Finanzen

Schockierende Arbeitslosenzahlen: Amerika steuert auf die schwerste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg zu

Auf dem US-amerikanischen Arbeitsmarkt herrscht Ausnahmezustand.
08.05.2020 16:15
Aktualisiert: 08.05.2020 16:15
Lesezeit: 3 min
Schockierende Arbeitslosenzahlen: Amerika steuert auf die schwerste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg zu
Die Freiheitsstatue in New York. (Foto: dpa) Foto: Andrew Gombert

 

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt in den USA ist wegen der Coronavirus-Pandemie so verheerend wie seit Beginn des Zweiten Weltkriegs nicht mehr, berichtet die dpa. Die Arbeitslosenquote stieg im April auf 14,7 Prozent, wie die US-Regierung am Freitag mitteilte. Experten warnten zudem, dass dies noch nicht das ganze Ausmaß der Krise abbildete. Vor Beginn der Corona-Krise im Februar hatte die Arbeitslosenquote noch bei 3,5 Prozent gelegen, dem niedrigsten Stand seit Jahrzehnten. Im März war die Quote leicht auf 4,4 Prozent angestiegen. In den USA haben wegen der Corona-Krise seit März bereits mehr als 33 Millionen Menschen erstmals Arbeitslosenhilfe beantragt.

Die Arbeitslosenquote für April erfasst wegen einer verzögerten Datenerhebung nur die Lage bis Mitte des Monats. Zudem haben sich viele Arbeitnehmer noch nicht arbeitssuchend gemeldet und werden daher nicht berücksichtigt. Die hohe Arbeitslosenquote bildet daher nicht das ganze Ausmaß der Jobkrise ab. Ein führender Wirtschaftsberater von US-Präsident Donald Trump, Kevin Hassett, warnte im Gespräch mit dem Sender CNN, die Quote könnte im Mai noch über 20 Prozent oder sogar auf bis zu 25 Prozent steigen.

Ein Zeichen der Hoffnung in dem Bericht vom Freitag war jedoch, dass von den 20,5 Millionen Entlassungen im Berichtszeitraum 18,1 Millionen als «temporär» eingestuft wurden. Viele der Arbeitnehmer könnten daher bei einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage rasch wieder eingestellt werden. Analysten warnen allerdings, dass eine komplette Erholung des Arbeitsmarktes selbst im besten Fall nicht vor Ende 2021 wahrscheinlich ist.

Weil die Krankenversicherung in den USA häufig an den Arbeitsplatz gebunden ist, dürften inzwischen nun auch Millionen Amerikaner ihren Versicherungsschutz verloren haben oder können sich diesen nicht mehr leisten - und das inmitten der nach wie vor dramatischen Pandemie.

Fast alle 50 Bundesstaaten verhängten im März Ausgangsbeschränkungen, um die Verbreitung des Coronavirus zu bremsen. Damit kam das öffentliche Leben für die große Mehrheit der rund 330 Millionen Amerikaner zum Erliegen. Viele Geschäfte, Einkaufszentren und Betriebe wurden geschlossen, Restaurants und Hotels blieben leer. Viele Mitarbeiter dieser Unternehmen beantragten Arbeitslosenhilfe. Entlassungen sind in den USA auch einfacher und schneller möglich. Zudem gibt es dort ein automatisches stabilisierendes Element wie die in Deutschland eingesetzte Kurzarbeit nicht, weswegen sich die Lage am Arbeitsmarkt in so kurzer Zeit so dramatisch zugespitzt hat.

Die Daten für April repräsentieren die höchste Arbeitslosenquote und den dramatischsten Anstieg innerhalb eines Monats seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1948, wie die Regierung mitteilte. Schätzungen zufolge war die Arbeitslosenquote während der Weltwirtschaftskrise in den 1920er und 30er Jahren bis auf 25 Prozent gestiegen. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs stand sie bei etwa 15 Prozent, dann nahm sie infolge der Kriegsmobilisierung wieder deutlich ab.

Seit Anfang des Monats haben viele Bundesstaaten damit begonnen, die Corona-Vorschriften wieder langsam zu lockern - obwohl die Pandemie vielerorts noch längst nicht unter Kontrolle scheint. US-Präsident Donald Trumps Regierung hofft daher darauf, dass sich Arbeitsmarkt und Wirtschaft ab dem dritten Quartal wieder rasant erholen werden.

