Wirtschaft

Rückgang der Ölnachfrage geringer als erwartet

Der internationalen Energieagentur zufolge ist der Rückgang der Öl-Nachfrage im Verlauf der Corona-Krise geringer ausgefallen als erwartet.
21.05.2020 13:11
Lesezeit: 2 min
Rückgang der Ölnachfrage geringer als erwartet
Erdöl wird mit Hilfe eines Tiefpumpenantriebes ("Pferdekopf") gefördert. (Foto: dpa) Foto: Sebastian Widmann

In der Corona-Krise fällt der weltweite Ölverbrauch nach Einschätzung der "Internationalen Energie Agentur" (IEA) weniger stark als zunächst befürchtet. Die Gründe: Ausgangsbeschränkungen für Menschen werden vielerorts gelockert, Unternehmen arbeiten wieder. Mittlerweile geht die IEA davon aus, dass die Nachfrage in diesem Jahr um durchschnittlich 8,6 Millionen Barrel pro Tag schrumpfen wird. Zuvor war ein Rückgang um 9,3 Millionen Barrel pro Tag erwartet worden.

Die IEA wörtlich: "Der höchste Rückgang der globalen Raffinerietätigkeit hat sich auf Mai verschoben, da unsere Schätzung für April aufgrund neuer Daten und höherer Nachfrage revidiert wurde. Im zweiten Quartal 2020 werden die weltweiten Läufe voraussichtlich um 13,4 MBit / Tag im Jahresvergleich sinken, während der durchschnittliche Durchsatz im Jahr 2020 um 6,2 MBit / Tag sinken wird. Anfang Mai häuften sich die Anzeichen von Engpässen bei der Lagerung von Raffinerien. Mehrere Raffinerien in Europa, Asien und Afrika wurden auf unbestimmte Zeit geschlossen."

Damit sieht es nach einer Woche voller Volatilität nach einem leichten Zuwachs bei den Ölpreisen aus. Seit Montag hat der Brentpreis um rund einen Dollar zugelegt, US-Öl lag deutlicher um mehr als drei Dollar über seinen Wert zum Wochenstart.

Unterstützt wurde diese leichte Erholung durch die von führenden Ölnationen beschlossenen Förderkürzungen, die zum Monatsbeginn in Kraft traten. In den ersten zwei Maiwochen sank die tägliche Ausfuhr der in der Opec+ zusammengefassten Ölstaaten des Kartells und anderer Förderländer laut dem Analysehaus Petro-Logistics um fast 6 Millionen Barrel.

Die Ölpreise fielen im April aufgrund der schwachen Nachfrage aufgrund von Corona und rekordhohen Exporten aus dem Nahen Osten. Negative Öl-Futures-Preise wurden zum ersten Mal beobachtet, als sich NYMEX WTI am Tag vor Ablauf des Mai-Kontrakts bei - 37 USD / Barrel einpendelte. Die Lockerung der Sperrmaßnahmen in einigen Ländern unterstützte die Benzinmärkte. Jet-Risse fielen jedoch unter Null, da die Flugaktivität weiterhin gedrückt blieb. Die Rohöl- und Produktversandkosten stiegen, da mehr Schiffe für die schwimmende Lagerung gechartert wurden, so die IEA.

Die IEA wurde mit der Ölkrise von 1973-1974 geboren, als die Industrieländer feststellten, dass sie nicht ausreichend für das Ölembargo der großen Produzenten gerüstet waren, das die Preise auf ein historisch hohes Niveau brachte.

Dieser erste Ölschock führte im November 1974 zur Gründung der IEA mit einem umfassenden Mandat für Energiesicherheit und energiepolitische Zusammenarbeit. Dies beinhaltete die Einrichtung eines kollektiven Aktionsmechanismus, um wirksam auf mögliche Störungen der Ölversorgung zu reagieren. Der Rahmen war im IEA-Vertrag verankert, der als "Abkommen über ein internationales Energieprogramm" bezeichnet wird und dessen neu geschaffene autonome Agentur bei der Oecd in Paris untergebracht ist.

Die IEA wurde als internationales Hauptforum für Energiezusammenarbeit zu verschiedenen Themen wie Versorgungssicherheit, langfristige Politik, Informationstransparenz, Energieeffizienz, Nachhaltigkeit, Forschung und Entwicklung, technologische Zusammenarbeit und internationale Energiebeziehungen eingerichtet.

Die Gründungsmitglieder waren Österreich, Belgien, Kanada, Dänemark, Deutschland, Irland, Italien, Japan, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen (im Rahmen eines Sonderabkommens), Spanien, Schweden, die Schweiz, die Türkei, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten. Es folgten Griechenland (1976), Neuseeland (1977), Australien (1979), Portugal (1981), Finnland (1992), Frankreich (1992), Ungarn (1997), die Tschechische Republik (2001) und die Republik Korea ( 2002), Slowakische Republik (2007), Polen (2008), Estland (2014) und Mexiko (2018).

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Sandisk bricht um 12 Prozent ein, während sich der Ausverkauf bei Chip-Aktien verschärft title
16.07.2026

Ein turbulenter Handelstag an der Wall Street sorgt für weitreichende Verschiebungen und überraschende Bewegungen bei Einzelwerten.

DWN
Politik
Politik Führungswechsel in Kiew: Proteste überschatten Wahl der neuen ukrainischen Regierung
16.07.2026

Mitten im Abwehrkampf gegen Russland erlebt die Ukraine eine dramatische Regierungsumbildung. Während das Parlament in Kiew mit Serhij...

DWN
Politik
Politik Konflikt im Nahen Osten: Iran signalisiert Verhandlungsbereitschaft trotz neuer Drohungen
16.07.2026

Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran erreicht eine neue Rolltreppe der Eskalation. Während Washington den militärischen Druck...

DWN
Politik
Politik EU-Asylreform: Italien blockiert weiter Rücknahmen
16.07.2026

Die neuen EU-Asylregeln sollen eigentlich klären, welcher Mitgliedstaat für Schutzsuchende zuständig ist. Doch ein Bericht der...

DWN
Finanzen
Finanzen Fed-Aktienkäufe: Die Notenbank als letzter Retter der Börse
16.07.2026

Beim nächsten großen Börsencrash könnte die US-Notenbank zu einem Mittel greifen, das bislang als Tabubruch gilt: dem Kauf von...

DWN
Panorama
Panorama Miteinander statt Frust: Wie der Bund das Heimatgefühl vor Ort stärken will
16.07.2026

Geschlossene Läden, fehlende Ärzte und teurer Wohnraum sorgen vielerorts für Frust. Die Bundesregierung will Alltagsproblemen in Stadt...

DWN
Politik
Politik Steuerbetrug: Bundesregierung will härter durchgreifen
16.07.2026

Die Bundesregierung will Steuerkriminalität stärker bekämpfen und Ermittlungen besser bündeln. Finanzminister Lars Klingbeil und...

DWN
Politik
Politik Zivilschutz und Abschreckung: Deutschland stellt sich auf neue Bedrohungslage ein
16.07.2026

Deutschland richtet seine Sicherheitsstrategie stärker auf die Bedrohung durch Russland aus. Außenminister Johann Wadephul fordert ein...