Finanzen

Staatsbankrott in Argentinien: BlackRock und Co lehnen eine Umschuldung ab

Großgläubiger Argentiniens wie die Investmentgesellschaften BlackRock und Fidelity haben einen Restrukturierungsvorschlag der Regierung in Buenos Aires abgelehnt. Dieser belaste sie unverhältnismäßig, behaupten die Finanzgiganten.
21.04.2020 12:15
Aktualisiert: 21.04.2020 12:15
Lesezeit: 1 min
Staatsbankrott in Argentinien: BlackRock und Co lehnen eine Umschuldung ab
Buenos Aires: Regierungsvertreter nehmen an einem Treffen mit Präsident Fernandez zum geplanten Schuldenschnitt teil. (Foto: dpa) Foto: Esteban Collazo

Eine Reihe wichtiger Gläubiger hat ein kürzlich unterbreitetes Umschuldungsangebot der argentinischen Regierung abgelehnt. Allerdings erklärte sich die Ad-hoc-Gruppe, zu der riesige Investmentfonds wie BlackRock, Ashmore und Fidelity zählen, am Montag zu weiteren Verhandlungen über die Restrukturierung der Schulden bereit. Die Gruppe hält über ein Viertel der seit 2016 ausgegebenen argentinischen Staatsanleihen und 15 Prozent der Papiere aus der letzten Umschuldung.

„Alle Beteiligten müssen zu einer Lösung beitragen, die Argentinien auf den Weg zu nachhaltigem Wachstum und finanzieller Stabilität bringt“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Gläubiger. „Das Angebot wird diesem Anspruch nicht gerecht und belastet die internationalen Gläubiger unverhältnismäßig.“

Argentiniens Schulden sind nicht mehr tragfähig. Die Regierung der zweitgrößten Volkswirtschaft Südamerikas will deshalb Kredite in Höhe von 68 Milliarden US-Dollar restrukturieren und hatte den Gläubigern in der vergangenen Woche ein Angebot für eine Umschuldung unterbreitet. Demnach sollten die Zinszahlungen um 37,9 Milliarden US-Dollar oder 62 Prozent gesenkt werden, wie Wirtschaftsminister Martín Guzmán sagte. Die Schuldenlast selbst soll um 3,6 Milliarden Dollar oder 5,4 Prozent gekürzt werden. „Es ist klar, dass Argentinien im Moment gar nichts bezahlen kann“, sagte Guzmán. Sowohl Rück- als auch Zinszahlungen sollen deshalb drei Jahre lang gestundet werden. Ab 2023 will die Regierung dann die Zinszahlungen wieder aufnehmen und Schritt für Schritt erhöhen.

Das Angebot sei weniger aggressiv als erwartet, hieß es aus Finanzkreisen. Damit die Regelung greift, müssen die Eigner von 66 Prozent der Staatsanleihen zustimmen. Sollten sich die Parteien nicht einigen, droht Argentinien eine erneute Staatspleite.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte die Schulden Argentiniens zuletzt für nicht tragfähig erklärt und die privaten Gläubiger dazu aufgerufen, auf einen Teil ihrer Forderungen zu verzichten. Der IWF hat Argentinien mit rund 57 Milliarden Dollar selbst den größten Kredit seiner Geschichte eingeräumt – ein Spiel aus drohendem Bankrott, Neuschulden des IWF und als Folge davon weiteren Schuldenkrisen, dass sich seit Jahrzehnten in Argentinien wiederholt.

Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stellenabbau in Deutschland: Angebot an Zeitarbeit schrumpft
13.10.2026

Früher war Zeitarbeit ein boomendes Geschäft: 2017 arbeiteten noch mehr als eine Million Deutsche als Zeitarbeiter. Heute kämpft...

DWN
Finanzen
Finanzen Inflation steigt auf über 3 Prozent
13.10.2026

Die Energiepreise treiben die Inflation in Deutschland auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren: Im September verteuerten sich Waren...

DWN
Politik
Politik Strategische Ölreserven schrumpfen: Wie viel noch verfügbar ist
13.10.2026

Die Freigabe strategischer Reserven sorgt zunehmend für Sorgen. Die Bestände schrumpfen, da sie zur Dämpfung des Preisdrucks eingesetzt...

DWN
Finanzen
Finanzen Trade Republic lockt Sparer mit kostenlosem Altersvorsorgedepot
13.10.2026

Keine Depotgebühren, kostenlose ETFs und staatliche Zuschüsse: Trade Republic will das Altersvorsorgedepot besonders günstig machen....

DWN
Finanzen
Finanzen Hersteller von Metas „Perversen-Brillen“ überrascht mich mit starkem Wettbewerbsvorteil
13.10.2026

Meta bringt künstliche Intelligenz mit seinen Smartbrillen immer näher an den Alltag. Produziert werden sie ausgerechnet von einem...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kapitalflucht aus China: Superreiche fliehen vor Pekings Steuerjagd
13.10.2026

Chinas Superreiche geraten ins Visier des Staates. Peking durchleuchtet Auslandsvermögen, friert Konten ein und verhängt Ausreiseverbote....

DWN
Politik
Politik Russlands ehemaliger Ministerpräsident: Putin machte einen Fehler, den er nicht eingestehen kann
13.10.2026

Russlands früherer Ministerpräsident Michail Kasjanow glaubt nicht an ein baldiges Ende des Ukraine-Kriegs. Putin wisse vermutlich, dass...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte: Wall Street uneinheitlich vor Beginn der Berichtssaison
12.10.2026

Spannung an den US-Börsen: Erfahren Sie, welche entscheidenden Faktoren und Quartalszahlen die Märkte aktuell bewegen.