender Unsicherheit ein, in der politische Eingriffe und strukturelle Verschiebungen...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen zwischen Stabilität und Risiko: Ruhige Märkte trotz wachsender Unsicherheiten
13.01.2026

Die US-Börsen sind mit bemerkenswerter Ruhe ins neue Jahr gestartet, obwohl geldpolitische Weichenstellungen, geopolitische Risiken und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Munich Re-Erhebung: Klimawandel lässt Schäden durch Naturkatastrophen steigen
13.01.2026

Extreme Wetterereignisse verursachen weltweit Milliardenschäden, doch nicht jede Katastrophe trifft wie erwartet. Neue Analysen eines...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Zukunft: Der Balanceakt zwischen Wettbewerb, Sicherheit und Nachhaltigkeit
13.01.2026

Die Europäische Union steht vor industriellen Umbrüchen und geopolitischen Verschiebungen. Kann Europa Wettbewerbsfähigkeit, Sicherheit...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Quiet-Firing: Wann Sie ein Unternehmen verlassen sollten
13.01.2026

Kündigungen kommen selten überraschend – oft kündigen sie sich leise an. Wer die feinen Veränderungen im Verhalten von Vorgesetzten...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie im Fokus: Absatzdämpfer bei der Volkswagen-Kernmarke
13.01.2026

Sinkende Verkaufszahlen, regionale Unterschiede und ein schwacher Elektroabsatz setzen die Volkswagen-Kernmarke unter Druck. Während...