Der Republikaner Trump sagte dem Fernsehsender Fox News am Freitag, die jüngsten Zahlen seien keine Überraschung. «Selbst die Demokraten machen mich nicht verantwortlich dafür.» Die Vereinigten Staaten hätten vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie mit ihm als Präsidenten die stärkste Wirtschaft gehabt. Er könne die Wirtschaft zu ihrer alten Stärke zurückführen, versprach Trump. «Diese Jobs werden alle zurückkommen. Und sie werden bald zurückkommen.» Das kommende Jahr werde für die USA in wirtschaftlicher Hinsicht «phänomenal» werden.

Bis Februar hatte die US-Konjunktur noch gebrummt, an der Börse wurden Höchststände gemeldet, und Experten rechneten mit einem Wirtschaftswachstum von gut zwei Prozent. Doch die rasante Ausbreitung des Coronavirus seit Anfang März machte die guten Konjunkturaussichten zunichte. Die USA steuern daher auf eine tiefe Rezession zu, deren Folgen wohl auch noch 2021 spürbar sein werden.

Das kommt Trump höchst ungelegen, zumal er sich bei der Wahl im November um eine zweite Amtszeit bewirbt. Der Präsident machte zuletzt Druck, die Corona-Beschränkungen der Bundesstaaten aufzuheben, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Dafür will er auch in Kauf nehmen, dass es weiter Neuinfektionen und Tote geben wird.

Bislang sind in den USA der Universität Johns Hopkins zufolge rund 1,26 Millionen Corona-Ansteckungen nachgewiesen worden. Das entsprach etwa jeder dritten bekannten Infektion mit dem neuartigen Erreger Sars-CoV-2 weltweit. Mehr als 75 000 Menschen starben in den USA.

Kongress und US-Regierung haben seit März Konjunkturpakete im Umfang von rund 2,7 Billionen Euro auf den Weg gebracht, um die schwächelnde Wirtschaft zu stützen. Davon stehen allein rund 650 Milliarden Dollar bereit für ein Kreditprogramm, das kleinen und mittelgroßen Unternehmen für die kommenden Wochen weitgehend die Lohnkosten ersetzt, um den Anstieg der Arbeitslosigkeit zu begrenzen. Die Kredite können bei Erfüllung bestimmter Bedingungen später erlassen werden. Sollte sich die Wirtschaft allerdings in den kommenden Monaten nicht deutlich erholen, könnte die Arbeitslosenquote nach Auslaufen des Programms wohl noch weiter ansteigen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft FlixTrain rüstet auf: Milliardeninvestition verschärft Wettbewerb mit der DB im Fernverkehr
13.03.2026

FlixTrain investiert Milliarden in neue Fernzüge und baut sein Angebot im deutschen Fernverkehr deutlich aus. Kann der private Anbieter...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Russlands Haushalt unter Druck: Steigender Ölpreis bringt nur begrenzte Entlastung
13.03.2026

Die Eskalation im Nahen Osten lässt die Ölpreise weltweit steigen und verschafft Russland kurzfristig höhere Einnahmen aus dem...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Stoïk: Cyberrisiken neu denken, bevor ein Schaden entsteht
13.03.2026

Cyberangriffe werden häufiger und teurer. Stoïk kombiniert Cyberversicherung, Prävention und Cybersicherheitslösungen. Das Unternehmen,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Iran-Krieg erschüttert die Märkte: Ölpreis, Aktien und Bitcoin unter Druck
13.03.2026

Der Iran-Krieg sorgt weltweit für starke Ausschläge bei Ölpreisen, Aktien, Währungen, Gold und Bitcoin und verschärft die Unsicherheit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preisbremse an der Zapfsäule: Kommt die neue Tankstellen-Regelung noch vor Ostern?
13.03.2026

Pünktlich zum Osterreiseverkehr will das Bundeswirtschaftsministerium den täglichen Preissprüngen an den Tankstellen einen Riegel...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lufthansa-Streik legt Drehkreuze lahm: Hunderte Flüge am zweiten Tag gestrichen
13.03.2026

Der Tarifstreit im Cockpit eskaliert weiter: Auch am zweiten Streiktag hinterlässt der Arbeitskampf der Pilotengewerkschaft Vereinigung...

DWN
Politik
Politik Mission am Polarkreis: Warum der Kanzler den hohen Norden besucht
13.03.2026

Von Raketenstarts bis zur Energiesicherheit: Bundeskanzler Friedrich Merz reist heute ins norwegische Andenes, um die deutsch-norwegische...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energiepolitik in der Iran-Krise: Wirtschaftsbeiräte legen Strategiepapier vor
13.03.2026

In der Debatte um die rasant steigenden Energiekosten plädieren die Berater von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche für...